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| e und weyland erſten Buͤrgermeiſters der freyen Kayſerlichen | Reichsſtadt Hamburg,
Grönland und pe; er Shafe Davis,
zum wahren Nutzen der Wiſſenſchaften
und der Handlung. | Mit Kupfern, und einer nach den neueſten und in dieſem Werke ange mag gebenen Entdeckungen, genau eingerichteten Landchurte. | Nebſt einem Vorberichte
von den een des Herrn e e 5
Hamburg / | verlegts Georg Chriftian Grund, Buchbr⸗ 1746. :
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rn! unde des Herrn a een, |
28) ann id sum u öſtem bin: mir in nachdenkliche Erwegung gezo⸗ gen, welchergeſtalt der große Schöpfer Himmels und der Erden den Reichthum feiner Macht, Weisheit und Guͤte in den rauheſten noͤrdlichen Gegen⸗ den eben ſo wenig, als in den ſaͤnftern und waͤrmern Welttheilen unbezeuget ge⸗ laſſen: welchergeſtalt die Naturwunder dorten eben fo haufig, als anderwaͤrtig,
vorkommen, und den aufmerkſamen Be⸗ 4 2 e
Vorrede des Herrn Verfaſſers. |
ſchauer noch auf eine beſondere Alt, olg⸗ lich um fo viel mehr ergetzen, und um fo ) viel fråftiger zum Preife des allgemeinen Schoͤpfers aufmuntern; ja we ſchergeſtalt wi endlich die Menſchen daſelbſt auf eben
| fo anmerkenswuͤrdige, obgleich an ſich
unfeinere, und gleichſam froſtige, Weile in den zu ihrer Erhalt und Nahrung un⸗
| entbehrlichen Geraͤthſchaften und Ge⸗
ſchaͤften, als die bequemer gelagerte, und
beſſer angeführte Volker, nach ihren Umſtaͤnden, ihre Menſchlichkeit an den
Tag legen: ſo iſt es mir nicht wenig zu Herzen gegangen, daß ich dabey zugleich wahrnehmen muͤſſen, wie ſowohl von
den Inwohnern, aus grober Ungeſchick⸗ lichkeit, als von den Auslaͤndern, aus 5
unverantwortlicher Unachtſamkeit, und ſchnoͤder Geringſchaͤtzung, ſolches alles
bis daher nicht gebührend erwogen und
u wenig berhſſtheaffns von
Sehe
Vorrede bes Herrn Verfaſſers.
| beträchtlichen Gegenden der politern Welt durch den Druck bekannt gemachet
worden. Es hat mich auch ſofort deſto pachdruͤcklicher angetrieben, darnach, fo
viel bey meinen Umſtaͤnden thunlich, deſto
fleißiger, doch mit behoͤriger Vorſich⸗ tigkeit, zu fragen, zu forſchen, und was ich davon zuverlaͤßig erfahren, ohnge⸗ ſaͤumt, um es der Vergeſſenheit zu ent⸗ reißen, aufs Papier zu werfen. N Vor wenigen Jahren habe ich durch | Zuſchub eines guten Freundes das Gluͤck und Vergnuͤgen gehabt, bey Ge⸗
legenheit der damals durch die Daͤnen | ohnfern der Straße Davis neuau⸗
gerichteten Colonien von denſelbigen Ge⸗
genden aus ein und andern, ſo allda
eine zeitlang geweſen, ein mehrers und beſſers, als man bisher davon gewußt, zu erfragen und zu bemercken, welches ich A Nachricht hinten anzuhangen, | J))
Vorrede des Herrn Verfaſſers. | \
entſchloſſen bin. Zu gleicher Zeit und nachher habe ich mich beſonders bemuͤ⸗ het, von der großen und vieler Urſachen halber merkbaren Inſel Island, an ſtatt der verſtuͤmmelten, veralteten und mit unzaͤhligen groben Fabeln verderbten Kundſchaften, womit man ſich bis an⸗ itzo vergnügen muͤſſen, etwas neuers, wichtigers, vollſtaͤndigers und gruͤndli⸗ chers in Erfahrung zu bringen. Hierzu hat mir die Haupthandlung / welche von und mit dieſer Inſel gefuͤhret wird, nach Willen dienen muͤſſen, indem jährlich verſchiedene Schiffer, auch wohl ein oder mehrere Unterkaufleute, von daher mit Flackfiſch, Thran und dergleichen, gera⸗ des Weges nach der an dem Elbſtrom belegenen Koͤniglich⸗Daͤniſchen Veſte Gluͤckſtadt kommen, deren ein und an⸗ derer, weil ſie die mitgebrachte Waaren an gel nen der mae |
ka
Vorrede des Herrn Verfaſſers.
Boͤrſe abzuſetzen pflegen, gemeiniglich um die verabredete Gelder dafuͤr in Em⸗ pfang zu nehmen, in Perſon ſich in Hamburg einfindet. Aus dieſen habe ich die Aufmerckſamſten zu mir fuͤhren laſſen, und bald durch mancherley Fra⸗ gen, bald durch Vorzeigung verſchiede⸗ ner Naturalien meines geringen Vor⸗ raths⸗ ſie dahin angeleitet daß ſie, was ihnen von dem natürlichen und poli⸗ tiſchen Zuſtande dieſer Inſel, abſon. derlich deren Suͤd⸗ und Oeſtlichen Kuͤſte, (von welcher eigentlich die Waa⸗ ren kommen, damit Handlung mit den Hamburgiſchen Kaufleuten getrieben wird) ſamt den auf ſelbiger vorgehenden Gewerb⸗ und Handelſchaften aus ei⸗ gener Erfahrung bewußt, mir richtig und umſtaͤndlich erzehlet haben. Was ich nun von denſelben ſolchergeſtalt her⸗ reg was mir auch fonft von N
Vorrede des Herrn Verfaſſers Island auf zuverlaͤßige Weiſe bekannt Grotte ſolches habe ich anfangs nur zu meinem eigenen Vergnuͤgen mit weni⸗ gem aufgezeichnet; nachhero aber zur Aufmunterung meiner Kinder, damit ſie nämlich die weit größere Wohlthaten und Beqvemlichkeiten, welche der milde Ge ber alles Guten uns und unſerm Vater⸗ lande vor jenen in geiſt⸗ und leiblichen ge ſchenket, deſto lebendiger zu erkennen, und mit ſo viel tieferer Ehrfurcht und Dank zu genießen angefriſchet werden moͤgten, in einige Ordnung gebracht, und mit beyfaͤlligen, aus der Natur und andern Wiſſenſchaften entlehnten Be trachtungen zu erlaͤutern und nutzbarer zu machen geſucht. Anitzo, da einige 2 eee und 2 2 ) fer ae |
Vorrede des Henn Safir. |
| muthlich noch vielen anderen gleichge⸗ ſinneten zu einer nicht unangenehmen Nachricht und Erweckung zur Nachfolge und Ausbeſſerung nach ihren etwan ha⸗ benden beſſern Gelegenheiten, mithin zu weitern Verherrlichung des großen Schoͤpfers dienen konnte; fo habe ich,
da wir ja, ein ieder nach unſerm Maaße, den Ruhm des Allerhoͤchſten und des Nächten Beſſerung aͤußerſt moͤglichſt zu befördern verpflichtet find, mich ohn⸗ ſchwer bereden laſſen, gegenwartige Nach 5 richten iedermaͤnniglich, der ſie zu leſen begehret, in die Haͤnde zu geben, der un⸗ gezweifelten Zuverſicht, daß man meine
dabey geaͤußerte wohlgemeinte Abſicht 5
ſich werde gefallen laſſen, und die etwan eingeſchlichene Fehler der menſchlichen Un⸗ vollkommenheit, und meinen r 25 . sig PRAHER: |
a Vor⸗
Bon den geben des Herrn Bürgermei- 5 Aubert i en
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8 wird hosen den eeſern ki N ſeyn, wenn man dieſes Werk mit kur⸗
e zen und beglaubten Nachrichten von dem Leben des berühmten Verfaſſers begleitet. Aus⸗ waͤrtige lernen dadurch ſeine Verdienſte um den Staat und die Gelehrſamkeit naͤher kennen: und ſo viele rechtſchaffene Männer in ſeinem glücklichen Va⸗ terlande Zeugen und Bewunderer feiner unvergeßli⸗ chen Vorzuͤge geweſen ſind; ſo viele werden auch itt
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einen kleinen Entwurf feiner Lebensumſtaͤnde und
Verdienſte allhier mit deſto groͤſſerem Vergnügen finden, als man mit gaͤnzlicher Ausſchlieſſung der Schmeicheley nichts, als Wahrheiten, ob wohlnoch lange nicht alle meldet, die dem ſel. Herrn Buͤrgermei⸗ ſter Anderſon zum Nachruhm gereichen fönnten. Herr Johann Anderſon wurde den raten Merz 1674 aus einer angeſehenen Familie gebohren, Sein Vater war Herr Ammon Anderſon, ein ruͤhm⸗ licher und vornehmer Kaufmann dieſer Stadt; zur Mutter hatte er Geſa, eine gebohrne Stahlen, eine Frau, welche wegen ungeheuchelter Froͤmmig⸗ keit und ſittlicher Vorzuͤge ihres Geſchlechts nicht unbekannt geblieben iſt. Es iſt mein Vorhaben nicht, ſeinen Ruhm aus dem Geſchlechtregiſter ſei⸗ „ ner Boreltern zu borgen, und feinem Leben durch ihre löbliche Handlungen einen Glanz mitzutheilen, der ihm uͤberflüßig waͤre. Ich werde d nur ſei⸗
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vonden 2ebensum finden des Hrn. Verfaſſers.
ne Großeltern nennen. Der Großvater, vaͤterli⸗ cher Seite war, Andreas Ammonſon, Kauf⸗ mann und aͤlteſter Rathsherr zu Gottenburg. Aus deſſen Vornamen, wie in Schweden und andern Nordlaͤndern der bekannte Gebrauch iſt, des Sohns Geſchlechtsname, und aus dem Geſchlechtsnamen des Vaters, des Sohns Vorname gemacht war. Getrud, eine gebohrne Oluffs, war die Großmut⸗ ter von dieſer Seite. Der Großvater von Mutter wegen, nannte ſich Johann Stahl, und war hie⸗ ſiger Stadt Oberalter; deſſen Frau, oder die Groß⸗ mutter muͤtterlicher Seite, war Magdalena Ler. petit, aus Frankfurt am Mayn. RE Gleich mit der Geburt nahm die Sorgfalt beg Eltern für die Erziehung ihres Sohns den Anfang. Sie bemuͤheten ſich ſeine Unſchuld in Sicherheit zu ſetzen, und ſeinen zarten Verſtand mit allen Erkennt⸗ niſſen zu beleben, deren er nur faͤhig war. Vor al⸗ len Dingen ſuchten ſie den Segen Gottes uͤber ihn zu ziehen, und er muſte ſich daher zu einer fruͤhen ; Gottesfurcht, als der einzigen Qvelle aller Gluͤckſe⸗ ligkeiten und eines ewigen Guten, gewöhnen. Man beobachtete in ſeinen zarten Jahren an ihm ein gu⸗ tes Herz, einen fertigen Verſtand und eine Faͤhig⸗ keit, die der Zukunft etwas Groſſes verſprach. Man übergab ihn daher zeitig dem Unterrichte geſchickter Lehrmeiſter, doch ſo, daß die Eltern dabey die Sorg⸗ falt fuͤr ſeine Erziehung, wie gemeiniglich die Mode iſt, nicht fahren lieſſen, ſondern durch ihre ſorgſa⸗ me Aufmerkſamkeit, den Schuͤler und Lehrer nur achtſamer und munterer machten. Schon in den Jahren, da ſich ” vielen das Bewuſtſehn me merk⸗
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merklich woch entwickelte ſich en Talent. er hatte die lateiniſche j griechiſche und hebraͤiſche Spra⸗ chen zu einer Zeit bereits inne, da andere mit Er⸗ lernung derſelben kaum den Anfang machen; und
es iſt bekannt, daß er ſich im Lateiniſchen und Grie⸗
chiſchen eine ſolche Staͤrcke erworben hat, als wenn er in dieſen Sprachen waͤre erzogen worden. Mit dieſen Huͤlfsmitteln widmete er ſich der Gottesge⸗ lahrtheit, doch ſo, daß er ſich vorher mit allen Theilen der Weltweisheit und der Mathematick genau bekannt machte. Die damahls berühmten Gottesgelehrten, Doct. Abraham Hinckelmann, und der ſel. Senior Joh. Winckler, nebſt andern gelehrten Maͤnnern, deren Privatunterricht man ihn anvertrauet, wa⸗ ren ſeine Anfuͤhrer. Der Entſchluß der Kirche zu die⸗ nen wurde indeſſen aus wohl überlegten Gründen,
und nicht blindlings, geändert, wie gemeiniglich
von denen geſchiehet, welche von der 3 | heit zur Rechtsgelehrſamkeit uͤberlauffen. Es geſcha⸗ he ſelbſt auf Anrathen des ſel. Doctor Hinckel⸗ | manns. Die vorgenommene Veränderung ermun⸗ terte feinen glücklichen Fleiß noch mehr, und er legte einen neuen Grund zu der groſſen Wiſſenſchaft 10 zu der er wirklich gelanget iſt. | Im Jahr 1694 den 24ten April begab ſich der Herr Anderſon im arten Jahre ſeines Alters unter Anfuͤhrung ſeines Hofmeiſters, Herrn Sebaſtian Gottfried Starcke, aus Bockendorf! in Sachſen, nachmaligen Lehrers der morgenlaͤndiſchen Sprachen zu Greifswalde, der dem ſel. Doctor Hinckelmann, waͤhrend ſeines Aufenthalts in Hamburg, bey der re ſeines Alcorans IR geweſen iſt / ur
von den Lebeneumftänden des Hrn. Verfaſſers.
deſſen getreuen Unterricht in den ſchoͤnen Wiſſen⸗ ſchaften er bey 4 Jahren empfangen, nach Leipzig. Von da that er eine Reiſe weiter in Sachſen, und ließ ſich die Werke der Kunſt und der Natur fo wohl in den fuͤrſtlichen Schloͤſſern als Bergwerken zeigen. Seine geſchriebene Anmerkungen; die er von ſächſi⸗ ſchen Seltenheiten gemacht hat, und die uͤber die acht Hefte ſtark find, beweiſen gnung, daß er kein blog ſer Bewunderer geweſen, und ſich ſchon damals mit der Hiſtorie, der Naturgeſchichte und den Al⸗ terthuͤmern, muͤſſe genau bekannt gemacht haben. Seine Zurück kreiſe nahm er uͤber Halle, wenige Ta⸗ ge vor der Einweihung dieſer hohen Schule; Allein ſein ſtrenger Fuͤhrer wolte ſich nicht bewegen laſſen den Tag dieſer feyerlichen Handlung abzuwarten; Indeſſen beſahe er doch hin und wieder bey den Kuͤnſtlern die Anſtalten. Nachdem ſie in Berlin das Merkwuͤrdigſte kennen lernen, kehrten ſie den ssten Junii wieder nach Hamburg zurück. 17570
Im Jahr 1695 den sten May gieng er auf An⸗ |
rathen und Gutbefinden feiner vernünftigen Eltern und Freunde nach Halle. Hier war der geſchickte Academicus unermuͤdet. Er trieb die buͤrgerlichen Rechte mit Eifer, und machte ſich mit der Staatz geſchichte und Naturlehre und allen den Wiſſenſchaf⸗ ten, die einen wahren Rechtsgelehrten bilden, und ihm unentbehrlich ſind, ſehr genau bekannt. Er lernete die franzdſiſche, engliſche und italiänifche Sprache; indeſſen blieb er kein Fremdling i in ſeiner Mutterſprache, wie die meiſten Staatiſten und Rechtlehrer der damahligen Zeiten waren; er trieb dieſelbe und ihre Alterthuͤmer mit ſolcher Emſigkeit, als
Yorberihen
als wenn dieſes feine Hauptwiſſenſchaft uh ſolte. Sein Fleiß, feine kluge und ſittſame Lebensart er⸗ warb ihm! die Hochachtung und Liebe ſeiner Lehrer.
Im Jenner 1697 gefiel es der Vorſehung, den Hen Anderſon durch den Tod ſeines wuͤrdigen Vaters zu betruͤben. Er verließ daher in aller Eyle den Sitz der Muſen, und kam den 18ten beſagten Monats nach Hamburg zuruͤck. Die Zaͤrtlichkeit, womit er ſeinen Vater geliebet, der nagende Gram uͤber feinen Verluſt, und die beſchwehrliche Kälte; - die er auf der Reife ausgeſtanden, bemaͤchtigten ſich ſeiner Kraͤfte dergeſtalt, daß er eine harte Krankheit
ausſtehen muſte. Kaum war dieſelbe uͤberſtanden, ſo vermehrte ſich ſein Fleiß mit dem Zunehmen ſei⸗ ner Kraͤfte wieder. Den loten April verließ er abermal die Seinigen, und trat eine Reiſe nach Holland an; Hier beſahe er die vornehmſten Oer⸗ ter und Städte, und machte ſich mit den beruͤhmte⸗ ſten Gelehrten und Kuͤnſtlern bekannt Zu Delft unterhielte er einen vertrauten Umgang mit dem Naturforſcher Loͤwenhoͤck, die Wunder der Natur, welche ihm dieſer aufmerkſame Mann zeigte, und die den Augen erſt e wurden, wenn er die Kunſt zu Huͤlfe nahm, belebten den Herrn Anderſon mit dem edlen Eifer, kuͤnftighin ſeine Nebenſtunden der
Unterſuchung der Natur zur Verehrung des Schoͤe pfers zu widmen. In Leiden machte er ſich mit dem
beruͤhmten Kuͤnſtler Muſchenbrock, der die ſcho⸗ nen Luftpumpen und Vergrdſſerungsgläſer gemacht hat, nicht weniger bekannt. Von hier that er ver⸗ ſchiedene Reifen zur Zeit der Ryswickiſchen Friedens: i banapane nach dem Haag, allwo die Bi | ei⸗
von den Lebensumſtaͤnden des Sn. Verfaſſers.
feines Freundes „unſers, der von ihm erlebten und noch vieler ferneren Jahre ſo wuͤrdigen Herrn We, germeiſters Stampel,
Iuſtitiae cuſtos rigidi ſeruator hongfti In commune bonus g
beiden dig angenehmfte Gelegenheit gab, zu ihrer in den folgenden Zeiten bey wichtigen Staatsgeſchaͤf; ten ſich geaͤuſſerten Einſicht und Erfahrung zum Nutzen des Vaterlandes den Grund zu legen. Sie erwarben ſich daſelbſt die Gunſt vieler hohen Mini⸗ ſter. Hier kan ich nicht umhin ein paar beſondere Beyſpiele der goͤttlichen Beſchuͤtzung in Anſehung des Herrn Anderſon anzufuͤhren. Den raten May hatte er die Ehre bey Sr. Excell dem Herrn Envoye von Schrottenberg im Haag zu ſpeiſen. Nach auf gehobener Tafel fuhr er mit dem Sohne dieſes Herrn nach Schevelingen, und beſahe die Sandduͤnen, die hier von der Natur ſowohl angeleget find, daß oh⸗ ne ſie Niederholland von der See wurde uͤerſchwem⸗ ü met werden. An der See waren damals wegend der franzöfifchen Caper einige Canonen gepflanzet. In⸗ dem ſie nun an das Ufer hintraten, ließ fig ein feanzöfifcher Caper mit hollaͤndiſchen Flaggen in der Naͤhe eines Canonenſchuſſes ſehen; er zog ſogleich Duͤnkirchiſche Flaggen auf, und that zween Cano⸗ nenſchuͤſſe auf ſie, daß die Kugeln vor ihnen vorbey ſauſeten; ſie flohen hinter eine nahe dabey ſtehende Kirche, und dankten Gott für ſeine gnaͤdige Bewah⸗ rung. Wenige Tage nach dieſem Vorfalle ver⸗ ſouͤrte er aber abermal eine deutliche Probe der goͤtt⸗ lichen Obhut. Er beſtieg einen brennenden Kalk⸗ beg, welcher vor ſeinen Fuse einſank, daß er ai nahe
Dorberiche, u med x ft
nahe mit b in die volle Glutgeſtürzet ware Ich uͤbergehe andere Vorfälle , bey welcher er Ge⸗ legenheit gehabt, einen allmächtigen Erhalter zu preiſen: Wie er denn im Junius abermal von ei⸗ ner ſchweren Krankheit genas. Im Julius berei⸗ tete er ſich zu ſeiner Promotion, und den Sten Au⸗ guſt 1697 erhielte er zu Leiden die hoͤchſte Wuͤrde in der Rechtsgelehrſamkeit, nachdem er vorher de iuramento Zenoniano diſputiret hatte. Mit die⸗ ſer Wuͤrde kam er den 28ten Auguſt wieder in ſein Vaterland zuruͤck, und widmete ſich dem Staate mit Eigenſchaften, die demſelben nuͤtzlich und heil⸗ fam waren.
Kaum hatte er ſeine häusliche Geſchaͤfte in Ord- nung gebracht, ſo fieng er an, die Rechte derer zu be⸗ ſchuͤtzen und zu vertheydigen, welche in der buͤrger⸗ lichen Geſellſchaft von der Ungerechtigkeit, der Arg⸗ lift und der Zankſucht angefallen wurden. Er war ein Sachwalter ohne Eigennutz, und bewieſe, daß es ihm mehr um die gerechte Sache, als um die geſchwinde Mittel, und Griffe reich zu werden, zu thun war. Hiedurch erwarb er ſich nicht allein die Liebe ſeiner Clienten, ſondern auch die Gewogenheit derer, welche das Endurtheil uͤber feine Rechtsklagen ausſprachen. Die Vaͤter der Stadt waren bald darauf bedacht, fi ch der Geſchick⸗ lichkeit dieſes Mannes zu einem naͤhern und allge meinern Nutzen zu bedienen. Er ſelbſt war damals
entſchloſſen, ſich um keine der hieſigen Wuͤrden und Aemter zu bemühen , und vielmehr ſeine kuͤnftigen Jahre den Wiſſenſchaften in einer weiſen und fleißi⸗ gen Stille zu heiligen, zu welchem Ende er auch die :
von den Lebensumſtaͤnden des Sen, Verfaſſers.
| Abſicht und Hofnung hatte, die maͤßige Zahl der gelehrten Domherren in Deutſchland durch ſeinen
Beytritt zu vermehren. Gleichwohl wurde er im
Jahr 1702 den 18ten October zum Secretair an
die Stelle des damahligen Licent. Herrn Hein⸗
rich Sillem, welcher in die Stelle des verſtorbe⸗ nen Protonotarius Herrn Albert Schulte Lic. geruckt war, erwehlet. Er verwaltete dieſes Amt mit vielem Ruhm und ſeine groſſe Wiſſenſchaft
in dem Zuſammenhange des Staats machte ihn bey der Ausfuͤhrung der wichtigſten Abſichten
nothwendig. Ein hochweiſer Rath ſahe die Ver⸗ dienſte dieſes redlichen Mannes immer mehr und
mehr ein, und er wurde den ıgten Novemb. 1708
zu einer Würde erhoben, zu welcher allemal Min-
ner genommen werden, welche nicht allein den in⸗
nern, ſondern auch den aͤuſſern Staat vollkommen
kennen, und an den Hoͤfen der Koͤnige das Wohl
ihrer Mitbürger beſorgen koͤnnen. Zum allgemei⸗ nen Vergnuͤgen der Stadt ward er Syndicus, an
die Stelle des Herrn Wolder Scheele, I. V. P. welche acht Jahr unbeſetzt geblieben war. Seine Arbeit bey dieſer Wuͤrde haͤufte ſich taͤglich, und ie
mehr fie ſich haͤufte, deſto groͤſſer wurde fein Eyfer fuͤr das gemeine Beſte. Vielleicht hat man niemals
/
mehr Sorgfalt, niemals eine reinere Beurtheilung
und Einſicht bemerket, als dieienige war, die der
Herr Anderſon bey den damahligen verwirrten Vorfaͤllen der Republik bewieſe. Es gehoͤret nicht hieher, den Vorhang von Begebenheiten weg zu zie⸗
hen, die einer ewigen Vergeſſenheit wuͤrdig ſind.
Der * e ſahe 12 auf das gemeine er | 2 e.
Vorbericht i
ſte. Er vereinbarte das Anſehn des Raths mit der åg
Erleichterung der Buͤrgerſchaft, und er hatte Gele: genheit durch heilſame Nathſchlaͤge die Ruhe der Stadt befoͤrdern zu helfen, und den Geſetzen ihre
Kraft wieder zu verleihen, welche durch Zwietracht und Unruhen gelitten hatten. Sein wichtiges und
muͤhſames Syndicat verwaltete er mit unermuͤdeter
Sorgfalt, und ohne Eigennutz fuͤr ſeine Familie ganzer funfzehn Jahr. Die kuͤnftigen Bürger wer⸗
den noch den Nutzen zu ruͤhmen haben, welcher aus ſeinen redlichen Bemuͤhungen ihren Vaͤtern in dieſen Jahren zugefloſſen iſt. In der Wuͤrde eines Syndici wurde der Herr Anderſon oͤfters in den wichtigſten Angelegenheiten an fremde Hoͤfe ver⸗
— —
ſandt. Im Jahr 1711 den Eten Auguſt wurde er
im Namen der Stadt an den Hochſel. Koͤnig von Daͤnnemark Friederich den IV nach dem Grande
verſandt, und den zıten Auguſt gieng er nach Len⸗
zen, ſchloß alda mit den brandenburgiſchen, hannd⸗ |
verſchen und wolfenbuͤttelſchen Miniſtern einen
Tractat zum Vortheil der Handlung und der Schif⸗
fahrt. Im Jahr 1713 den uten Febr. gieng er nach Utrecht zum Friedenscongreß, und traf den 24 da⸗
ſelbſt ein. Sein edler Character erwarb ihm gar bald
das Zutrauen der bevollmaͤchtigten kayſerlichen, engli⸗
ſchen, franzöſiſchen, ſpaniſchen, portugieſiſchen und
anderer hohen Miniſter, und er bewirkte nicht al⸗
lein den Nutzen ſeiner Vaterſtadt daß ſie mit in den
Frieden eingeſchloſſen wurde, ſondern er ſorgte auch
zugleich fuͤr die freye Handlung der geſamten loͤ⸗
lichen Hanſeeſtaͤdte. Die Stadt Hamburg hatte
Ai: eine We Ehre von dem klugen und ver⸗ g nluͤnf⸗
von den Lebensumftåndendes orn. Verfaſſers.
nuͤnftigen Betragen ihres Syndici. Nachdem der Friede den u April zwiſchen Engelland und Frank⸗ reich gezeichnet worden, that er eine Reiſe nach Am⸗ ſterdam, Haag, Leiden, Rotterdam und andern Orten, theils ſeiner Geſchaͤfte wegen, theils ſeiner Neubegierde in Beſehung der Bibliotheken, Natu⸗ raliencabinetter, Apotheken und andern auslan- diſchen Seltenheiten ein Gnuͤge zu thun. Von Rotterdam gieng er den 17ten Juli zu Schiffe, und kam in einem ferien Sturm zu Antwerpen den 9 Aug. an. Er beſahe ſo wol das merkwuͤrdigſte die⸗ ſer Stadt, als der herumliegenden, und begab ſich hierauf wieder nach Utrecht. Endlich trat er den i7ten Septemb. feine Zuruͤckreiſe an, und kam erſt den 4fen Junii 1714, nachdem er fich ſowohl am 05 hanndverſchen als braunſchweigiſchen Hofe aufhal⸗ ten muͤſſ en, nach Hamburg. Ich kan nicht umhin als eine bewunderns wuͤrdige Probe des Fleiſſes und der Aufmerkſamkeit dieſes Mannes zu beruͤh⸗ ren, daß fein gelehrtes Tagregifter von dieſer Reiſe, worinnen er von ſeinen Staatsverrichtungen aus einer gewiſſenhaften Bedenklichkeit nicht das gering⸗ ſte bemerket hat, allein uͤber 200 Bogen ſtark iſt. Er hat darinn von Tage zu Tage nur bloß einige beſondere phyſicaliſche, geographiſche, mechaniſche, bdeonomiſche und andere Merkwürdigkeiten, die er bey Gelehrten und Kuͤnſtlern geſehen und erfah⸗ ren, aufgezeichnet.
Schon den ten Julii 1714 muſte er wieder auf den Congreß zu Baden abreiſen, und er war allda in den Verrichtungen fuͤr ſein Vaterland nicht we⸗ niger gluͤcklich als zu Utrecht. Die Stunden,
b 3 | wel⸗
N 7 Vorbericht nen
welche ihm ſeine Gefchäfte übrig lieſſen / widmete er der Unterſuchung der Natur und der Alterthuͤmer, und um ſeine Kenntniß hierinnen noch zu erweitern, durchreiſete er die Schweiz und beſahe die Wunder der Alpen. Ich finde von dieſer Reiſe uͤber 30 Bo⸗ gen gelehrter Anmerkungen aufgezeichnet. A der Mitte des Octobers traf er wieder in Hamburg | ein. So wichtig bisher die Geſandtſchaften des Herrn i Anderſons geweſen, ſo trat er doch die anſehnlichſte und wichtigſte im Jahr 1715 den 6ten April in Ge ſellſchaft des damahligen Rathsherrn und nachheri⸗ gen Burgermeiſters Daniel Stockfleth, nach dem Hofe Ludewig des XIV an. Der Tod dieſes Monarchen unterbrach ſeine Gefchäfte, und nach vielen Bemuͤhungen hatte er endlich den 27 Sept. 1716 das Vergnuͤgen den fuͤr Hamburg ſo vortheil⸗ haften Commercientractat mit Frankreich zu ſchlieſ⸗ ſen. Waͤhrend ſeines Aufenthalts an dieſem Hofe hatte er das Gluͤck von den Prinzen vom Gebluͤte, und den fremden Miniſtern mit einer vorzuͤglichen Achtung beehret zu werden, und der Herzog Re⸗ gent und Madame lieſſen ihm beſondere Merk⸗ male ihrer Gnade angedeyen. Man kan leicht „ achten, daß er in dieſem Königreiche, welches ein Sitz der Wiſſenſchaften und der Kuͤnſte iſt, ſeiner Neigung zu denſelben ein Genuͤge werde ee ha⸗
ben. Die Bibliotheken und der Umgang mit den vornehmſten Gelehrten und Kuͤnſtlern waren bey muͤßigen Stunden ſein Zeitvertreib. Er gieng mit den gelehrten Benedietinern Montfaucon und la es den Herrn Fontenelle, Boiuin, eo Iul-
’ 2 von den Lebensumſtaͤnden des ørn. Verfaſſers.
Iuſſieu, Maraldi, Caſſini, Winslow, Reaumur, Baudelot, Mahudel &c. und andern beruͤhmten Mit⸗ gliedern von der Academie febr fleißig um. Die Ma: nufacturfabriqven, die Steinbruͤche und Minen, und was ſonſt die Kunſt und die Natur ſehenswuͤrdig in dieſem Koͤnigreiche hervorgebracht, muſten ſeiner Neu⸗ gierde nicht entgehen. Ich koͤnnte der Welt aus ſeinen Handſchriften, welche von dieſer Reiſe uͤber 100 Bo: gen ſtark ſind, aus der Naturlehre, der Mechanick,
der Geographie und andern Wiſſenſchaften Nach⸗ richten mittheilen, die ſie eben ſo begierig aufneh⸗
men wuͤrde, als die Reiſebeſchreibung eines Dif: ſons, eines Tourneforts, oder eines Keißlers. In dieſem Zeitbegrif des Lebens dieſes wuͤrdigen Man⸗
nes muß ich noch beruͤhren, daß Georg der erſte,
glorwuͤrdigen Andenkens, der noch als Churfuͤrſt ihn in Hannover kennen lernen, ſehr viel auf ſeine Staatsklugheit gehalten, und ihn ſehr oft zu den
geheimſten Berathſchlagungen nicht allein gezogen,
ſondern auch ſeine groſſe Einſicht gegen ſeine Mini⸗ ſter zu verſchiedenen malen oͤffentlich geruͤhmet hat. Dieſe gnaͤdige Zuneigung erfuhr er noch, als dieſer Monarch abreiſete, um den großbritanniſchen Thron in Beſitz zu nehmen. Denn als die Ge⸗ ſchaͤfte des Herrn Anderſon durch den Tod Lude⸗ wig des XIV am franzöfifchen Hofe unterbrochen wurden, lieſſen Sr. Maieſtaͤt durch den Ge: heimten Rath von Bernſtorff, welcher dieſelben nach Engelland begleitete, an ihn gelangen, daß er ſich gleichfals dahin begeben und an den Berath⸗ ſchlagungen und Abſichten Sr. Maieſt. Theil neh⸗ men ſolte. So ens dieſe hohe er | b 4
Vorbericht FAR 90
Gnade ſo wohl fuͤr den Herrn Anderſon, als für ſein Vaterland war: ſo ſahe er doch, beſonderer Umſtaͤnde wegen, genoͤthiget, dieſelbe zu verbitten. Der Herzog von Braunſchweig Auguſt Wilhelm ſchaͤtzte und liebte nicht weniger denſelben: Seine herrliche Eigenſchaften machten, daß dieſer groß⸗ muͤthige Herr ihn zu ſeinem geheimden Rath ernann⸗ te. Allein unſer Syndicus ſchlug dieſe Ehre und Gnade gleichfals mit Beſcheidenheit aus. Er liebte ſein Vaterland; er wolte ſich nur bloß demſelben wid⸗ men, und deſſen Gluͤckſeligkeit befoͤrdern helfen. Auch das Vaterland belohnte ihn.
Inm Jahr 1723 den sten Febr. erhielt er die hoͤch⸗ ſte Wuͤrde der Stadt, er ward Buͤrgermeiſter zur i allgemeinen Freude der ganzen Buͤrgerſchaft, und in feiner vieliaͤhrigen Regierung hat fie ihn nicht als einen Herrn, ſondern als Vater verehret. Im Jahr 1732 wurde er der Aelteſte in der Würde, und nach der Verfaſſung der Stadt, Generalißimus.
Es wuͤrde ſchwer fallen, die ſo vielen ſchoͤnen Ei⸗ | genschaften dieſes Mannes in ihrer voͤlligen Groͤſſe zu beſchreiben. Deſtomehr wuͤnſchen wir ſeinen fuͤr⸗ treflichen Character in den buͤndigſten Worten hier entwerfen zu koͤnnen, und zu dem Ende wird es uns erlaubt ſeyn, einige Zeilen aus dem Horaz zu waͤh⸗ len, und itzo uns eigen zu machen, um einen unſerer Bürgermeister abzubilden, den wir, in vielen Stuͤ⸗ cken, mit den beruͤhmteſten Romiſchen vergleichen konnten, und an dem die Wahrheit die Eigenſchaf⸗ ten erkennet, welche die Schmeicheley des Horaz dem Lollius Geige Und > war ein erde
er
Rerum. | |
von den Lebensumſtaͤnden des hun, Verfaſſers.
Rerumque prudens, & ſecundis Temporibus, dubiüsque rectus. Vindex auarae fraudis, & abſtinens Ducentis ad fe cun&ta pecuniae , CONSVLQVE non unius anni.
So häufig auch die Geſchaͤfte, die mit Ana Wür⸗ de verbunden ſind, waren, konnte ſie doch ſeine herr⸗ ſchende Neigung nicht unterdrücken: diefe ließ ihn alles uͤberwinden. Kaum hatte er die Ruhe der Fami⸗ lien geſichert kaum hatte er den allgemeinen Nutzen des Vaterlandes beſorget, ſo eilete er zu ſeiner zahlreichen Bibliotheck / wo er alles fand, was ſein gluͤcklicher Fleiß begehrte, und wo er allein die Erqvickung nach einer muͤhſamen Arbeit ſuchte. Der Urſprung der teutſchen Sprache, die Geſetze und Alterthuͤmer der Teutſchen, und die Naturlehre waren hier hauptſaͤch⸗ lich ſein angenehmer Zeitvertreib. Seine Staͤrke in den teutſchen Alterthuͤmern find von den beruͤhmteſten und groͤſten Maͤnnern in dieſer Art ſehr oft erhoben worden. Leibnitz ruͤhmet ihn dieſerwegen in feinen Briefen an unſern verewigten Fabricius ſehr oft, und wuͤnſchet ſich ſeinen Beytrag zur Erlaͤuterung der alten teutſchen Geſetze. Eckard geſtehet, daß unſer Buͤrger⸗ meiſter ihm hauptſaͤchlich einen Beytrag zur. Verferti⸗ gung feines etymologiſchen Woͤrterbuchs der teut⸗ ſchen Sprache mitgetheilet habe. Wie viel der ſtarke Kenner der alten teutſchen Sprache Dieterich von Staden auf ſeine Einſicht und Urtheil in dieſer Sa⸗ che gehalten, meldet uns der fleißige Herr Rector von Seelen. Seine Einſicht und Beyſtand war nie⸗ mand verſagt, und ſeine Geſchicklichkeit und Ver⸗ ‚ mögen gleichen ſeiner Willfaͤhrigkeit. Was fur ei⸗ nen anſehnlichen Beytrag er dem Verfaſſer des Di- b 5 ctiona-
Vorbericht e e
&ionarii Anglo Suethico- N dem Herrn Sirenius, damaligen Prediger i in London und itzi⸗ gen Biſchof, „geleiſtet hat, ruͤhmet und erzehlet die⸗ ſer ſelbſt in der Vorrede zu ſeinen Werken. ki
Auſſer der Benhülffe, die er andern Gelehrten ; that, arbeitete er auch fur fich, und die von ihm hin: terlaſſene Handſchriften beweiſen ſolches ſattſam. Un⸗ ter dieſen iſt das faſt zum Abdruck fertige Gloſſarium Jeutonicum et Allemannicum das wichtigſte. Es
iſt dieſes Werk ziemlich ſtark angewachſen, und mit der gröften Sorgfalt ausgearbeitet worden. Die darin⸗
nen bewieſene Kenntniß der Nordiſchen Sprachen,
woran es Schiltern und Wachtern ohne Abbruch ihrer Verdienſte gefehlet hat, zeugen von deſſen Wer⸗ the. Es enthaͤlt hauptſaͤchlich Erklaͤrungen der vor⸗
nehmſten Wörter, fo bey den Scribenten Medüi Aevi
vorkommen. Auſſer dieſem findet ſich noch ein ſtarkes Buch von Obferuationibus Iuris Germanici, ad ductum Elementorum Iuris Germanici des feel. Hrn. Heineccii, worinnen nicht allein die alten Teut⸗ ſchen Rechte aus der Etymologie, den Alterthuͤmern und den dahin gehörigen Urkunden eroͤrtert werden,
ſondern auch dieſes unſterblichen Rechtsgelehrten Saͤ⸗ tze weiter ausgeführet und hin und wieder ſind verbeſ⸗ fort worden. Es werden viele mit mir wünfchen, daß der wuͤrdige Sohn des gelehrten? Anderſons, welchen er nach feinen weiſen Grundſaͤtzen erzogen und der auf
feinen Reiſen durch Frankreich das ruͤhmliche Anden ken ſeines Vaters allenthalben angetroffen und zum
Beyſpiel gehabt hat, Zeit und Muße gewinnen möge, der gelehrten Welt nicht allein dieſe, ſondern auch fol e Wale aus ſeinen ia, zu lieffern. Es
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| von den Lebens umſtaͤnden des Hrn. Verfaſſers.
finden ſich noch beſonders gelehrte Anmerkungen zum |
lure feudali, zum lure publico und lure ſtatutario
Hamburgenſi. Seine Abſicht in dieſen gehet dahin,
aus der Etymologie die Geſetze und Rechte hauptſaͤch⸗ lich zu erlaͤutern; wodurch denſelben bey der Ausle⸗
gung und dem Gebrauche kein geringes Licht mitge⸗ theilet wird. Bloß die muͤhſame Wuͤrde unſers Buͤr⸗
germeiſters hat ihn verhindert, den Abdruck davon zu beſorgen. Aus eben dieſer Urſache iſt auch das Gloſ- ſarium Linguae veteris Saxonicae, fo der ehemali⸗ ge gelehrte Neformirte Prediger in Bremen D. Ger⸗
hard Meyer, welcher von dem berühmten Bremi⸗
ſchen Eutherifchen Gottesgelehrten und Superinten⸗
denten dieſes Namens wohl zu unterſcheiden ift, auf
Leibnitzens Anrathen übernahm, liegen geblieben.
Der unvermuthete Tod des Verfaſſers unterbrach die
Ausführung dieſes Werks; indeſſen entgieng es doch
dem Schickſale, das gemeiniglich ſolchen Schriften be⸗ ſtimmet iſt, da ſie entweder in die Haͤnde der Einfaͤlti⸗ gen und Unwiſſenden fallen, oder auch denen neidiſchen Manuſcriptenjaͤgern zu theil werden, welche ſie zum Abbruch der Wiſſenſchaften in Staub und Vergeſſen⸗ heit begraben. Unſer Herr Anderſon bekam daſſelbe
in die Haͤnde; er durchgieng das unleſerlich geſchriebe⸗
ne und aus einigen Baͤnden beſtehende Manuſcript mit eben ſo vieler Sorgfalt, als der Verfaſſer es entwor⸗ fen und er Muͤhe gehabt hatte, es von deſſen Erben zu
erhandeln. Hin und wieder bereicherte er es mit ſeinen
gelehrten Anmerkungen, und es würde gewiß der Welt
ſchon vor Augen liegen, wenn die uͤberhaͤuften Stadt⸗
geſchaͤfte unſerm Buͤrgermeiſter erlauben wollen, dem⸗ ſelben eine mehrere Ordnung mitzutheilen und fuͤr eine
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Vorbericht Tone
eine richtige Abſchrift und Druck zu ſorgen. Dieſes
eben gedachte Gloflarium Linguae veteris Saxoni- cae muß mit oben angeführtenGloflario Teutonico
et Allemannico nicht verwechſelt, noch fuͤr ein Werk Å gehalten werden, als welches letztere unferm Anders fon allein zugehöret. Ich habe dieſe allgemeine Erin⸗
nerung machen muͤſſen, weil ich aus Zuſchriften, die
bey mir eingegangen ſind, wahrgenommen habe, daß
entweder dieſe Werke mit einander verwechſelt, oder
auch fuͤr eins gehalten werden. 1 2 Gleich beym Anfang dieſer Erzehlung habe ich
die Fertigkeit des Herrn Anderſons in den Orienta⸗ liſchen Sprachen beruͤhret; einen beſondern Beweis
davon kann ich nicht uͤbergehen. Als ſich der
Czaar Peter der Erſte in Holland aufhielte, und
von den General: Staaten befohlen war, dieſem Monarchen alles zu zeigen, was ſich merckwuͤrdi⸗
ges in ihren Provinzen findet, ſo gab ſich der Herr
Anderſon fuͤr einen Griechen aus, deſſen Sprache
er fertig redete, um in dem Kayſerl. Gefolge alles
deſto ungehinderter beſehen zu koͤnnen. Seine Neigung fuͤr dieſe Sprachen aͤußerte ſich auch in
feinem ganzen Leben, indem er bey feiner Sonn:
tagsarbeit nach abgewartetem oͤffentlichen Gottes⸗ dienſte allemal mit der Grundſprache der heiligen Schrift ſich beſchaͤftigte und allerhand philologiſche
und phyſicaliſche Anmerkungen uͤber dieſelbe aufſetz⸗ te, ſo noch vorhanden und nicht weniger des Ab⸗
drucks würdig find. Endlich gehören zu den Schrif⸗
ten dieſes gelehrten Mannes gegenwaͤrtige Rach⸗ richten von Island, Groͤnland und der Straat Davis. Wegen des Innhalts und der
—
Abſicht
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von den Lebens umſtaͤnden des Hrn. Verfaſſers.
Abſicht derſelben verweiſe ich den Leſer auf des Hrn. Verfaſſers beſcheidene Vorrede. Ich ſetze nur noch hinzu, daß man nicht bloß darinnen
ſeine groſſe Gelehrſamkeit, ſondern auch ſein redlich
Geſinnen, da er allenthalben uͤber die anbetens⸗ wuͤrdige Wege der Vorſehung in Erhaltung der Welt und der Menſchen ſeine Betrachtungen ange⸗ ſtellet hat, antreffen werde. So weit gehen ſeine | Schriften. Ich ſchweige von dem weitlaͤuftigen ge⸗
lehrten Briefwechſel, den er mit den beruͤhmteſten
Maͤnnern in und auſſer Teutſchland unterhalten hat.
Ein ieder ſchaͤtzte ſich glücklich Bekanntſchaft mit einem Mann zu haben, deſſen Umgang der al⸗ lervortheilhafteſte war; und ganze gelehrte Geſell⸗
ſchaften bewarben ſich um feine Freundſchaft. Die
Kayſerliche Academie der Naturae Curioſorum erwehlete ihn im Jahr 1731 ohne ſein Anhalten und Wiſſen zu ihrem Mitgliede. Da die erfahrneſten Kenner der Natur, Freunde unſers Buͤrgermeiſters waren, ſo fiel es ihm deſto leichter ſein auserleſenes Naturalien⸗Cabinet immer vollkommener zu ma⸗ chen. Er ſcheuete keine Koſten, aus den dreyen Reichen der Natur dasjenige anzuſchaffen, was zur Zierde und Vollſtaͤndigkeit deſſelben diente; doch entfernte er ſich hierinnen von denjenigen, welche | mehr auf die Vielheit als auf den Nutzen ſehen, und ohne Wahl und Ordnung alles zuſammen raffen. In der Anlage folgte er der Natur; ſo, wie dieſel⸗ be ihre richtige Gaͤnge gehet, und ihre Werke nach und nach zur Reife bringet, ſo findet man ſie auch in dieſem Cabinette zur Schau geſtellet. Die Hom⸗ bergiſchen Steine, wovon er mehr als 1000 bey ſein
; Vorbericht 57
ſeinem Aufenthalte in Paris erhandelt hat, ſind ei⸗ ne ſchoͤne Zierde darinnen. Es find dieſes insge⸗ ſammt Abdruͤcke von den Gemmis, welche ſich in dem Koͤnigl. Cabinette befinden, und zu welchen er gleichfalls gelehrte Anmerkungen aufgeſchrieben hat, ſo von andern noch nicht ſind beobachtet worden. Ich glaube gnug von ſeiner Wahl und klugen Ein⸗ richtungen geruͤhmet zu haben, wenn ich nur melde: daß der ohnlaͤngſt verſtorbene Herr von Heucher dieſelbe zum Muſter genommen, als er das Koͤnigl. Pohlniſche und Churf. Saͤchſ. Dreßdeniſche Natu⸗ raliencabinet einrichten wolte. Da ſich der Ruhm dieſes Anderſoniſchen Cabinets allenthalben verbrei⸗ tet hat, ſo reiſete nicht leichte ein Fremder, der Sa⸗ chen von dieſer Art zu ſchaͤtzen wuſte, durch Ham⸗ burg, ohne deſſen ſeltenen Vorrath geſehen zu ha⸗ ben. Unſer Buͤrgermeiſter war, nach der ihm ei⸗ | Br Leutſeligkeit, niemals ihrem Verlangen hin⸗ derlich, und diejenigen, die zu ihm gegangen wa⸗ ren, wuſten nicht, ob fie mehr die kluge Wabldes Beſitzers bey ſo auserleſenen Wundern der Natur, oder deſſen willfaͤhriges Bezeigen, womit er ihnen alles zeigte und beſchrieb, ruͤhmen ſollten. Ihre | Erzehlungen bezogen ſich iedesmal auf beydes. | So wie die Vorrechte unfers Büͤrgermeiſters in ſeinen oͤffentlichen Amtsbeſchaͤftigungen und in der Gelehrſamkeit groß und preiswuͤrdig waren, ſo zeigten ſich auch ſeine Vorzüge in defii elben Haus chen Umſtaͤnden. Er wählte ſich im Jahr 1700, den ızten May zu feiner Gattinn des damahligen Herrn Decani bey dem hieſigen Hochſtift Peter | e e Tochter Wan, 0 i a;
von den Lebensumſtaͤnden des Sen, Verfaſſers.
tha; welche ihn aber der Wechſel dieſer Zeit gar zu fruͤhe nebſt einer mit ihr gezeugten Tochter entriß. Die Verbindung, welche er hierauf im Jahr 1702 den Aten December mit der aͤlteſten beliebten Toch⸗ ter des vormahligen hieſigen hochverdienten Herrn Buͤrgermeiſters Peter von Lengerken traf, war ſo wohl daurhafter als fruchtbarer. Es vermehr⸗ te ſich ſein anſehnlichs Haus mit eilf Zeugen dieſer begluͤckten und vergnuͤgten Ehe. Von ihrer voll⸗ kommenen Auferziehung, und von der wahren vaͤ⸗ terlichen Vorſorge für dieſelben gibt der einzige Sohn der gelehrte Herr Doctor das guͤltigſte Zeug⸗ niß. Und eben demſelben ſtimmen die gluͤcklichen Ehen vier ſeiner angenehmen und tugendreichen Töchter völlig bey. Wer die anſehnlichen Herren er Schwieger - Söhne unfers Burgermeifters, den fo berühmten als erfahrnen Sauf-und Handels⸗Herrn Hrn. Nicol Preſent, den hochgelahrten Hrn. Li- centiaten Conr. Dieter. Volckmann, den ſo ge⸗ ſchickten, beliebten und hochgelahrten Licent. und Amts - Verwalter zu Bergedorf Hrn. Joh. Otte, und den gleichfalls erfahrnen Handelsherrn Herrn Wichmann Laſtrop kennet, wird dieſe Wahrheit mit Vergnuͤgen beſtaͤtigen. Die beyden noch un⸗ verheyratheten Jungfer Toͤchter ſind nicht minder Früchte einer vernünftigen und ſittlichen Erziehung. Zu allem, was hier ohne die Wahrheit durch Schmeicheley zu erheben, geſaget worden, will ich noch bey dem Beſchluß des Lebens dieſes beruͤhm⸗
ten Mannes einen kurzen Entwurf feines Chara ⸗-
cters machen. Seine Gelehrſamkeit erhellet aus
ſeinen Schriften und feine Ehrenſtellen find eine Be-
lohnung ſeiner Verdienſte geweſen. Sein ganzes . Leben
; *
| Vorber. von den Lebensumſt. des rn. Verfaſſers.
Leben gehörte der Tugend und der Gottesfurcht, die von Empfindungen begleitet wurde, welche die
Würden nicht geben konnen. Er ſahe es als et⸗
was ihm unſtaͤndiges an, nur einen Augenblick, der a nuͤtzlich angewandt werden könnte, unnuͤtz zu ver⸗
lieren. Es war weit unter ihm, ſich eine nieder⸗
traͤchtige Ruhe, und das unſchmackhafte Vergnuͤ⸗ gen, ſo dieſelbe begleitet, zu wege zu bringen, und
dadurch das lebhafte Vergnuͤgen der Arbeit und die edle Zufriedenheit zu verlieren, welche diejenigen, ſo wahrhaftig groß ſind, fuͤr andere zu leben, zu arbeiten und zu ſterben lehret. Keine Zufaͤlle wa⸗ ren vermögend, die ruhige Stille feiner Seele zu be⸗ unruhigen, indem er mit einer Chriſtlichen Auf⸗ merkſamkeit beſtaͤndig uͤber dieſelbe wachte. In ſein Betragen miſchte ſich nichts murriſches noch verdrießliches, und ſelbſt diejenigen, welche ſeine Rechtsſpruͤche anhoͤren muſten, empfanden, daß allein die Gerechtigkeit, und nicht der Richter An⸗ theil daran hatte. Sein Umgang war ſeinem Wahl⸗ ſpruch, Droit ſans artifice, allemal gemaͤß, und ſeine Demuth, ſeine Menſchenliebe und ſeine unei⸗
gennuͤtzige Sorgfalt fuͤr das Wohl ſeiner Vaterſtadt werden bey derſelben in unvergeßlichem Andenken
bleiben. Sein Ende glich ſeinem ruͤhmlichen Le⸗
ben, und wie er ſelbſt in den kleineſten Dingen
groß war, fo war er es nicht minder bey dieſem groſ⸗ ſen und wichtigen Schritt in die Ewigkeit. Er
bergab feine Seele mit einem freudigen und ruhi⸗ gen Gewiſſen feinem Schöpfer und Erldſer den zten May 1743 im 7oſten Jahre ſeines ruhmvollen Lebens.
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Hamburg den 1 October, 1746.
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8. I,
Zi ie Iuſel Joland „welche zanlſch hoch Daene
> hinauf in der Nord⸗ See gelegen, und Große, den Königlichen Daͤniſchen Scepter ver⸗ ehret, ſoll, wie man gemeiniglich dafür 3 hält, an die ſiebenzig Daͤniſche Meilwe⸗
ges in der Sänge und ein und vierzig in der Breite halten.
g. II. Sie iſt eine von den großen Nördlichen Bruch? iſt voller ſtuͤcken der Welt, fo ehemals, und vielleicht zu der Zeit, Klippen, als der Allmaͤchtige die Erde wegen der uͤbermachten Sunde des menſchlichen Geſchlechts verderbete, durch de ne uͤbernatuͤrliche Gewaltſamkeit entſtanden: allermaßen dieſelbe noch viele und augenſcheinliche Merkmale davon darſtellet; indem fie nicht allein an ſich von einer ganz un⸗ ordentlichen, und die erlittene Riße und unheilbare Bruͤ⸗ che ſattſam zeigenden Geſtalt, ſondern auch auf allen Seiten mit ganzen Schaaren von abgerißenen kleinen blinden, oder doch nur eben uͤber dem Waſſer hervor⸗ guckenden Klippen, die deswegen in den Nordiſchen Sprachen Schären heißen, mit vielen Holmen, d. i. kleinen hervorſtehenden gruͤnen, aber unbewohnten
A 2 Ifnſulchen
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4 Nachrichten von Island. Inſulchen und noch groͤßern bewohnten eigentlich alſo genannten Inſeln umgeben, nicht weniger innwendig, oder uͤber ihre ganze Flaͤche mit hohen, rauhen, abge⸗ ſtuͤrzten, gaͤhen und zum Theil durch nimmer gänzlich ſchmelzenden Schnee und Eis auf viele Faden hoch be⸗ deckten Bergen, oder vielmehr Steinfelſen angefuͤllet iſt . | EN ee Mess Dieſe hohe Felſen, oder vielmehr deren oͤberſte, mit Schnee und Eis, Jahr aus Jahr ein, bedeckte Firſten und Spitzen, nennen die Islaͤnder, wie ſelbſt aus der Geogra⸗ phiſchen Carte zu erſehen, Joekel oder Joekul (conf. Gudm. Andreae Lexic. Island.) von dem alten Nordiſchen Worte, Joekul oder Joekle, welches (iuxta Verel. in Indice Scyth. Scand.) gefrohrne Waſſer, insbeſondere aber Mues illas per- petuas in Norwegiae et Islandiae montibus nunquam lique- ſcentes (in Specul. ſcil. Regio) bedeutet, und von unſern Saͤch⸗ ſiſch und Hartziſchen Bergleuten bis auf dieſe Stunde noch, nicht unrecht, ob ſie es gleich ſelbſt nicht verſtehen, gebrauchet wird, wenn ſie die in einigen Druſen, oder natuͤrlichen Grot⸗ ten der Kupfergruben, aus dem Geſtein geſoͤckerte, und ent⸗ weder in herabhangende gruͤn⸗ und blaue Eiszapfen, oder dergleichen auf dem Boden ſtehende Pyramiden congelirte, oder gleichſam zuſammen gefrorne, Victriolwaſſer, ſonder⸗ heitlich Joͤckel oder Joͤckelgut benennen, und damit von anders und krausgewachſenem Victriol, fo fie Ro - ſengut heißen, in ihrer Bergſprache unterſcheiden. Wel⸗ ches demjenigen gar nicht fremde vorkommen kann, der weiß, daß die Bergwerke in den Nordiſchen Laͤndern viel eher gebauet worden, als in Deutſchland. vid. Loccen. Antiquitt. Sueo - Goth. cap. 1). Und es ließe ſich noch wohl erweiſen, daß die dazu gehoͤrige Wiſſenſchaften von die⸗ ſen zuerſt nach Deutſchland gekommen, bey uns aber weiter ausgeuͤbet und mit der Zeit dergeſtalt verbeſſert worden, daß die Nordlaͤnder hernach wieder bey uns in die Schule gehen muͤſſen. Immaßen die Schweden fo gar die deutſche Bergs werksſprache in den mehreſten Dingen nunmehro übernom men haben. Weshalben ich mich Exempelsweiſe nur allein auf die von P. O. Wollenio unter des A. Grönwald Praeſi? dio zu Upfal 1725 gehaltene, und Argentifodinae vt et vr - bis Salange delineatio betitelte, inauguralem bezogen hør
1 *
Nachrichten von n Jeland. 5
Weshalben fie denn auch mitten inne fuͤr Menſchen ganz unwohnbar befunden wird, und niemand da hinein ſich
waget, ohne wenn etwa, fo doch ſehr felten und nur im aͤußerſten Verzweifelungsfall geſchieht, ein offenbarer gro⸗ | ber Mifferhäter, oder anders hoͤchſtliederliches Geſindel 1 vor der verdienten richterlichen Strafe auf eine kleine Zeit daſelbſt ſich verbirget, und in den Berghoͤhlen elend und kuͤmmerlich genug behilft. ö
F. III. Hierzu koͤmmt noch, daß die Insel , durch und men die von Jahr zu Jahr theils muͤrbe gebrannte, theils los⸗ e fam geweichte und deswegen abgeſtuͤrzte, nachher durch die reiſ⸗ ſende von geſchmolzenem Schnee und Regen verſtaͤrkete wilde Bergwaſſer weit und breit verſchlemmete Felstruͤm⸗ mer und Wacken fo angefuͤllet und unwegſam geworden iſt, daß man mit Wagen und Karren nirgend fahren, ſondern an den meiſten Orten nur zu Fuße, und an den beſten nicht anders, als kuͤmmerlich, zu Pferde fortkom⸗ men kann; wobey man allerdings, um nicht anzuſtoßen und zu ſtuͤrzen, alle Vorſichtigkeit im Reiten und Gehen von noͤthen hat. Denn kein Menſch giebt fi) die Muͤge aufzuraͤumen, weil dahier, wie mehrentheils in allen rau⸗ hen und armſeligen Gebirgen, die Inwohner ſo gar we⸗
nig Gelegenheit oder Anlockung zum Reiſen haben.
6. IV. Aus angeregter Beſchaffenheit der Inſel ruͤh⸗ Iſt nicht ret es ferner her, daß dieſelbe nicht gar volkreich iſt, und kant nur bloß am Seeſtrande, nicht uͤber 4 bis 5 Meilen tief Hs ins Land hinein bewohnete Dörfer (denn nach Flecken und Staͤdten muß man ja nicht fragen) anzutreffen find, wel⸗ che alle meiſtentheils aus wenigen zerſtreueten, und weit genug von einander geſetzten Haͤuslein beſtehen; maßen iedweder Bauer gebauet hat, wo er gewollt, das iſt, wo er ein Plaͤtzgen bequemen Weidelandes gefunden, von dem er rings um feine Wohnung herum fo viel ſich zuge eignet und befriediget, als er vermeinet fuͤr ſich und die ſeinige noͤthig zu haben, und beſtreiten zu koͤnnen. Auf
| A 3 gleiche
Iſt dem
Erdbeben unterwor⸗ fen.
6 Nachrichten von Island. gleiche Weiſe wird auch von Zeit zu Zeit noch, wenn ie
mand ſich dazu findet, ohne alle Aufſicht und Ordnung angebauet, mithin die Zerſtreuung und der eee
ſtets allweiter vermehret.
5. V. Noch mehr aber iſt daran, daß dieſe Just ſo wenig bewohnet wird, Schuld und Urſache, daß ſie ver⸗ moͤge ihrer inwendigen Bewandniß von Zeit zu Zeit großen und erſchrecklichen Verwuͤſtungen unterworfen
geweſen und noch iſt: denn da dieſelbe gleichſam nur ein
einziger Felſen, und alſo der Boden in Thaͤlern eben ſo wohl, als die Berge, von cavernoſer oder hohler Stru⸗ ctur iſt, auch allerley entzuͤndliche Bergarten in großer
Menge in ſich ſchließet; ſo ift fie zu Erdbebungen fo ge⸗
ſchlachtet und faͤhig, als einiges Land auf dem Erdboden ſeyn mag: geſtalten auch gar oft hie und da wichtige und ganz beſondere Erdbewegungen verſpuͤret werden. Wo⸗ von mir ein Augenzeuge eine fo merkbare, als ſeltene der gebenheit erzehlet. Im Jahr 1726, wo ich recht behal⸗ ten, geſchahe es, daß bey Schage⸗Strand (im Norder⸗ theile) i in einer Nacht durch eine heftige Erderſchuͤtterung ein ziemlich hoher Berg unter ſich weg und fo tief verſank, daß an der Stelle ein großer tiefer See entſtund, dahin⸗ gegen eben zu der Zeit ein anderthalb Meile davon gele⸗ gener tiefer See (den die Anwohner fuͤr unergruͤndlich geſchaͤtzet) nicht nur ganz ausgetrocknet, ſondern deſſen
Boden zugleich ſo hoch heraus gehoben wurde, daß er itzo
Der Grund
iſt voller Schwefel und Sal⸗
hoͤher, als das alte daherum belegene Land, ſtehet. Eine Geſchichte, die vermuthlich zur Zeit der Suͤndfluth W | gleichen viele gehabt,
§. VI. Allein wie ſolche Erdbebungen nicht wohl ohne hauptſaͤchliche Mitwirkung des Erdfeuers zu begrei⸗ fen: alſo find dieſelbe, wenn fie ſich dahier eraͤugen, ge⸗ meiniglich auch mit gewaltigen und hoͤchſtſchaͤdlichen Feuer⸗ ausbruͤchen vergeſelſchaftet. Ich will zuerſt der Erd⸗ N webt Man darf! nur die obere ge ab⸗ i de 85
Nachrichten von Island. 7 decken, oder etwa ein Viertheil einer Ellen tief graben, ſo findet ſich ſo fort in Menge, ja wohl klumpenweiſe, der Schwefel, auch viel Salpeter, wodurch nicht allein uͤberhaupt die Fruchtbarkeit des Bodens gewaltig behin⸗ dert wird, ſondern nicht ſelten durch innwendige Gaͤh⸗ rung mit den eiſenhaltigen Schwefelkieſen ſolche Entzuͤn⸗ dungen entſtehen, die in helle Flamme ausbrechen, unter und auf der Erde fortlaufen, und einen bald groͤßern, bald kleinern Landſtrich dermaßen ausbrennen und vers derben, daß er ganz erſtirbet und auf ewig untauglich wird. Woraus ſich recht eigentlich begreifen laͤſſet, was Deut. XXIX, 23 geſaget wird: „daß der Herr alles „Land der ausgebrannten Staͤdte mit Schwefel und „Salz verbrannt habe, daß es nicht beſaͤet wer⸗ „den mag, noch waͤchſet, noch kein Kraut dare. „innen aufgehet. Noch vor wenig Jahren, nehmlich 1729, entſtand jählings ein dergleichen Erdbrand im Nor⸗ dertheil der Inſel, und zwar im Diſtrict Huuswich, wo⸗ durch das Dorf Myconfu dergeſtalt verderbet wurde, daß das tragbare Land, Kirche und Haͤuſer, ſamt Schafen, Pferden und Hornviehe auf einmal zu Aſchen verbrannte, und die Flamme ſo geſchwinde fort lief, daß die Men⸗ ſchen kaum mit der ſchnelleſten Flucht ihr bloßes Leben retten kunnten. Ja es ſtunden dabey ſechs nahegelegene Kirchſpiele in der allergegenwaͤrtigſten Gefahr, daß ih⸗ nen allen zugleich das Garaus durch dieſen Brand wuͤrde gemacht werden. Allein durch gnaͤdige Fuͤgung Gottes, der mitten im Zorn an Gnade gedenket, blieb es bey drehen, und wurde nach einigen Tagen durch gar dicke Nebel und einen heftigen Regen das Feuer, dem kein menſchlicher Rath wehren kunnte, glücklich gedaͤmpfet *.
| FS. VII.
* Ein gleichmaͤßiger Erdbrand entſtand von ſelbſten in
dem 1732 Jahre auf dem ſogenannten Jan-Mayen-Eylande, welches eben auch wie unſer Island einer von den Nordiſchen Welttruͤmmern, und derſelben gar gleich, doch ganz unbe A 4 wohne
\
s Nachrichten von Ialandı
Daher find 5. VII. Nechſt dieſem find die Berge wegen der vor⸗ bene hin angedeuteten, fie felbft noch mehr angehenden inner⸗ 1 5 dar⸗ 0 | N lichen
wohnt und unwohnbar iſt, ohnfern von Spitzbergen und Groͤnland belegen, und in die Laͤnge auf 6 deutſche Meilwe⸗ ges nach der Schiffer Muthmaßung, ohne ſonderliche Breite, aus Suͤdweſten gegen Nordoſten ſich erſtreckend, mit lauter kleinern und groͤßern Klippen, oder Felſen, die ganz nackend find, überall bedecket. An ihrem noͤrdlichen Ende erhebet ſich der von der Menge der ehemals bey demſelben wahrge⸗ nommenen Baͤren, alſo genannte Baͤrenberg zu einer ſolchen Hoͤhe, daß er, wenn der Himmel woͤlckicht iſt, mit ſeiner Spi⸗ zen über die daran hinſtreichende Unterwolken reichet, und ey hellem Wetter bis auf 32 Meilweges, wie mich unſere Schiffer deſſen verſichert, geſehen werden kann. Er iſt an ſich wie die uͤbrige ganz kahl, ohne Geſtraͤuch, Kraͤuter und Erde, zu oberſt beſtaͤndig mit Schnee oder Eis bedecket, und nur allein am Fuße, wo aus dem Miſte, der allhier (wegen der vielen auf den Gruͤnden ſich enthaltenden Meerkrabben oder Garnaten) in unbeſchreiblicher Anzahl niſtenden Strand⸗ voͤgel eine dünne Mooß⸗ und Erdrinde ſich anſetzet, mit der hieſiger Orten fuͤr die vorbeykommende Groͤnlands fahrer ſo noͤthigen Arzeney, dem Loͤffelkraut, Sauerampfer u. d. gl. nach goͤttlicher weiſen und gnaͤdigen Austheilung, bewachſen. Drey Meilen Suͤdwaͤrts von dieſem Berge ab lag, wegen wi⸗ drigen Windes A. 1732, den 17 May, ein nach Grønland wollen⸗ der Schiffer, Namens Jacob Jacobſen Laab, mit feinem Schif⸗ fe. Da ſichs ploͤtzlich begeben, daß unten am Berge auf ver⸗ ſchiedenen Stellen große Flammen hervorgeſchoſſen, die wie ſtarke Blitze ſtrichweiſe hin und wieder gefahren, auch ein ent⸗ ſetzliches Knallen als eines ſtarken Donners gehoͤret, endlich
*
aber ein großer und dicker Dampf geſehen worden. Worüber
der Schiffer in die groͤßte Angſt und Kummer gerathen, weil er mit ſeinem Schiffe nicht von der Stelle kommen, und nicht wiſſen koͤnnen, was fuͤr Folgen dieſe Entzuͤndung haben, und was ihm mit uͤberkommen wuͤrde. Doch hat der Brand nur ein Etmahl, wie die Schiffer ſprechen, d. i. 24 Stunden, ger dauert, der Berg ſelbſt auch oben ſich nicht geöffnet, vielwe⸗
niger Steine oder dergleichen ausgeworfen. Nur allein hae der dicke und ſchwarze Rauchdampf bis auf den 21 deſſelben Monats angehalten, als der Wind ſich gewendet und bemel⸗ deter Schiffer davon geſegelt. Den aber bald ein Sehe 1 4 ; - 2 re⸗ (
—
SODE
Nachrichten von Island. 9
lichen Eigenſchaften * zu Entzuͤndungen noch mehr und öfter fo geſchickt als fertig. Ja fie find es eben, die zu Erdbraͤnden gemeiniglich den Anfang machen. Daher
erblicket man auf Island nicht leicht andere als ausge⸗
brannte Berge, an und um welchen man die Wirkungen
und nachgelaſſene Zeichen eines vormaligen Brandes ſatt⸗ : A 5 ſam
| A5 Schrecken betroffen, indem 15 Meilen, nach ſeiner Vermu⸗ thung von der Inſel eine ſo große Menge nachgeflogener Aſche auf ſein Schiff gefallen, daß die Seegel davon ſchwarz gefaͤrbet geſchienen, auch das Deck des Schiffes ganz dicke
zen worden. Woben er anfänglich beſorget geweſen, ba
unter ſolcher Aſche vielleicht glimmende Kohlen, oder ans dere zuͤndende Bergarten, vermiſchet ſeyn, und ſein getheertes Schiff in Brand bringen moͤchten. Nachdem er aber dieſel⸗ ben hin und wieder im Anfuͤhlen kalt befunden, auch bemer⸗ ket, daß, wenn er gleich auch ein Licht daran gehalten, nicht einmal etwas entzuͤndliches darinne geweſen, hat er friſchen Muth geſchoͤpfet, und die Aſche mit Waſſer aus dem Schiffe ſpuͤlen laſſen: woran ſeine Leute, weil ſtets neue und mehrere nachgefallen, in die 5 gute Stunden ihre Arbeit gehabt. Ich habe etwas von dieſer Aſche bekommen, die lichtgrau und ſanft anzuruͤhren, unter dem Vergroͤßerungsglaſe aber mit vielen zarten Sandkoͤrnlein, oder vielmehr durchſichtigen Broͤcklein sermürferer Steine vermenget ift. Ein paar Wo⸗ chen nachhero iſt ein ander Schiffer, Alicke Payens genannt, des vorigen Landsmann, der von dieſer ſonſt unerhoͤrten Be⸗ gebenheit etwas vernommen gehabt, an die Inſel gekommen, und hat ſo viel Muths und Neugierde beſeſſen, daß er in der Gegend des Brandes an Land geſtiegen, um alles in genauen Augenſchein zu nehmen. Da er aber nicht wahrnehmen koͤn⸗
nen, daß der Berg ſelber irgends aufgeborſten, noch etwas
aus ihm ausgefloſſen, oder ausgeworfen geweſen, ſondern nur den ganzen Boden auf 2 Meilweges mit Aſchen ſo hoch
J
bedecket gefunden, daß er bis zum halben Beine darinne wa⸗
2
geben muͤſſen. a |
Es thut hiervon Olaus M. Hift. Gent. Septentr. ſchon Meldung, wenn er Lib. II. Cap. 2 faget : In Islandia - mon- tium ſitum et naturam efle ſingularem, ſcil. in eorum ver-
then und folgbar ziemlich ermuͤdet ſich wieder zu Schiffe be⸗
tice niuem - quafı perpetuam et in baſi ignem ſulphureum
eontinuatiue fine ſui conſumtione exardeſcentem.
3 Nachrichten von Island.
fam wahrnehmen kann. Ueberall ift kein rechter ordent⸗ licher Sand, wie anderer Orten, ſondern nur alte Aſche und verbrannter Steinſtaub zu ſehen, und noch heutiges Tages eraͤugen ſich nicht felten im Gebirge entſetzliche
Feuerausberſtungen, wenn entweder die alten vorma⸗ lige Feuerſpeyer, nachdem ſich mit der Zeit ein neuer
Vorrath von Brennſtoff in ihrem Inwendigen geſam⸗ melt, ohnvermuthet wieder rege werden und auszuſchuͤt⸗
ten anfangen *, oder auch neue Berge, die vorhin nie
gebrannt, mit dem heftigſten Knall auf einmal zerſprin⸗ gen und durch ihren Auswurf alles in Schrecken ſetzen. Zumal nicht nur die jaͤhlings ſchmelzende große Eis⸗ und Schneekappen mit entſetzlichſter Gewaltſamkeit von oben herab Stromweiſe ſtuͤrzen, und alles, was an und um⸗ lieget, uͤberſchwemmen, ſondern auch zuſammt den nach⸗ fließenden geſchmolzenen Mineralien und Brennſtoffen,
was fie an Viehe, Menſchen, Haͤuſern u. ſ. w. unter
Weges antreffen, einwickelen und mit ſich fortnehmen;
und ſolchergeſtalt die bende ſchaͤdlichſte Elemente, Feuer und Waſſer, mit verbundener Gewalt das Land im Grun⸗
de auf ewig verderben; nichts als tief eingeriſſene Betten oder Schrunden hinter ſich laſſend. Ohne zu erwehnen,
was fuͤr Verwuͤſtung die zugleich ausfliegende, und weit
und breit umherſpringende Bims⸗ und andre Steine, nebſt
der noch weiter fliegenden greulichen Menge von Aſche
auf viele Meilweges anrichten. Auf dieſe Weiſe gerietß
über der Portlands-Bay im Jahr 1721 ganz ploͤtzlich ein Berg, der vor dem nie gebrannt, in eine große Brunſt.
Wobey nicht allein viel Flammen und Steine ausgeſtoſ⸗ [ K en
Welches ſich von icher alſo zugetragen haben muß, wie
man aus angezogenem Olao am angefuͤhrten Orte wahr⸗
nimmt, wo er ſchreibet: in multis locis torridae voragines cum cinere apparent, montium combuſtorum, et vallium, quae iterum tacitis incrementis ſulphureis fuccrefcentibus
quaſi circulari temporum ſpatio diſponuntur ad combu-
ſtionem.
FA
Nachrichten von Island. 1
ſen und umher geworfen, mithin auch die vorhin ange⸗ regte fuͤrchterliche Wirkungen und hoͤchſtſchaͤdliche Ver⸗ heerungen auf eine große Strecke Landes ausgeuͤbet wur⸗ den, ſondern noch uͤber dem dieſe ganz beſondere Bege⸗ benheit ſich zutrug, daß, indem die Zerſprengung geſchahe,
von der Gewalt der ausbrechenden und ausgedehnten
Luft ein guter Theil des Berges, welcher zu ſchwer war, daß er nicht konnte gehoben werden, ſeitwerts weg, und nicht nur eine ganze Meilweges uͤber die Inſel bis an den Strand, ſondern gar noch eine Meile weiter in die See fortgeſchoben, und allda niedergeſetzet wurde, woſelbſt er der Tiefe ohngeachtet, zu Anfangs wohl 60 Faden uͤbers Waſſer hervorgeraget iſt, und noch großen Theils da ſte⸗ het. Damals ift die Aſche mit dem Windſtriche nicht allein uͤber die ganze Inſel, ſondern noch einige Meilen ferner in die See auf ein gewiſſes Schiff und alſo uͤber 30 Meilweges weit getrieben worden. Drey Tage lang ift die Suft mit Aſche und Dampf dermaßen angefüllet ge⸗ weſen, daß man keine Sonne davor ſehen koͤnnen. Al⸗
ler getrockneter Fiſch, der auf der Inſel damals ſich be⸗
funden, iſt davon ganz ſchwarz und unbrauchbar, ja in den nechſt folgenden 2 Jahren hernach durch ſolche Aſche, oder vielmehr durch die ohne Zweifel dabey (als oben bey
dem Brande auf Jan-Mayen Eyland angemerkt) vermen⸗
gete ſcharfeckigte Felsbroͤcklein oder Sand, fo weit Land und Weiden damit betroffen geweſen, den Pferden und Hornviehe das Maul zerſchnitten und verderbet worden. Nachdem das Feuer auch das am Fuße des Berges bele⸗ gene tiefe Land ergriffen, iſt der Brand nach und nach
unter der Erde bis auf 18 Meilweges fortgelaufen und
hat
Von dergleichen bewundernswuͤrdigen Fortruͤckungen der Berge und Felſen finden ſich einige Exempel in des Kir- cheri Mund. Subterran. Lib. IV. Sec. 2. c. o. H. a. und in des Herrn D. Buͤchners Miſcell. Phyſic. Med. Mathem. d. 1728, Ian. p. 818 fegg. | | Ä
—
Vom Ber:
ge Heela,
12 Nachrichten von Inland
hat uͤber Jahr und Tag gewaͤhret, che aßen aufges |
håret, - 6. VIII. Indeß haͤlt der ehemals d ſeines ſehr
gewaltigen und viele Jahrhundert hindurch gedauerten e ge fo befchriene Berg Hecla, einige Jahr 1101 0 ich ganz ſtille. Gleichwohl ſtehen die Anwohner t ohne Grund in Sorgen, daß er ſich, ſo zu reden,
nur erhohle, und deſto grimmiger uͤber kurz oder lang zu
ihrem Schaden wiederum zu ſpeyen anheben werde. Ich
habe vermeinet von ſeiner dermaligen Geſtalt und Um⸗
ſtaͤnden etwas näheres zu erfahren. Man hat mich aber
verſichert, daß es wegen der theils ausgeworfenen, theils
abgeſtuͤrzeten unzehligen Felsſtuͤcken, und wegen der durch feine Ausguͤſſe eingeriſſenen Schruͤnde und Kluͤfte, die dadurch, daß ſie mit falſchem Schnee verdecket, oder mit bruͤchigem Eiſe ausgefuͤllet, noch um ſo gefaͤhrlicher
ſind, es ganz und gar unmoͤglich ſey nur auf eee
Von einem dreymal im Jahre ſich entzuͤnden⸗ den See.
gen zu ſehen, einſt eigentlich zu dieſem See gereiſet ift,
geſchweige bis zu deſſen Schlunde zu klimmen.
H. IX. Ohngefaͤhr eine halbe Meile vom Hecla ab
lieget ein füßer, allezeit warmer, im Winter aber noch waͤrmerer See, welcher, der Anwohner Bericht nach, die ganz beſondere Eigenſchaft haben ſoll, daß er alljaͤhrig zu dreyen unterſchiedenen Zeiten ſich von ſelbſten entzuͤn⸗ det, und iedesmal 14 Tage lang mit lichten Flaͤmmlein
brennet, auch, nachdem ſolche erloſchen, noch einige Ta⸗
ge hernach ſtark dampfet oder rauchet. Mein Kaufmann, der, um dieſes ſonderliche Phenomenon mit eigenen Au⸗
hat zwar, weil er um einen Tag zu ſpaͤte dahin gekom⸗
men, keine Flammen mehr, iedennoch gleichwohl ein ſtarkes Rauchen angetroffen. Ich bedaure nicht wenig, daß
ich außer demjenigen, was ich von dieſem Manne ver⸗
nommen, ſonſt von dieſem entzuͤndlichen See, und deffen en
erzehlten Umſtaͤnden, nichts in Erfahrung bringen moͤ⸗
gen. e dieſelbe fo fonderbar und ee 699 4 90 55 ind, 4
Nachrichten von Island. 13
ſind, daß allerdings zu wuͤnſchen waͤre, es moͤgte ein mit
erforderlicher Geſchicklichkeit begabter Naturkuͤndiger den⸗
ſelben in Augenſchein nehmen, und fo wohl die Beſchaf⸗
fenheit der umliegenden Gegend, ſamt den unterirdiſchen Bergarten, oder Mineralien, als den See und ſeine
Qvelle, nebſt der eigentlichen Zeit, und der Beſchaffen⸗
heit des Gewitters, wann die Entzuͤndungen ſich zutra⸗
gen, mit genauer Aufmerkſamkeit unterſuchen. Ich bin
gewiß, daß dadurch manche Dinge entdecket werden wuͤr⸗
den, welche andern, die Mineral- und warmen Ovellen,
die an einigen Orten oͤfters zu hellen Flammen werdende
Duͤnſte u. d. g. betreffenden Begebenheiten ein neues Licht
anzuͤnden koͤnnten. J ONES nd |
Indeſſen, da die mir geſchehene Erzehlung alle Wahr: Deffen
feheinlichfeit, und mein Erzehler alle Merkmale eines auf EI nn. richtigen Mannes vor ſich hat, ſo will ich, ſo viel mir die chen.
bekanntgewordene Umſtaͤnde Gelegenheit an Hand ge —
ben, von den Urſachen der angefuhrten Seltenheiten mei⸗
ne wenige doch naturmaͤßige Gedanken zu anderer Pruͤf⸗
und Verbeſſerung eroͤffnen. Es ergeben die anderwaͤrts
als bey der vermeinten und berufenen Fontaine brulante
ohnfern Grenoble in Dauphiné * und bey der entzuͤndli⸗
chen Qvelle in Lanchashire in Großbritannien ** ange
ſtellete genauere Unterſuchungen, daß nicht Waſſer, ſon⸗
dern die aus dem umher befindlichen Boden unvermerkt
aufſteigende Schwefelduͤnſte ſich entweder ſelbſt entzuͤn⸗
den, oder doch mit einem Lichte anzuͤnden laſſen, und mit
helllodernder Flamme brennen. Nun iſt aus der grund⸗
richtigen Naturlehre des vortrefflichen Phyſiei Herrn e Be | Wolffen
Welche keine Fontaine, ſondern ein kleines Stuͤck san. des, wo man eine lichte, der Flammen von Brantwein aͤhnli⸗ che Flamme auf den todten Felſen von vermoderten Schie-
ferſtein lodern und in der Luft vergehen ſiehet. Hiftoire de V’Ac2.des Scienc. å Paris d. 1699. p.24.1q. S Fhiloſoph. Transact. N. 26. p. 482 fl.
Å
1
14 Nachrichten von eland.
Wolffen bekannt, daß die aufſteigenden ſchwefelichten 3 Dämpfe, ſo lange fie geringe und duͤnne find, ohnver⸗ |
merkt verrauchen, das ift, ihrer Leichtigkeit halber in der
Luft måblig höher ſteigen und ſich vertheilen; wenn fie
aber haͤufig und dichte genung geworden, von ſelbſt ſich
entzuͤnden, und helle Flammen von ſich werfen. Da⸗ ber ſchließe ich, daß bey dem Islandiſchen See alles auf
Schwefel⸗Erdwaͤchſiſche u. d. g. Duͤnſte, die aus deſſen Grunde und Ufern durch das Waſſer herauf dringen, ankomme, welche, ſo lange ſie nur in geringer Anzahl und ſparſam hervor kommen, ohne daß man ſie wahrnimmt,
gleichſam verſchwinden; ſo bald ſie aber nach und nach
in zureichlicher Menge ſich geſammelt, oder aus den um⸗ hergelegenen Erdhoͤhlen einen ſolchen Zuſchub wieder be⸗ kommen, daß ſie dichte genug geworden, ſich entzuͤnden und zu lichten Flammen gedeihen: wozu ohne Zweifel eine alsdenn uͤber dem See vorhandene feuchte neblichte Luft ein vieles beytraͤget. Allermaßen nicht allein die Naturwiſſenſchaft uns lehret, daß feuchte dicke duft die
Duͤnſte zugleich verdicke, und an weitern Aufſteigen be⸗
hindere, ſondern die Erfahrung auch an der obberuͤhrten Franzöſiſchen Qvelle ergiebet, weswegen der Grund ders ſelben ſtaͤrker brennet im Winter und bey feuchter Luft als im Sommer; dagegen ſie ofte in der heißeſten Zeit
(welche bekanntl. eine widrige Wirkung hat, mithin die
Duͤnſte verduͤnnet, und aus einander treibet) von ſelbſt
zu brennen aufhoͤret! “. Wie denn noch weiter ganz na- tuͤrlich
. Abſonderlich dem II Theile feiner Verſuche, $. 142.
* Dergleichen auch an den beſtaͤndigen Erdflaͤmmlein des Berges Pietra Mala auf dem Apenniniſchen Gebirge bemer⸗ ket wird in den Memoires de Acad. des Sciences de Paris d. 1706. 9.337. womit die Experimenta verſchiedener Phoſpho- rorum uͤbereinſtimmen, die bey heiterem Himmel und klarem
Sonnenſchein entweder gar nicht, oder doch ſehr langſam,
dahingegen bey kuͤhler, truͤber und zumal regnigter Luft, gar
geſchwinde a und in helle Flammen Wihrirden⸗
Nachrichten von Island. 15
tuͤrlich iſt, daß wenn der aus dem Boden zufließende Vorrath von ſchweflichten und andern Duͤnſten durch die Entzuͤndung verzehret worden, folglich es der Flamme an Nahrung gebricht, dieſelbe nothwendig verloͤſchen muͤſſe. Nicht anders, als wie die Feuerſpeyende Berge nur alsdenn wuͤten, wenn genungſamer Brandvorrath in ihrem Eingeweide vorhanden; ſo bald aber derſelbe verzehret, aufhoͤren und ruhen, auch nicht ehe wieder an⸗ fangen, als bis ihnen ein neuer aus der benachbarten Erde zugefloſſen. Daß aber der Islaͤndiſche See nach verloͤſcheten Flammen noch einige Tage nachrauchet, ſolte ich vermuthen daher zu ruͤhren, daß alsdenn noch etwas von dickem Erdwachſe unten im Grunde uͤbrig ſeyn mag, welches noch eine Weile nachbrennet, und weil ſonſt kei⸗ ne Oeffnung da iſt, durch das Waſſer ſeinen dicken Dampf heraufſchicket. Endlich iſt bey dieſem Wunderſee am ſchwerſten zu begreifen, wie es zugehen moͤge, daß der Zufluß der Brennſtoffe alle Jahr und zwar zu dreyen malen und eben in ſolcher Menge und richtigem Maaße, daß fie auf 14 Tage vorhaͤlt, geſchehen und alſo gemaͤſ⸗ ſiget werden koͤnne. Doch iſt es deswegen nicht gaͤnz⸗ lich in Zweifel zu ziehen, zumahlen die Natur in der Er⸗ den viele verborgene Wirkungen ausuͤbet, deren eigent⸗ liche Urſachen und Umſtaͤnde kein Natur verſtaͤndiger aus⸗ zumachen vermoͤgend if, Warum ſollten dieſe obſchon ſchwer zu erklaͤrende Umſtaͤnde nicht ſo wohl moͤglich ſeyn koͤnnen, als was der um die Naturwiſſenſchaft hochver⸗ diente und glaubwuͤrdige Herr Scheuchzer in den Natur⸗ Geſch. des Schweizerlandes Part II. p. 342. von dem Weißenburger Bade erzehlet? daß daſſelbe fo gar drey- mal des Tages ſeine Waͤrme aͤndere, und Morgens zwiſchen 7 und 9, Mittages zwiſchen 12, und, Abends aber zwiſchen 4 und 7 Uhr wärmer als ſonſten ſey.
§. X. Aus allen angeführten, und da überall ein ſo Es ſind vie⸗ großer Vorrath von Schwefel, Bergharz, Gee u | 1 un .
16 Nachrichten von Island. und Teiche und eiſenhaltigen Schwefelfiefen, als der warmen Waſ⸗ daſelbſt. ſer eigentlichen Zeugemutter, die vermuthlich faſt ohne Un⸗ terlaß auf vielerley Art zuſammen ſtoßen und in Gaͤh⸗ rung gerathen muͤſſen, vorhanden iſt; ſo iſt nicht zu ver⸗ wundern, daß ſich ſo viele warme Teiche und Qvellen an verſchiedenenen Orten auf unſerer Inſul antreffen laſſen. Ein gewiſſer Schiffer, der in der Jokuls-Fiord gelegen, hat oben auf dem Jokul, einem großen Felſen, der ſehr gedampfet, und deſſen Erdreich ſo warm geweſen, daß man kaum die Hand darauf halten koͤnnen, einen ziem⸗ lichen Teich mit bey nahe ſiedendem Waſſer angetroffen, doch keine Flamme, weder bey Tage noch bey Nacht ge⸗ ſehen. Im Huuswickiſchen Diſtrict, ohnfern des Orts, wo der obgedachte Brand angegangen, iſt eine heiße Quoelle, die alle viertheil Stunde 3 mal hervor brudelt, und zwar anfangs ein wenig, bald noch hoͤher, und end⸗ lich ganz heraus ſteiget, auch ſolchergeſtalt auf 3 mal nach und nach wieder ſinket, und dieſes Spiel beſtaͤndig Nacht und Tag wechſelsweiſe wiederholet. Unter diefen Qvel⸗ len ſind die mehreſten ſo brennendheiß, daß man Rind⸗ fleiſch darinne gahr kochen kann, welches entweder ohne al⸗ le Zuruͤſtung und Geſchirr auf eine gar kurze, doch die Luſt zum Eſſen nicht eben reizende Weiſe, in dem Waſſer ſelbſt, an einem bloßen Faden geſchehen kann *, oder auf eine weitlaͤuftigere, doch eßbarere Art **, wann man daſſelbe mit kaltem Waſſer in einen Keſſel thut, und in den Brudel haͤnget, daß derſelbe daran ſpielen, und das Kochen verrichten muß. Herr Me - = erwehnete, daß ohnfern von feiner Fioerde fieben heiße Qvellen nahe an einander gelegen waͤren, die mit großer Gewalt heraus⸗ brudelten, dabey wohne ein Mann, der ſich Jahr aus
a Jahr Als es Zorgdrager gemacht: Opkomſt der Groen-
land, Vifcher. c. 7. | : Wie D. Biorn Philoſ. Transact. No. III. p. 238 be⸗ richtet. ae e
N |
Nachrichten von Island. 17 Jahr ein keiner andern Feurung bediene, ſondern in einer Qvelle, die oben ein enges Loch hätte, Fleiſch in ein lei⸗ 8
nen Tuch genehet; Gruͤtze u. d. gl. aber i in hineingehange⸗ nen Toͤpfen ſich gahr koche.
Die Qvellen ſelbſt machten bey ihrem Ueberlauf oder Gut su ba⸗ Ausfluſſe ſo fort einen maͤßigen Bach, oder kleinen Fluß, den in deſſen klaren und lauen Waſſer (ob es gleich zu An⸗ fang den Kopf, ohne Zweifel, durch ſeine mitfuͤhrende ſchwefelichte Ausduͤnſtungen, etwas einnimmt, ) überaus
angenehm und geſund zu baden waͤre. Es enthalten ſich auf demſelben iederzeit gewiſſe ſchwarze Vogel mit langen, den Schneppen nicht ungleichen, Schnaͤbeln, die darauf gemeiniglich ſchwimmen, und von dem darinn bes findlichen Gewuͤrme, Schnecklein u. d. gl. ihre Nahrung vermuthlich ſuchen. Ob Fiſche darinn, wußte man mir nicht zu ſagen. Ich ſollte aber um ſo weniger daran zweifeln, als ich ehedeſſen in der laulichten Sammelung, oder Deiche, worein die heißen Baͤder zu Bourzet bey Aacken ihren Ausfluß haben, mehr als eine Art Fiſche, beſonders Karpen, angemerket, die noch dazu, wie mich ein vornehmer Mann daſelbſt berichtet, eben wegen der gedeylichen Laulichkeit des Waſſers, größer und niedlicher find, als die weit davon in gan; kaltem Waſſer gefangen werden.
Ueberhaupt hat die Daͤniſche Kaufleute laͤngſt die und geſund Erfahrung gelehret, daß wie die heißen, alſo auch die uͤbrizu trinken. gen Qvellwaſſer dieſer Inſel, weil fie alleſamt entweder mehr, oder weniger mineraliſch find, gar gefund und heil⸗ ſam zu trinken find *. .
\
. Xl. Mir iſt hierbey eingefallen, was Pulbedujus Legat. Turcic. Epift. I. p. i) meldet, und einer genauern Unterſu⸗ chung wohl wuͤrdig ift, naͤmlich: Illud quoque, dum Budae eram, videre iuuit, fontem, qui eſt extra portam, qua iter eft Conſtantinopolin, in ſummo mire fermentem: in 23 culus
Gebirg
18 Nachrichten von land.
en heit 1
a 5 muthli Marmor.
§. XI. Das Gebir ge beſtehet aus Sand⸗ und an⸗
„derm wilden rauhen Geſtein. Aller Vermuthung nach
finden ſich auch inwendig Marmorlagen. Weil nicht allein in Schweden und Norwegen dergleichen anzutreffen, ſon⸗ dern auch am Strande dieſer Inſel zuweilen kleine Stei⸗ ne von Marmor s Arten ſich gefunden, die wohl ſchwer⸗ lich von Felſen einiger entlegenen feſten Lander koͤnnen
abgeriſſen, und durch die See bis an Island gewelzet ſeyn. Wie denn auch in der Eeckhofiſchen Sammlung
zu Lübeck, welche dermalen in Hånden des curieuſen Buͤr⸗ germeiſters, Herrn Munter iſt, ein rother und ein gruͤner
Marmor, ſo aus Island ſeyn ſollen fich befunden. Al⸗
lein wer hat darnach ie gebrochen? Im Lande ſind ſie zu
den gebraͤuchlichen elenden Haͤuslein nicht noͤthig: und
Auslaͤnder begehren ſie 11 5 weil ſie von andern Orten
dieſelbe von beſſerer Guͤte, d. i. Haͤrte und Glanz, dazu
naͤher und wohlfeiler beben Fönnen, Maßen bekannt
iſt, daß in den kalten Weltgegenden dergleichen Geſtein
zu der Härte nicht gedeihet, folgbar das Poliment fo gut nicht annimmt, als dasjenige, fo in warmen Landern ge⸗
brochen wird: welches zugleich ſo wohl von den gerin⸗ gern, als edlern Steinarten zu verſtehen iſt. Und ich
kann mit verſchiedenen Proben erweiſen, daß die Verſtei⸗
nerungen ſelbſt in Aſien zu weit EF größeren Vic als i in
Europa, gelangen.
8. XII.
cuius ramen fundo natantes deſpicias piſces, ‚quos inde niſi coctos eximi poſſe non putes. Ich bilde mir auf eine
leichte Art dieſes alſo ein, daß das Waſſer unten auf dem Grunde kalt, oben daruͤber aber ein aus der Erde von der
Seiten her zufließendes warmes Stroͤmlein ſey, welches we⸗
gen ſeines ſtarken Zuſchuſſes, und weil es, als leichter, von
dem kalten Waſſer gleichſam getragen wird, uͤber dieſem ſo ge⸗
ſchwind hinrollet, daß es demſelben von ſeiner Waͤrme bis
hinab auf den Boden nicht viel mittheilet, folgbar die dische f
gar beqvemlich unten darinne dauren koͤnnen.
—
Nachrichten von Island. 19 a XII. So fallen auch die Cryſtallen, davon man Die ern ⸗ zuweilen ohngefaͤhrlich in den natürlichen Felſenhohlen fal ein und anders Stuͤck angetroffen, allhier ſehr weich und brüchig, alfo, daß nichts daraus zu verfertigen ſtehet. Indeſſen iſt von beſonderer Eigenſchaft diejenige Art, auter dem⸗ welche zwar hie und da, vornehmlich aber an einem Ber⸗ 1 15 bey Roerfioerde gefunden wird, und unter dem Na: lelandieage⸗- men Cryftallus Islandica bekannt if. Denn dieſelbe nannt wird. ſtellet die Buchſtaben und alles, was man durch ſie an⸗ i ſiehet, zweyfach oder gedoppelt vor. Welche Eigenfchaft aus den Gründen der Phyſic und Maͤtheſis vergnuͤglich zu erklaͤren, ſo leichte nicht iſt. Daher verſchiedene der achten Leute ſich ſchon die Köpfe darüber . en Sie ift aber kein Eryſtall, ſondern ein Lapis Specula- Deſſen eie ris von der haͤrtern Gattung, oder ein Selenites Thom. Beſchafen⸗ boidalis, das ift, nach der bergmaͤnniſchen Sprache, eine heit. Spaatart, die auch Glinzerſpaat, oder Spiegel⸗ ſpaat, nach Unterſcheid der Oerter, genennet wird. Wie ich denn ſelbſt, als mir ohnlaͤngſt, auf Begehren einige Spaatarten vom Clausthal aufm Harz zugeſchicket wor⸗ den, das Gluͤck gehabt, darunter eine Gattung, die eben falls verdoppelt, doch nicht ſo klar, als die Jeläͤndiſche it, ausfuͤndig zu machen. Wornach vor mir niemand ge⸗
VR chet hat. rå f 2 S. XIII.
5 So Si Erafmus Bartholinus Ao. 1670 zu Copenhagen ein eigenes Tractaͤtlein davon herausgegeben, und Hugens in feinem tieffinnigen Werke vom Lichte, (ſo 1690 in Leyden zum Vorſchein gekommen) gar weitlaͤuftig daruͤber raiſonniret. Weil auch in dem pfeilfoͤrmigen Talc, oder vielmehr Lapide Speculari, ſo der feinſte Gypsſtein iſt, und auf dem Berge Montmartre vor Paris bricht, von dem großen La Hire eine gleiche Wir⸗ kung wahrgenommen worden; fo hat derſelbe feine Anmer⸗ kungen und Gedanken desfalls der gelehrten Welt mitgethei⸗ let in den Memoires der dortigen Academie des Sciences d. A. 710. p. 341 fegg. |
U
20 Nachrichten von Island. Vimsſtein. F. XIII. Zwo Sorten vom Bimsſtein, namlich eine
graue und eine ſchwarze, welche beyde gleichwol nur
unrein, werfen die feuerſpeyende e wenn ſie Ken Aus.
Auch bet ⸗ . XIV. Daß in dem Gebirge metallen „ en ſeyn koͤnnen, ſolches vermuthe ich nicht ohne Grund: weil ich nicht nur berichtet bin, daß man zuweilen eiſen⸗ artige Marcaſite, imgleichen Schwefelkieſe, ohngefahr
daſelbſt angetroffen, auch oͤfters Adlerſteine, welche ins⸗ gemein eiſenſchuͤßig find *, finde; ſondern über dem in
des ſeligen D. Worms Mufeo P. 123 lefe, daß ihme gedie⸗
gene Eiſenſchollen aus Island in ſeine Naturalien⸗
Cammer geſchicket worden. Was es aber außer Eiſen⸗
ſtein ſonſt für eigentliche Metallen gebe, ift nicht zu ſa⸗
gen; ſintemal man, ſo viel ich erfahren moͤgen, nie irgend geſchuͤrfet, noch eingeſchlagen, auch alem Vermuthen nach
es künftighin ebenermaßen ſowol wegen des unſchlachti⸗
gen, rauhen und gefaͤhrlichen Gebirges, als wegen des dahin gaͤnzlich abgehenden, doch zum Bergbau unentbehr⸗
lichen, Brenn⸗ und Bauholzes wohl nimmer unternom⸗
men werden wird.
Bergharz. XV. An Bergharzen und Eröpechen, E Bitumi-
nibus, fehlet es keinesweges, wie aus vielerley Spuren
Turf. abzunehmen. Als zum Exempel aus dem Turf. Denn ob deſſen gleich nicht gar viel, und in dem Suͤdtheile nur ſehr ſchlechter (weil er zu viel Schwefel hat, und daher gar zu geſchwinde verbrennet, annebſt greulich ſtinket)
gefunden wird, fo hat man doch hie und da, als in Haven-
fioerd einigen ganz guten, e ſchweren und Ln. | | urf.
lacobaei in Muſ. Reg. Cap. I. Sect. 7. n. 67 fuͤhret aus
den Schedis Gadmundi Islandi an, daß deren auf 60 Arten, und darunter einige von ganz beſondern Eigenſchaften gefun⸗ den werden ſollen; wovon man aber wohl mit e naͤhern
Erweis zu 1 befuget iſt.
/
SEEN ER
Nachrichten von Island. er
Turf. Wo er auch den Inwohnern fuͤr ihre einzige Feuerung dienet. Einer hat mir eines Seeturfs er⸗ wehnet, wovon er aber auf Befragen nichts weiter zu ſa⸗
gen wußte.
F. XVI. Von der Gegenwart des Erdpechs zeuget Schwarzer noch mehr der ſchwarze Agtſtein, Gagathes, davon man Agtſtein. zuweilen Stuͤcke findet, die angezuͤndet, wie ein Licht bren⸗ nen, und zu aberglaͤubiſchen Dingen von den Islaͤndern gebrauchet werden. Welches letztere ſie vermuthlich noch von ihren Catholiſchen Voreltern her per traditionem, unter ſich behalten haben. Immaßen dergleichen unter den Catholiſchen bis noch, anderwerts nicht weniger mit dieſem Stein vorgehet . Dieſem Gagat ift am aͤußer⸗ lichem Anſehen, zum Theil auch dem bituminoſen Ge⸗ halt nach, ſehr gleich, aber an Haͤrte und uͤbriger Art gar ungleich, ein gewiſſer pechſchwarzer und glaͤnzender Stein, den die Dänen einen ſchwarzen Agar nennen, und weil zuweilen ziemlich große Stuͤcke davon angetroffen wer den, zum Verkauf mit ſich nehmen. Es hat derſelbe ; eine große Härte, alſo daß er wie ein Agat Feuer ſchlaͤ⸗ get, iſt aber ohne allen Zweifel eigentlich eine reine, glatte, ſehr bituminoſe, durch ein gar ſtarkes Erdfeuer zuſam⸗ men geſchmolzene Schlacke, oder Vitrification, Denn wenn man an duͤnne Stellen ſchlaͤget, ſo ſpringt er wie Glas, und die Scherben, die abfallen, ſehen ganz glaͤſicht
aus: wogegen nicht irren mag, daß er Feuer giebt. Maſ⸗ ſen ſelbſt die aus einem großen Feuer zuſammengeſchmol⸗ zene feſte Erzſchlacken etwas Funken geben. Und ich beſitze aus Liſſabon eine Schlacke, die ſo hart, daß ſie ſich wie ein Spiegel poliren laͤſſet, und an Stahl angeſchla⸗ gen noch viel ſtaͤrker Feuer giebt, als die Islaͤndiſche. Man hat in Copenhagen fuͤr den letzt verſtorbenen Kö: s nig aus einem großen Stuͤcke dieſes Steins eine Schale
15 B 3 mit
* Caefius de Mineralibus Lib. III. cap. 7. Sect. 16.
n Nachrichten von Jsland.
mit einem Deckel verfertiget, woran der Kuͤnſtler bis ins vierte Jahr, wie man ſaget, gearbeitet haben ſoll. Denn er erfodert eine beſonderes Geſchicke und Behutſamkeit, weil er ſo ſehr ausſpringet. Ein guter Freund hat ein Stuͤck davon einem Pitſchierſtecher hingegeben, um ein Pitſchaft darein zu graben, es hat ihm aber nicht ange⸗ hen wollen: vielleicht aus Ungeſchicklichkeit des Meiſters. Maßen ja die ſchwarzen Agatcorallen, die das Frauen⸗ zimmer in der Trauer um den Hals und in den Ohren traͤget, auch Meſſerſchalen u. d. g. daraus in Menge ges machet werden. Ich bin bey Betrachtung dieſes Steins auf die Gedanken gerathen, daß er leicht der eigentliche Lapis Obfidianus der Alten ſeyn koͤnne. Denn es iſt deſſelben Beſchreibung diefer Islaͤndiſchen Schlacke in allen Stuͤcken fo ähnlich, als ein Ey dem andern. Pli- nius (Hiſtor. Nat. Lib. XXXVI. Cap. 26. ſ. Sect. 67) ſetzet: in genere vitri & Obſidiana (ſcil. pocula) nume- rantur ad ſimilitudinem lapidis, quem in Æthiopia in- venit Obſidius, nigerrimi coloris, aliquando & translu- cidi, eraſſiore viſu atque in ſpeculis parietum pro ima- gine umbras reddente &c. und noch deutlicher Iſidorus (Lib. XVI. Origg. c. 15) eft niger interdum & virens, aliquando & translucidus crafliore viſu &c. & Cap. 4. Obſidius lapis niger eſt, translucidus & vitri habens ſimilitudinem. Ponitur in ſpeculis parietum propter imaginum umbras reddendas. Alſo iſt unſer Islaͤndi⸗ ſcher pechſchwarz und glaͤnzend. Wenn er aber in Blaͤd⸗ lein geſpalten wird, iſt er halb durchſichtig, doch truͤber und dunkler als Glas, gleichwohl demſelbigen ganz aͤhn⸗ lich: ja eine wirkliche Vitrification. Koͤnnte auch in dicklichten Blaͤttern, zu Bekleidung der Waͤnde gebrau⸗ chet werden, weil er einigermaßen ſpiegeln und dunkle Schattenfiguren darſtellen wuͤrde. Zwar will er ſich nicht fo ſchnitzen und ſchneiden laſſen, als der alte, aus dem man, wie Plinius gedenket, Bildwerke und Petſchafte gemachet; allein dieſes veraͤndert das Geſchlecht 1 5
Nachrichten von Island. 23
Esa kann jener härterer Art, als der Islaͤndiſche, oder die Römer beſſere Steinſchneider, als die Daͤnen, gewe⸗ ſen ſeyn. EN NS §. XVII. Unter der öbern Erdlage findet ſich ober⸗ Schwefel. wehntermaßen überall, abſonderlich in ſumpfichten Thaͤ : lern und Moraͤſten haufenweiſe, ja manchmal in Fauſt⸗ großen Klumpen gewachſener Schwefel, (Sulphur nativum) und an den Felſen ſchlaͤgt er dermaßen ſtark und dick aus, daß man alle 2 bis 3 Jahr ihn vermittelſt eines Schabeiſens herabkratzen und ſammlen kann. Die⸗ ſen natuͤrlichen Schwefel hat man in vorigen Zeiten fleis⸗ ſig geſammlet und ausgefahren. Es iſt auch noch vor wenig Jahren im Huswickhawen, woſelbſt derſelbe noch haͤufiger als an andern Gegenden der Inſel zu finden, eine gewiſſe vom Könige privilegirte Perſon gewefen, wel⸗ che daſelbſt aus den Schwefelbergen deſſen ſo viel zu⸗ ſammen gebracht, daß er auf einmal zwo bis drey hun⸗ dert Tonnen voll davon nach Copenhagen ſenden koͤnnen. Allda er nachher auf gewoͤhnliche Weiſe geſotten und gez 1 1 00 worden. Es iſt aber, wie vor dem zu mehrma⸗ en, alſo anitzo auch das Schwefelſammlen bald wieder eingeſtellet worden, weil die Bauern es nicht gerne ſehen, auch ſchwer zum Sammlen zu bewegen find, nachdemmal es der Fiſcherey, wovon fie ihre meiſte Nahrung haben, nachtheilig ift, | „ .
Denn es lehret die Erfahrung (welches mich ſehr an⸗Denſelben merkungswuͤrdig deucht,) daß nicht allein, wenn am gische. : Strande Schwefelerze von Unreinigkeit und Staub gew ⸗ ſchen werden, die Fiſche ſich verlaufen, ſondern, daß ſie auch ſo gar, wenn ein Schiff, worin etwas Schwefel geladen, auf der Rhede lieget, davon fliehen. Ja ein Fiſcherboot, wor⸗ i an deffelben auswendig nur etwas angeſchmieret worden, verjaget die Fiſche, wo es hinkoͤmmt. Weshalben die Fiſcher, die einander nicht gut ſind, zuweilen einer unter des andern Boot ein wenig Schwefels entweder an⸗
| B 4 ſchmie⸗
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24 Nachrichten von Island.
ſchmieren, oder auch in eine verborgene Ritze verſtecken,
wohl wiſſend, daß ſolchergeſtalt mit demſelben Boote
nicht viel werde gefangen werden. Wobey ich zu meh⸗
rer Erläuterung dieſer Anmerkung noch anzufuͤhren habe, daß die Inwohner der Färdifchen Inſeln, die ſchaͤdliche Wallfiſchart, welche ihre Boͤthe oͤfters rund um wirft, und von ihnen Trold Hval genennet wird, auf dieſe
| Weiſe verjagen, daß fie in die Vorſtaͤfen ihrer Boote
Wie auch den Kalk.
ein Loch bohren, und darein Biebergeil (Caſtoreum) ſte⸗ cken, nachmals einen Pflock darauf ſchlagen. Andere fuͤhren ein Stuͤck Holz, woran dergleichen Biebergeil ver⸗ macht iſt, mit ſich, und werfen daſſelbe auf den Fiſch, ſobald er ſich zu ihnen naͤhert: da er denn augenblicklich, wie ein Stein zu Grunde ſincket, welches auch denen Menſchen, die Biebergeil am Leibe haben, begegnen ſoll, wo⸗ von zu leſen Bartholin. Cent. II. Hiſtor. Anatomicar. ı7 und Luc. Iacobſcen Debes Faeroæ p. 168, welcher Autor aus dem Bericht dieſer Leute noch hinbey fuͤget, daß ſie in Ermangelung des Biebergeils, Spaͤne von Wacholder Holz mit ſich fuͤhren, und ſelbige dem Fiſche entgegen werfen, welche eben dieſelbe Wirkung, nehmlich daß der Fiſch wegſinke, thaͤten. Ich habe auch zuver⸗ laͤßig gehoͤret, daß ein Schiff mit Kalk beladen, oder von außen damit beſchmieret, ebenfalls von den Fiſchen gar ſehr geflohen werde. Man erkennet hieraus, mit was fuͤr einem ſcharfen Geruch und fertigen Geſchmack auch das Fiſchgeſchlecht von dem allweiſen Schoͤpffer zu Aus⸗ findung dienſamer und ae undienlicher 3 i fen muͤſſe begabet ſeyn. |
Es ift aber der Grund diefes Abſcheues bey den Fi |
ſchen, fo viel den Schwefel, Biebergeil und Wacholder
anbetrifft, viel leichter zu begreifen, als was den Kalk
belanget. Denn von dem Schwefel iſt bekannt, wie er fo gar ſtark ausdaͤmpfe, daß, wenn ein kleiner, zumahl friſchgebrochener Klumpen, davon nur 24 Stunden i in ei⸗
| nem
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Nachrichten von Island. 25
nem verſchloſſenen Zimmer gelegen, man deſſen ſtinkende Ausduͤnſtungen genugſam, und nicht ohne Beſchwerlich⸗ keit, empfinde. Woraus von ſelbſten folger, daß es eben der Geſtank des Schwefels ſey. So hat auch der Biebers geil und Wacholder bekanntlich einen ſtarken und eben nicht angenehmen Geruch, der die Fiſche vertreibet. Al⸗ lein der Kalk hat ſo merkliche und ſtark riechende Aus⸗ daͤmpfungen nicht, und deswegen ſollte ich denken, daß, obgleich die ſinnliche Empfindungen der Thiere weit ſchaͤr⸗ fer, als der Menſchen ſind, es doch nicht ſo wohl dem Geruche von dem eingeladenen Kalke, als dem ſcharfen Geſchmack des Waſſers, der von dem bey der Einladung etwan verſpilleten, oder am Schiffe geſchmierten Kalke, entſtanden, zugeſchrieben werden muͤſſe, daß die Sich ſich zuruͤcke ziehen. Å |
$ XVIII. Rüchenfals findet fi ch überall nicht, id) Mangel an meine, weder Salzqvellen noch Steinſalz. Salz.
XIX. Auf der ganzen Inſel giebt es auch keine it. an Baͤu⸗ Baͤume, ohne in dem noͤrdlichen Theile derſelben. Wie „ denn ein vornehmer Kaufmann aus Copenhagen mir erzeh⸗ | let, daß er zwiſchen Huuswick u. Olfioerd, fo etwan 6 Mei⸗ len von einander gelegen, einen Birkenwald von drey Vier⸗ tel Meilen angetroffen, die aber nicht hoch, auch der Stat
nur wie ein Arm dick geweſen: und ein anderer ſagte, daß bey Thing - Oere- Klofter noch eine ganz kleine Hoͤl⸗ zung, meiſtens aus Birken beſtehend, ubrig, doch fo ſchlecht und niedrig waͤren, daß man auf einem kleinen Landpferd⸗ chen ſitzend, an derſelben Gipfel reichete. Anderwaͤrts hat man nur an den Auen einige wenige niedrige Waſ⸗ ſerweiden, und ſonſt hie und da allein kleines Ge⸗ ſtraͤuch und Gebuͤſch, als Brommelbeeren, Wacholder u. d. g. welches von den Inwohnern ſparſamlich behauen, und bloß Kohlen fuͤr die wenige Schmiede, die auf der Inſel wohnen „zu brennen, angewendet wird. Es muß BF vormals
26 Nachrichten von Island:
vormals an Waldungen allhier nicht gefehlet haben, ge⸗ ſtalt ſolches nicht nur die alten Nachrichten bezeugen, ſon⸗ dern auch noch hie und da Ueberbleibſel von alten Wur⸗ zeln zu ſehen. Ja, wenn man ein wenig tief in die Er⸗ de graͤbet, trift man viel verſchlemmtes Holz an, fo ganz 0 blau und hart iſt. SR a
aber gute F. XX, Ungeachtet die fruchtbare Erd⸗Rinde oder Gras, Lage, nur ganz duͤnne iſt, ſo finden ſich doch, abſonderlich | an der Nordſeite, an den Auen und Waſſern gute Vieh⸗ weiden, da das Gras wohl eine halbe Elle hoch auf waͤchſet, und mit ſehr fetten und wohlriechenden Kraͤu⸗ tern untermenget iſt, davon das Vieh fett und wohl⸗ ſchmeckend wird. Was das Vieh und Schafe nicht ab⸗ etzen, wird zu Winterfutter gewonnen, und zwar auf eine recht kuͤmmerliche Weiſe, indem der Boden uͤberall ſehr höckericht und fteinigt ift, alſo daß man keine Grasſenſen, ſondern nur kleine krumme Sicheln brauchen kann, mit denen man das Gras bey kleinen Qvantitaͤten aus dem Raͤum⸗ und Gruͤblein zwiſchen den Felstruͤmmern und Steinhaufen vorſichtiglich heraus ſchneiden muß. Wes⸗ wegen, und weil ihr Werkzeug uͤberdem von ihnen ſelbſt ſehr ſchlecht gemacht ift, in einem Tage nicht viel gefüe _ dert wird. i : „ BR alien §. XXI. Auch mangelt es nicht an gefunden Kraͤu⸗ de Kräuter tern, z. E. dem Loͤffelblate, (Cochlearia,) und dem in noch groͤßerer Menge anzutreffenden Sauerampfer, (Acetoſa,) welche die aller Orten waltende weiſe Vor⸗ ſorge Gottes, nach Erforderniß des hieſigen Climatis und der demſelben gewoͤhnlichſten Krankheiten, dahier von be⸗ ſonderer Groͤße, Guͤte und Kraft wachſen laͤſſet. Mir iſt von ihrer erwuͤnſchten Wirkung, unter vielen andern folgende ſehr merkbare Probe erzehlet worden. Ein im Jahr 1700 von Tranqvebar zuruͤckkommendes Schiff, welches entweder aus uͤbler Hißung der Steuerleute, oder des Capitains Geiz, der die Erfriſchungskoſten pa . i ren
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ren wollen, das Vorgebirge der guten Hoffnung vorbey geſegelt, und, weil von der Mannſchaft uͤber 5 oder 6 nicht mehr im Stande, die Schiffarbeit zu verrichten, geweſen, Island zu ſuchen, genoͤthiget worden, ift glücklicher Wei ſe in Holmshavn eingefallen, wo der Capitaine das Schiff auf den Strand wollen laufen laſſen, als noch zu rechter Zeit ein daſelbſt in Ladung liegender Islands fahrer, der aus deſſen Flaggen geſehen, daß er ein Daͤne ſey, ihm mit einigen ſeiner Leute zu Huͤlfe gekommen, die Anker fallen laſſen, und das Schiff befeſtiget. Hierauf hat man das kranke Volk an Land gebracht, von welchen, ob ſie gleich außer etwas Loͤffelblaͤtter nichts als Sauerampfer in
warmer Milch und ein wenig Schaffleiſch genoſſen, den⸗
noch viele in acht, die uͤbrigen in 14 Tagen ſo friſch und geſund geworden, daß ſie gehuͤpfet und geſprungen, und in weniger als 4 Wochen nach ihrer Ankunft wieder zu Schiffe gehen, ihre Anker ſelber lichten, und die lange be⸗ ſchwerliche Reiſe vollends froͤlich enden koͤnnen. Von der Kraft dieſer Kräuter wiſſen auch alle unſere Leute, die iemals nach Groͤnland geweſen, nicht genug Ruͤhmens zu machen. Denn es wachſen dieſelbe in gleicher, wo nicht noch mehrerer, Guͤte auf Jan⸗Mayen⸗Eyland, Spitzbergen u. ſ. w. Und da unſere Matroſen, wenn fie auf die Hoͤhe dieſer Inſeln kommen, gemeiniglich vom Scorbut dermaßen zugerichtet ſich befinden, daß alle Zaͤh⸗ ne im Maule wackeln, und fie nur kuͤmmerlich ihre Dien⸗ ſte zu leiſten vermoͤgend find, fo. ſuchen fie, fo bald im: mer thulich, Land, um dieſer Kraͤuter theilhaftig zu wer⸗ den; worvon ſie ſo fort geneſen, und gleichſam neues Le⸗ ben und neue Kraͤfte bekommen. Man hat mir noch von einem andern nur an wenig Stellen wachſenden Kraute, doch ohne es nennen oder beſchreiben zu koͤnnen, geſaget, daß es in Milch gekocht, natuͤrlich als Hirſe⸗ grüße ſchmecke. Und lacobaeus in Muſ. Reg. P. I. Sect. 6. n. 6 et 7 gedenket noch zweyer gar vortrefflicher und heilſamer Kraͤuter, als Herbae Avium Islandiae, Fu-
| glar-
28 Nachrichten von Island. glar- gras, oder Akur-Lodar-gras und Muſei cathardici Islandiae, Fialla-gras, oder Fioeru - gras. . 144
re, F. XXII. Erdfruͤchte wollen durchaus nicht fort, fruͤchte, il theils wegen des untauglichen Bodens, theils wegen der gar zu ſtrengen Kaͤlte und des durchdringenden Nordwin⸗ des. Man hat es mehrmalen mit Ruͤben, mn . u. d. g. verſuchet, aber allezeit vergebens. 5
und kein $. XXIII. Am wenigſten kann man das Feld ER Korn. und Korn ſaͤen. Denn wenn man gleich die Steine mühſam ausleſen, und den Boden durch Pflege und Duͤn⸗ ge gut machen wollte, wuͤrde doch der Sommer, oder die warme Zeit ſo lange nicht währen, daß etwas reifen koͤnnte. Daher weiß der gemeine und arme Mann e vom Brodt. Von Meer⸗ . XXIV. Von Meergewoͤchſen konnte man mir und See gewächſen. nur eine Algam marinam, Soel geheißen, mit Namen anzeigen, die ſowol friſch als, in Mangel des Heues, ge⸗ doͤrret, dem Viehe vorgeworfen, ein zwar fettes, aber dabey eckelhaftes Fleiſch geben ſoll. Doch in kuͤmmer⸗ lichen Zeiten wird dieſes Kraut wohl gar von Menſchen ſelbſt ein wenig geroͤſtet zur Speiſe genoſſen. Der mehr⸗ mals angeführte lacobæus d. 1. n. 5 beſchreibet diefelbe unter dem Namen Alga Saccharifera Islandiæ und gie bet zugleich eine Abbildung derſelben. Sie ſoll Blaͤhun⸗ gen machen, und wenn man viel davon iffet, ſtark lari⸗ ren. Es ift zu beklagen, daß die Botanici, inſonderheit unſere Deutſche, wegen Entlegenheit von der See, mit⸗ hin aus Mangel beqvemer Gelegenheit, ſich bis daher noch nicht ſo recht ernſtlich auf die Sammlung, Eintheilung, Beſchreibung der Seegewaͤchſe geleget haben oder legen koͤnnen. Denn, nachdem ich mich darum etwas bekuͤm⸗ mert, und derſelben, ſo viel mir moͤglich geweſen, bey⸗ ſammen gebracht, habe ich wahrgenommen, daß ſie bey einem Gottſuchenden Liebhaber der Natur eine neue Be⸗ wunde⸗
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wunderung und recht großes Vergnuͤgen erwecken, wenn man nehmlich ihre unbeſchreibliche, und einem unkundi⸗ gen unglaubliche Menge, Unterſcheid, Bildung, Farbe, Fortkommung ohne Wurzeln u. ſ. w. betrachtet, und da⸗ bey erweget, daß doch nichts, was nicht gut und nutzbar waͤre, aus der Hand des weiſen Schoͤpffers gekommen, ich will ſagen, daß auch dieſe als gar un nuͤtzlich angeſehene Gewaͤchſe nicht allein ſo vielen und vielerley lebenden Crea⸗ turen zur Nahrung, ſondern auch meiſtentheils dem Men⸗ ſchen ſelbſt ſo wol zur Speiſe, vornehmlich in Zeit der Noth, als zu kraͤftigen Arzeneyen, wenn fie ſolche nur aus Süfternheit nach fremden und koſtbaren Dingen nicht vers achteten vielfaͤltig dienen koͤnnen. Allermaßen vor andern der fleißige M. Martin in feiner gar leſenswuͤrdigen De- ſeription of the Weſtern Islands of Scottland, davon unter den auf dieſen entlegenen Inſeln in groͤſſeſter Sim⸗ plicität lebenden und das wenige, was ihnen gegeben iſt, rechtſchaffen nutzenden Inwohnern gar beſondere und merkbare Anmerkungen geſammlet und p. 148 ſqq. den Zaͤrtlichen zur Beſchaͤmung ans Licht gebracht hat. Von harten oder Corallartigen Seegewaͤchſen wußten meine Erzehler zwar ſo viel, daß derſelben einige auf den Gruͤnden vorhanden, konnten fie aber weder nennen noch beſchreiben, weil ſie, wie ſie ſelbſt geſtunden, niemals dar⸗ nach geſehen. Zum wenigſten wird ſich allda die Art des Pori cervini Imperati p. 630 finden, welche auf den fel⸗ ſichten Seebaͤnken bey den ohnfern davon belegenen Hit⸗ landiſchen Inſeln ſo gar haͤufig angetroffen wird, und in meiner Sammelung Madrepora erectior punctata & ra- moſa, cornua ceruina æmulans heiſſet. |
$. XXV. Wilde Thiere weder edle, oder eßbare, Keine wil⸗
noch unedle, oder Raubthiere, ſiehet man hier nicht, vers de Thiere,
muthlich weil dieſe Inſel auf allen Seiten vom feſten Lan⸗
de gar weit abgelegen iſt. Bären kommen zuweilen im
Fruͤhjahr, wenn der Wind darnach iſt, auf die NE | | | kuͤſte
30 Nachrichten von Island. | kuͤſte aus Grönland mit den losgehenden Cisfeldern an⸗ getrieben. Man pfleget aber um ſolche Zeit Wache da⸗ gegen zu halten, und ſobald man nur einen verſpuͤret, mit aufgebotener Mannſchaft darauf los zu gehen, und nicht eher zu ruhen, als bis man ihn erſchlagen: zumah⸗ len ſonſt dieſe gefährliche Veſtien in den unerſteiglichen Gebirgen ſich bald mehren und unter dem zerſtreuet und unverwahret wohnenden Bauervolke ſo wohl, als den wildlaufenden Schafen u. ſ. w. Unheils gnug anrich⸗ ten wuͤrden. BE CCT außer §. XXVI. Auf dieſe Weiſe muͤſſen iedoch die Fuͤchſe Suͤchſe. hon daher ſich eingeſchlichen haben, welche ſich uͤberall auf der Inſel haͤufig finden. Dieſe find dahier niemals roth, fondern ihrer wenige ſchwarz, die übrigen durchgehends im Sommer blau, grau und im Winter weiß. Ihre Baͤlge fallen im Winter, da fie das meiſte und feſteſte Haar haben, am beſten. Deswegen die Islaͤnder ſie als⸗ denn fleißig wegfangen, und zwar, aus angebohrnen Ab⸗ ſcheu vor allem Schießgewehr, vermittelſt aufgeſtelleter Netze, oder Fangeiſen, die faſt wie eine Schneiderſcheere geſtaltet, und mit einem verrecketen Samme, zum Luder verſehen ſind. Außer dieſer Zeit legen ſie ihnen, weil ſie ihren Schafen ſehr ſchaͤdlich fallen, hie und da Kraͤnau⸗ gen (nuces vomicas) in Honig getunket, die ſie, weil ſie ſonſt nichts ſuͤſſes zu ſchmecken bekommen, ſehr begierig hineinſchlingen. e e . Beſchaffen! F. XXVII. Die Pferde fallen hier, wie in allen Pferde nördlichen Gegenden klein, kurz und dicklicht; welches ohne Zweifel der zuſammenziehenden oder preffenden Ei⸗ genſchaft der Kaͤlte, die den Wachsthum zuruͤcke haͤlt, vornehmlich zuzuſchreiben iſt . Doch ſind ſie ſtark und VVV munter
Ein gleiches bemerket man auch andern Landthieren daſelbſt. Dahingegen in den heißen Laͤndern wegen der al⸗ les ausdehnenden Waͤrme, die Thiere zu mehrerer ve ge⸗
: | | | | deen
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munter, dabey boͤſe und beißig. Man muß ſich wundern, was ſie ausſtehen koͤnnen. Sie werden aber auch recht abgehaͤrtet, indem ſie Jahr aus Jahr ein aufm Felde un⸗ ter freyem Himmel ausdauren, und des Winters unterm Schnee ſo wohl, als des Sommers, ihr Futter ſelbſt ſu⸗ chen muͤſſen. Wozu ſie allein dieſe Wohlthat von der Natur zu genießen haben, daß ſie mit beſonders ſteifen, langen und dicken Haaren, allermeiſt um die Winterszeit, bedecket ſind. |
LW XXVIII. Die Schafe N fo ebenfalls nur klein, Der Scha⸗ haben mit den Pferden gleiches Gluͤck und Beqvemlich⸗ fe. 5 keit. Denn ſie kommen, wie jene, Winters und Som⸗ mers in keinen Stall, ſondern muͤſſen auf dem Felde un⸗ ter den uͤberſtehenden Felsſpitzen, in den natürlichen Höͤh⸗ len der Berge, und ſonſt, wie ſie beſt koͤnnen, ſich behelfen, und ſelbſt ſorgen, wo ſie ihr Verbleib und Nahrung fin⸗ den *. Sie halten ſich ſtets zu den Pferden und im Win: | 5 e i ter
deyen, als man an den Camelen, Loͤwen, Naſehorn, und ab⸗ ſonderlich an den ungeheuren Elephanten wahrnehmen kann. Deſſen gerades Widerſpiel aber bey den Fiſchen ſich findet, als deren groͤßeſte Gattungen, inſonderheit die Wallfiſchſor⸗ ten, nur in Norden fortkommeen. Von den ohnfern von Island entlegenen Daͤniſchen Inſeln Ferroe, die aus 17 oder 18 großen und kleinen Inſeln beſtehen, und in der Laͤnge 15 und in der Breite 10 daͤniſche oder nordiſche Meilen ausmachen, iſt bekannt, daß daſelbſt, weilen die Gebirge nicht hoch, ſondern linde und mit keinem Schnee bedecket ſind, gar gute Weiden ſeyn, und folgbar noch weit mehr Schafe, als auf Island gezogen werden, wel⸗ che aber eben auch ohne alle Wartung in der Wildniß umher⸗ laufen. Von dieſen wird erzehlet, daß ſie im Winter unter die Klippen und Felſen, wo ſie ein wenig uͤberhaͤngen, und beſon⸗ ders zu deren ſuͤdlichen Seiten ihre Zuflucht nehmen, auch daſelbſt nicht allein ſo dichte, als ſie immer koͤnnen, zuſammen kriechen, ſondern uͤberdem ſolchergeſtalt oft wechſeln, daß die innern nach und nach die äußere, und dieſe, wann fie brave durchge⸗ kaͤltet, wiederum die innerſte werden: ja wenn der 9 ſo hart
32 Nachrichten von Island.
ter folgen ſie ihnen immer auf den Fuß nach, damit, wenn es ſo ſtark gefrohren, daß ſie mit ihren kleinen Fuͤß⸗ chen nicht durchkommen koͤnnen, ſie, wenn die Pferde ir⸗ gend eine Oeffnung getreten oder etwan fuͤr ſich gehauen, von dem entbloͤßeten Mooß ein weniges bekommen moͤ. gen. Sie eſſen alsdenn auch aus großem Hunger, wie man oͤfters wahrgenommen, gar das Haar von der Pferde Schwaͤnzen. Wenn es mit einem ſtarken Winde ſchneyet, laufen ſie ſtets vor dem Winde voraus, aus den Bergen dem Strande zu, und oͤfters aus Dummheit in die See hinein, daß ihrer eine große Anzahl umkommt. Zuwei⸗ len, wenn mit einem mal ein ſehr großer Schnee faͤllt, beſchneyen ſie ganz und gar. Da ſie denn in große Kup⸗ peln zuſammen laufen, die Köpfe unter ſich zuſammen ſtecken, und auf den Ruͤcken immer hin ſchneyen laſſen. Sie frieren aber daruͤber gar oft dergeſtalt ein, daß ſie ſich ſelbſt nicht wieder heraus helfen koͤnnen. Alsdenn ſie aus qvaͤlendem Hunger eines des andern Wolle freſſen, und ſich damit hinhelfen, bis ſie ausgegraben werden. Welches die Bauern in aller Eile zu thun nicht unterlaſ⸗ ſen, ſobald ſie gewahr werden, wo dergleichen Haufen ſte⸗ he. Und dieſes nehmen ſie an dem Dampf ab, der mit⸗ ten aus ſolchem Haufen in die Hoͤhe, und durch den Schnee, (durch den er ſich, vermittelſt finer Waͤrme, ei⸗ ne kleine Oeffnung, wie eine Rauchroͤhre, erhaͤlt) heraus zu ſteigen pfieget. Uebrigens find fie auch mit gar gro⸗ ber und ſtarriger Wolle verwahret: Welches zwar ei⸗ gentlich von der Haͤrtigkeit des Climats und dem ſchlech⸗
; i „ten hart gefroren iſt, daß ſte nicht mehr mit ihren Fuͤſſen zu der Heyde, oder Mooß, ſcharren koͤnnen, eines von des andern Wolle für Hunger freſſen, und ſich ſolchergeſtalt kuͤmmerlich hin halten. vid. Laurizen Wolff Norrigia illuſtrata, p. 196. Die Inwohner dieſer Inſeln koͤnnen auch noch zur Saat kom⸗ men, iedoch nichts als Gerſten bauen, wovon fie gleichwol fuͤr eine Tonne Einſaat, 20 bis 30 Tonnen Korn, wie geſa⸗ get wird, einerndten 1 N.
N RR
\
Nachrichten von Island. 23 ten Futter herruͤhret. Maßen bekannt, daß ie gelinder das Climat, und ie beſſer die Weide iſt, deſto feiner und zaͤrter auch die Wolle der Schafe und die Haare der Zie⸗ gen fallen?; gleichwol aber nach der weiſen Einrich⸗ tung des guͤtigen Schoͤpfers, der ein iedes feiner Geſchöpf⸗ fe, nach ſeinen Umſtaͤnden, nothduͤrftig verſiehet, ihnen eben auch wider die hieſige anhaltende ſtrenge und durch⸗ dringende Kaͤlte zu einer um ſo feſteren Decke dienet. Sie werden niemals geſchoren. Weil ihnen aber alljaͤh⸗ rig junge neue Wolle hervor waͤchſet, (welches mitten im Sommer, um Johannis, wenn ihnen eine geringe Decke genug ſeyn kann, ſich begiebt) und die alte Wolle über den ganzen Leib los wird: fo pfleget man, da folche zu⸗ malen ſehr in einander haͤngig gewachſen iſt, ihnen dieſel⸗ be alsdann auf einmal, wie einen Ueberzug abzuſtreifen. Zu dem Ende werden dieſelbe recht eigentlich gejaget und eingefangen. Denn es ſtellet ſich ein Hirte mit den ab⸗ gerichteten Hunden auf einen Huͤgel, und giebet, vermit⸗ telſt ſeines Horns, ein Zeichen, worauf die Hunde ſich vertheilen, und die Schafe von allen Ecken aus den Klip⸗ pen und Wildniſſen herbey, und in eine gewiſſe Huͤrde oder Stacketwerk, treiben, welches vornher weit aus ein⸗ ander geſetzet ift, nach hinten zu aber, damit fie nicht wie⸗ der entkommen konnen, allmaͤhlig enger wird.
Nicht weniger ift zu bemerken, daß die Islaͤndiſchen Natel i Schafe insgeſammt, Schafmuͤtter * fowol, als Böcke, ben, 1 nicht
%
; Ich will dieſes zu beſtaͤtigen nur allein was Busbe⸗ quius Ar Legat: Turcic. Ep. I. p. m. 57. von den foftlichen mit ſo ſchoͤnen, feinen und langen Haaren, verſehenen Ziegen t in klein Aſien anmerket, hier anführen : Gramine; ſchreibet er, paſcuntur per eos campos exili et ficco, quod ad lanae tenuitatem multum conferre certum eſt. Nam conſtat, alio translatis non manere eandem, fed vna cum pabulo mutari, totasque ita degenerare capras, vt vix agnoſcantur. Dieſes iſt in den nordlichſten wuͤſten Laͤndern ſo unge⸗ mein eben nicht; allermaßen Hi Magnus Hit. Lib 7 cap.
BE Nachrichten von getan.
nicht nur große und gewundene Soͤrner / fordern deren auch gemeiniglich mehr als 4 „ja bis zu 8 *, und un⸗ ter denſelben mannichmal ein ganz gerade vor dem Kopf hinausſtehendes Horn haben. Da hingegen das von feinen Hoͤrnern ſonſt allenthalben fo benahmte Horn⸗ vieh dahier derſelben gänzlich ermangelt. Welches zu muthmaßen Gelegenheit giebet, daß die Schafe, und zwar alleſammt⸗ deswegen mit Hoͤrnern bewaffnet ſind, weil ſie, als in der Irre gehend, derſelben wider die vielen und großen Raubvoͤgel ohnentbehrlich benoͤthiget: dagegen das Rindvieh, weil es von ſolchen Raubvoͤgeln nichts zu be⸗ fahren, und von wilden reißenden Thieren uͤberall keine Noth hat, folgbar keiner Hoͤrner zur Wehre gebrauchet, damit auch unnoͤthig, nicht belaͤſtiget ey, Was aber die eigentliche natuͤrliche Urſache dieſer Seltenheit ſeyn möge, | ift wohl fo gar leicht nicht auszuſinnen .
N “
cap. I. begeugel Habet, foricht er, tota (eptentstenäti regio
magnorum arietum vt et ouium multitudines, in quibus
et foeminae cornua gerunt arcuata. Ein gleiches bemerket |
auch Martin an den Schafen auf den rauhen weſtlichen In⸗
re von FORM GA in feiner bereits angegogenen Beſchrei⸗ ung,
8 Dergin hen auch von den Biden der Infel Gottland Olaus M. an beregtem Orte erwehnet.
Es ift bekannt, daß die Haare, Wolle, Klauen, Hor⸗ ner, welche insgeſammt einer Natur ſind, bey den vierfuͤßi⸗ gen Thieren, (wie die Federn bey den Voͤgein, und die Schup⸗ pen bey den Fiſchen) aus uͤberfluͤßigen Saͤften ihren Ur⸗ ſprung haben; und ob fie wohl als Auswuͤrfe anzuſehen, dene noch organiſche Coͤrper ſeyn, die auf Pflanzenart aus vielen hohlen Roͤhrlein beſtehen, zu gewiſſer Laͤnge, Breite u. ſ. w. pro⸗ portionirlich wachſen, (conf. Memoires pour ſervir à Thiſtoire Nat. des animaux, p. 129 ſeq.) Es ift ferner bekannt, daß ſolche Saͤfte, nach Bewandniß der Nahrung, theils der Dauungskraft und uͤbriger Leibesbeſchaffenheit der Thiere ein⸗ gerichtet und gemaͤßiget ſeyn, und derhalben ſo gar unter⸗ ſchiedenes Haar, oder Gehoͤrn, bey dieſen und jenen hervor. SA
bringen. Alſo e aus armen waͤſſerigen N bo | | weiches,
Nachrichten von Island. 35 | An einigen Orten beſtehet alles Gewerbe in Schafen, und an ei⸗ weshalben die daſige Bauern auf dieſelbe etwas mehr Acht Bee haben. Dieſe jagen nur die Hammel ins Gebirge, die beſſer ges
Schafmuͤtter aber halten fie fo viel bey Haufe als thun⸗ weder
lich. Damit ſie auch der Laͤmmer deſto beſſer wahrneh⸗ at
men koͤnnen, ſo pflegen fie den Biden, die ſtets mit den Schafen herum laufen, vermittelſt eines unter den | ag „ Bau⸗
N
weiches, langes Haar, oder Horn: aus heißen und kraͤftigen,
ein kurzes, gedrungenes und hartes. Maͤnner haben gemei⸗ niglich kurzes, gekraͤuſeltes, ſtarres: Weiber aber weiches, Ca langes und ſchlechtes Haar. Stiere, deren Blut und Saas menſaft in voller Kraft, ein kurzes, dickes, feſtes; Ochſen, die durch die Verſchneidung entkraͤftet, ein duͤnnes, weiches, langes Gehoͤrn; (conferri huc meretur Plot. Nat. Hiſt. of Staffortshire ch. 7. F. 58 q.) So waͤchſet ein einem Capaunen in die Stirn geſetzter Hahnenſporn zu einem unglaublich lan⸗ geu und krummen Horn. Weiter lehret die Erfahrung, daß das auf duͤrren magern Gerſtweiden gehende Vieh kurze, das in der feuchten, fetten Marſch weidende, große, weite Hoͤrner habe. Bey dem allen iſt das Clima auch nicht auszuſchlieſ⸗ ſen. In kalten Laͤndern, wo wenig Ausdaͤmpfungen, giebt es wegen Vielheit der vorhandenen Saͤfte große: in heißen, wo jene ſtark, wegen derſelben Ermangelung, deſto kleinere, oder gar keine Hoͤrner. Damit uͤbereinſtimmet, was in der von P. Labat beſchriebenen Volage du Chev. Marchais en Guinée et Cayenne, Tom. III. ch. 8 angemerket wird, daß nemlich das aus Europa dahin uͤberbrachte Vieh daſelbſt kleinere und
duͤgnnere Hoͤrner, als in Europa, und die Reheboͤcke fo wenig
Gehoͤrn, als die Rehe ſelbſt haben. Wann nun itzt ange⸗ fuͤhrtes in Erwegung gezogen wird, ſo deucht mich nicht un⸗
wahrſcheinlich zu ſeyn, daß das Rindvieh aus Island aus der ſoo geringen und ſchlechten Nahrung, die es geneuſt, nicht fø
*
viele und fluͤßige Säfte bekomme, daß daraus Hoͤrner abge⸗ ſetzet und getrieben werden koͤnnten: Und daß hingegen die Schafe, die nach ihrer Art Nahrung genug haben, weil das Futter an ſich ſchwach, und das Clima feuchte, lange und weiche Hörner hervorbringen. Ob ich hierunter auf der reche ten Spur bin, moͤgen diejenigen beurtheilen, und allenfalls beſſere Entſcheidung geben, deren Beruf erfodert die Natur
und beſonders das Thierreich auszuſtudiren. ; |
36 Nachrichten von Island. Bauch ne, Stuͤcke Tuchs das unzeitige Sprin⸗ gen zu verwehren, und daſſelbe nur gegen ſolche Zeit weg⸗ zulaſſen, daß die zu werfende Laͤmmlein im Felde Gras vorfinden, welches erſt gegen Pfingſten geſchehen kann. Die fallende Laͤmmlein werden fo fort gezeichnet, wie denn ein ieder die ſeinen, weil ſie alle durch einander lauſen meen, mit einem eigenen und beſondern Zeichen bemerket.
aber“ denen Dieſe zarte Thierlein ſtehen von den in den Einöͤden ' ; digt dk gewaltig ſich mehrenden, großen Pechſchwarzen Raben, keen. viele Noth aus: indem dieſelbe oͤfters, ohne daß es zu verwehren ſtehet, auf die ſchwache Dinger ſtoßen, ihnen
gleich zuerſt die Augen aus hacken, damit fie ihnen deſto⸗
weniger entkommen koͤnnen, und hernach dieſelbe gar ver⸗
zehren. Wiewol die Bauern, wenn ſie es gewahr wer⸗
den, nicht ermangeln ſo fort zuzuſpringen, und die Ra⸗
ben zu verjagen, das Lamm aber, weil es doch ſein Fut⸗
ter nicht wuͤrde finden koͤnnen, ſondern elendiglich um⸗
kommen muͤſſen, abſchlachten und ihm das ſanfte Fell abziehen, welches dasjenige Pelzwerk giebet, das in Daͤn⸗ nemark und Hollſtein unter dem Namen Schmaaskin
oder Schmaasken! verkauffet und vielfältig von Leu⸗
ten mittelmaͤßigen Vermoͤgens getragen wird⸗ %
Wie ein ie⸗ Um die Schlachtezeit, wenn ſie die Hammel fuͤr die
der fein in Ladung liegende Schiffe in den Fleiſchhaͤven fangen
Schaf wie⸗ und abſchlachten wollen, werden dieſelbe auf vorangeregte
der bekoͤmt. Weiſe in Gegenwart aller Richter, damit ſonſt zu befah⸗ render Zank und Streit vermieden, und niemand ver⸗ vortheilet werden moͤge, mit Hunden zuſammen getrieben, und einem ieden die ſeinige nach feinem ai zu ſich zu nehmen ee |
i i N 1295 i *
* Das ift, pellicula, kleines Feuchen, 2 å Datieb E Smaa,
Il. Små, Sued. Sma, Sax. Schmaͤtſch, exilis, „ Ba et sl. et Angl. Skin, Dan. Skind, * eutis. e
Nachrichten von Island. 37
In den Mågen der geſchlachteten Schafe findet ſich Was in ih⸗ nicht felten eine runde Kugel in der Größe eines Spiel⸗ 5 ballen, ſo innwendig mit Wolle, Mooß u. d. g. ange⸗ wird. füllet, auswendig aber mit einer Lichtgrauen harten Tar⸗ tariſchen Rinde umgeben iſt. Dergleichen ich einen aus Norwegen unter dem Namen Tophus Ovinus Norwagi-
cus in meiner Sammlung beſitze. Dieſe Kugeln ent⸗ ſtehen ohne Zweifel aus der Wolle und andern unverdaun. lichen Dingen, die die Schafe zuweilen aus großem Hun⸗ | ger hinabſchlingen; und werden eines Theils durch die be⸗ ſtaͤndige Ruͤttelung des Magens (der bekanntlich von ſei⸗ nen kreuzweiſe übereinandetliegenden Haͤutlein ohnab⸗ laßig hin und her gezogen wird,) zuſammen gerollet, ge⸗ preſſet, gewaͤlzet und in die kugelichte Geſtalt gebracht; andern Theils aber, wann immer mehr Haare dazu kom⸗ men, durch den Magenſchleim mehr und mehr verbun⸗ den, vergroͤſſert, und endlich aus eben demſelben mit der haͤrtlichen Rinde umſchloſſen ”,
$. XXIX. Ziegen koͤnnen alldie nicht gehalten wer: ien den, weil es an deren beliebten Futter, dem zarten Laubeb ier nicht. von Stauden und jungen Bäumen, allenthalben gebricht.
Hr XXX. Odbfen und Ribe fallen nicht größer, 1 und als das kleineſte Geeſtvieh in ig und erman⸗ Saas 118 € 3 | geln h haben keine Lg: Hörner, Bu: Eg werden dergleichen ganz aus Haaren, ohne Rinde zuſammengebackene Kugeln, in ziemlicher Größe, auch hier zu Lande in den Maͤgen der geſchlachteten Ochſen und Kuͤhe ge⸗ funden; welche vermuthlich daher ihren Urſprung nehmen, daß dieſe Thiere, wenn ſie an den leimern Waͤnden der Bauer⸗ haͤuſer liegen, von dem mit Haaren, Feſtigkeit halber, unter⸗ mengten Leimen, lecken, kauen und hinabſchlingen: imglei⸗ chen, wann es fie irgend jucket, mit ihren ſcharfen Zungen die Stelle ſchaben, und damit das Jucken vertreiben; woruͤ⸗ ber an den ſchleimigten Zungen manch loſes Haar bekleben bleibet, und beym Kauen mit hinunter gehet, das nachher auf bemeldete Art zuſammen geflebet und zur Kugel wird.
Rug FS. XXXI. Die Milch iſt der Joländer e
fiese Arzney: wird auch alſo, wie ſie von der Kuhe .
sene . von keinen andern, als nur Kranken genoſſen. Sonſt bedienen fie ſich insgemein der Molken oder Wattick (Se. rum lactis) zu ihrem, und zwar ihrem beſten Getraͤnke. Deswegen ſie auch hauswirthlich damit umgehen, und dieſelbe, wenn fie alt, bitter, ſauer und truͤbe geworden, durch Zugießung des Waſſers zu verduͤnnen, zu verlaͤn⸗ gern und weniger uͤbelſchmeckend zu machen gene find, j
Wie ſie mit Gr XXXII. Sie 1 viel Butter, Pr ſo viel
umgebene mir bewußt, keine Kaͤſe. Jene ſchlagen die meiſten nach
unnd nach fo haaricht, als fie aus ungereinigter Milch ger
raͤth, in eine zuſammengenaͤhete Schafshaut, und heben ſie ſolchergeſtalt auf. Weshalben ein Fremder ſie nicht leicht durch die Kehle bringen kann. Ja weil ſie kein Salz darein zu thun haben, wird ſie bald ſo gruͤn, ſchwarz, ranzig, ſtinkend und eckelhaft, daß man ſie nur kaum mit umſchmelzen u. ſ. f. den Daͤniſchen Matroſen eßbar ma⸗ chen kann. '
Wie ſie das F. XXXIII. Ihre Art das Rindvieh zu ſchlach⸗
ſchlochen, ten, hat auch etwas beſonders. Sie ſchlagen daſſelbe
8 Nachrichten von Is ig
geln, als bereits erwehnet, der re e allein des Vorzugs, daß ſie von dem Bauersmann auf den Winter mit unter Dach genommen, und mit dem ſo kuͤmmerlich gewonnenen Heu, oder auch, ben deſſen Ab⸗ gang, mit dem gedoͤrreten See Kraute l, . lichſt durchgebracht werden.
nicht auf den Kopf, in Meinung, daß dadurch das Blut ins Fleiſch traͤte, und daſſelbe daher nicht waͤhren koͤnne, ſondern ſtoßen ihnen ein dünnes Federmeſſer tief ins Ge⸗ nicke, davon es zur Erden ſtuͤrzet, alsdenn ſchnuͤren ſie geſchwinde die Fuͤße mit Stricken zuſammen und oͤffnen '
die Kehle, damit das Blut alles e Das Ein⸗
geweide 1
Nachrichten von Island. 39
geweide wird von den Islaͤndern zuerſt ohne viele Reini⸗ gung verzehret: das Thier ſelbſt aber zerſtücket. Die Stuͤcke werden nicht mit Salz eingerieben, ſondern nur ein paar mal durch Seewaſſer gezogen, und damit erſt⸗ lich an die Luft, daß fie Windtrucken werden, und herz nach in ihren Huͤtten uͤber ihre Feuerſtaͤtte, damit der da⸗ von aufſteigende Rauch daran ſchlage und ſie noch mehr ausdoͤrre, aufgehangen. Solchergeſtalt erhalten fie ihr eingeſchlachtetes halbverfaulet, halb ſtinkend, bis ſie es nach gerade aufeſſen. Die es beſſer machen wollen, und die Mittel dazu haben, kaufen ſich etwas Salz, ſchnei⸗ den, wenn das geſchlachtete Thier noch ganz haͤnget, an drey oder vier Orten einen tiefen Schnitt ins Fleiſch und thun in iede Oeffnung eine kleine Hand voll Salz hinein, in der Einbildung, daß daſſelbe ſich ſolchergeſtalt ſchon von ſelbſt durch den ganzen Rumpf, ſo viel noͤthig, ziehen, und das Fleiſch, wenn hernach Wind und Rauch da⸗ zu kommen, vortrefflich bewahren werde. Auf beyde itzt erzehlete Arten verfahren die Ingeſeſſene auch mit dem Fleiſche der Schafe, wenn fi ie 755 für ihre e | durft einſchlachten. : 5
$. XXXIV. Schweine mögen allhie nicht aufge: Haben kei⸗ bracht werden, zumalen fo wenig auf dem Felde, als im ne Theis Hauſe, zureichliche Nahrung fuͤr dieſelbe zu haben. HUN mol "une de und Hauskatzen hat man. | ig
F. XXX v. Tauben und anders zahmes Feder vie⸗ daun. ge. he, koͤnnen wegen der langwierigen ſtrengen Kälte, Manz gets dle | gel des Futters und Vielheit der Stoßvoͤgel von allerley * ; Gattung, nicht gehalten werden. Einige wenige mehr | bemittelte und des halben zärtlichere, haben. ein paar Huͤnerchen beſtaͤndig im Hauſe, die ſie mit kleingeſchnit⸗ tenen Heu unter ein wenig Rockenmehls mit Waſſer ver⸗ menget, kümmerlich auffuͤttern. {
2 e , SEA
Gevogel haben.
40 Nachrichten von Island. | Dae ſie vo: F. XXXVI, Das edle Landgevoͤgel beſtehet, ſo viel ich erfahren, in Wachteln, großen Schneppen, als
unſre Hohfchnepffen und den Rephuͤnern, Aypen * ges
nanat. Dieſes find die Snoͤriper auf den Lappiſchen
Alpen, die“ ſich allezeit an der Erde halten, mehr laufen als fliegen, und deswegen nicht ſchwer zu fangen find,
Sie haben der auszuſtehenden ſtrengen Kaͤlte halber ganz rauhe mit Federn bewachſene Beine, als Haſenpfoͤtchen, davon ſie oder ihres gleichen bey den gelehrten Schreibern von Vögeln ** Zagopodes, ſonſt aber in Teutſchland und
in der Schweiz auch Schneehuͤner geheißen werden.
Raubrögel. §. XXXVII. Der Kaupvoͤgel iſt eine unbeſchreibli⸗
Adler.
che Menge und Verſchiedenheit, als große Adler, Geyer, Habichte, Falten, Eulen, Kaben und andere mehr,
die daſelbſt zum Theil Namen, und zum Theil keine Na⸗
men haben.
F. XXXVIII. Der Adler find verſchiedene Gattun⸗ gen, die dahier, wie auf andern noͤrdlichen nicht ſehr be⸗
wohnten Inſeln f den Inwohnern an ihrem jungen Vieh unſaͤglichen Schaden zufügen. Einige darunter findfehe ſtark und keck. Ueberhaupt thun ſie den Menſchen nicht leicht etwas. Wenn fie etwan aber an einem angetrie⸗ benen todten Körper Menſchenfleiſch gekoſtet haben, ſind fie wohl eher fo luͤſtern darnach geworden, daß fie ſich era dreiſtet, Kinder von vier, fuͤnf Jahren wegzuſchnappen, 4 Fr und
Island. | | Vid Scheffer. Lapponia cap. 19. circa finem, Vid. Gefn. de Auibus Lib. III. p. 576. 1 + Wallace in feiner Deſcription of the Isles of Orkney,
pag. 47. erwehnet davon, und fliget hier bey, daß man daft
ger Orten ein Geſetz habe, vermoͤge weſſen derjenige, ſo einen
Adler getoͤdtet, aus iedwedem Hauſe des Kirchſpiels, worinn
ae gefaͤllet, mit einem Huhn beſchenket werden m X ' x
/
* Riupa. Perdix montana, Gudm, Andr. Lexi.
0
Nachrichten von Island. 41 und mit ſich durch die Luft nach rt Neſte zu ſchlep⸗ | pen,
§. XXXIX. Der Habichte giebt es auch mehr als Habiche | eine Art. Von der kleinern Gattung habe ich einſtens einen lebendigen bekommen, welcher nicht ſo groß als ei⸗ ne Taube, und bunt, auf dem Ruͤcken gelbbråunlid) mit einer ſchwarzlichten Einfaſſung aller Federn und weiß unterm Bauche war. S. Fig. 1. Derſelbe ſaß mit den Tauben auf einen Boden und aß mit ihnen, wußte ſich aber durch ſein Anſehen, und weil er, wenn ſie ſich er⸗ dreiſteten, ihm gar zu nahe zu kommen, dann und wann einmal zuhackte, dergeſtalt in Furcht zu halten, daß, wenn ſie auch noch ſo hungerig waren, doch keine ſich erdreiſtete mit ihm in die Schuͤſſel zu langen, bis er abgeſpeiſet hatte.
8. XL. Nicht weniger finden ſich dahier, abſonder⸗ Falken. lich an der Nordſeiten, mehr als eine Gattung von Fal⸗ ken unterſchiedener Größe und Farbe. Sie werden für die tapferſte und geſchickteſte von ganz Europa zur Baize geſchaͤtzet. Deswegen der König von Daͤnnemark alle Jahr einen ſeiner Falconirer mit einem Paar Bedienten eigentlich nach Island ſchicket, um ſo wohl fuͤr ſeine Jagd, als auch um an fremde Herrſchaften zu verſchen⸗ ken, alle taugliche Falken, die er bekommen kann, zu fas hen und nach Copenhagen überzubringen. Da denn der Koͤnig fuͤr einen grauen Falken 5 Thaler, fuͤr einen grauen und weißen 10 Thaler und fuͤr einen N 7 13 Thaler bezahlet. | 8
Die
5 Die weißen ſind die ſeltenſten, vielleicht uch die tapf⸗ ferſten. Wovon ein artiger und einer genauern Unterſuchung wohl wuͤrdiger Ort bey Olao M. Lib. 19. Hiſt. Sept. c. 23 ſte⸗ het: ſabalbidus, ſpricht er, vnguibus et roſtro audacius ad- volando ferit, non ita filcones nigri, qui tardiores funt, Auia corpora nigra feu fuſca porofa ſunt, de facili euapo- rantia fpiritus, qui ſunt vehicula virtutis, tuncque laſſan- tur et debilitantur, quamuis fint agilia per naturam. E
C 5 | contra
42 Nachrichten von „Send.
Wie dieſe Die Falken werden gefangen mit abgerichteten Vår Hol ng geln, die auf dem Heerde in Kaͤfigen ſitzen und in un⸗ | | glaublicher Weite den Falken ſchon erblicken, auch davon fo fort ihrem Herrn mit Schreyen ein Zeichen geben.
Alsdenn derſelbe, der in einem verdeckten Buſchhuͤttlein
auflauret, eine Taube flattern laͤſſet, auf welche der Falk, ſobald er ihrer gewahr wird, ungeſtuͤmlich aus der Luft herabſchießet, aber indem er zur Erden koͤmmt, vermit⸗ telſt eines uͤber ihn 1 8 ſchlagenden Netzes, e gefangen wird.
Wie ſie naß Wenn das Schiff, womit die gefangenen Falken | 3 uͤberbracht werden folen, Seegelfertig ift, werden einige
feucht, und Ochſen und Schafe fuͤr dieſelbe geſchlachtet, und das
auf dem, Fleiſch davon auf dem Schiffe an Maſten, Wand und
Schiffe ge⸗ fewer Stacken aufgehaͤnget. Man nimmt auch noch einiges en.
lebendige Vieh mit, um unterweges, wann man etwa an keine Inſel ankommen kann, nach und nach zu ſchlachten. Iſt es aber thunlich, daß man irgend anlaufen kann, faͤh⸗ ret man nicht vorbey, ſondern verſiehet ſich daſelbſt von neuen mit friſchem Viehe, das aus voller Weide koͤmmt, weil von dergleichen Fleiſche die Falken viel beſſer als von dem andern gedeyen ſollen. Es wird zur Fuͤtterung nur allein das magere Fleiſch, von welchem man das fette mit Fleiß hinweg gethan, genommen, in duͤnne Faͤden zer⸗ ſchnitten, und mit Oel und Eyern vermenget. Sie wer⸗ den auch alle Morgen auf gewiſſe Weiſe gekaͤmmet oder geſtriegelt, und ihrer ſonſt in allen ſehr wohl und ve N fältig gewartet.
Im Schiffe werden ſie a nicht auf den Bor Kr den, fondern mt beſondere hee von hölz u zernen
contra autem alba krigida confertas habent carnes, et quia ſunt multi humidi, multorum funt fpirituum et propter carnium eonfertionem 1 non cito enen ideo diu durant in labore. | |
adpag :$3,
Nachrichten von Island. 43 zernen zarten Latten, geſetzet, die mit kleinen Soden oder Erdſchollen belegt, und uͤberher mit grobem Tuche bezo⸗ gen worden, damit ſie beydes weich und kuͤhle ſitzen, weil ſonſt, im Fall die Füße erhitzet werden, eine podagriſche Krankheit in denſelben entſtehet. Ueber den Raum zwi⸗ ſchen den Raͤhmen und Latten werden Stricke dichte beyees ſammen in die Qvere geſchoren, damit die Falken, wenn etwa das Schiff von der See ſtark ſchlenkert, oder ſchwan⸗ ket, uͤberall wieder feſten Fuß faſſen koͤnnen, oder wenn ſie ja uͤberſtuͤrzen, ſanft fallen und keinen Schaden neh⸗ men. Dieſe Umſtaͤnde habe ich von einem, der als Un⸗ terkaufmann einſt in einem ſolchen Schiffe, worinne Koͤ⸗ nigliche Falken geweſen, mit nach Copenhagen uͤberge⸗ gangen. Soke: 8
§. XII. Von Eulen hat man auch unterſchiedliche Eulen.
Arten, Katzeneulen, Horneulen, Steineulen u. ſ. w. Es ſind uͤber vierzig Jahre, als ich eine ganz weiße, die einen gelben Iridem in den Augen hatte, bekam, welche ich, ſo gut ich konnte, damals abzeichnete und anitzo in
- Kupffer geſtochen hierneben vorſtelle. Dieſelbe hatte auf der Höhe von Island in einem von Grönland anhero zu ruͤckkehrenden Schiffe ermuͤdet ihre Ruhe finden wollen, war aber daruͤber gefangen worden. Wenn man ſie in einem Zimmer auf dem Tiſch ſetzte und eine lebendige Taube zu ihr hinein ließ, ſprang ſie ſogleich von oben auf dieſelbe, rupfete mit dem Schnabel einige Federn weg, und fraß ihr zuerſt von hinten durch den Ruͤcken das Herz heraus, nachmals das uͤbrige Eingeweide, und zuletzt das Fleiſch; aß aber von dem letztern nichts, ehe und bevor ſie davon die Federn ziemlicher maßen hinweg geriſſen hatte. | een
$. XLII. Von den Raben ift bereits vorhin etwas Naben. beygebracht worden, woraus ihre Schaͤdlichkeit ſattſam zu erſehen. Man bemerket auf verſchiedenen kleinen an Island liegenden, abſonderlich unbewohnten Inſeln, auf | ; 0 au
\ N
Waſſervoͤ⸗ gel.
4 Nachrichten von Jean
auf einer jeden derſelben allemal nur ein Paar alter Ra⸗
ben ſich befinde, welches dieſelbe für ſich allein behaup⸗ tet, und dergeſtalt verſicht, daß es alle von anderswo
her ſich annaͤhernde abbeiffet und zuruͤckaget ...
$. XLII. Der Strand⸗ und Waſſervöͤgel iſt ſo
eine große Menge und Verſchiedenheit, daß auch von den Inwohnern ſelbſt keiner ſie alle kennet, vielweniger
ſie alle mit Namen zu nennen weiß. Man ſiehet an ab⸗
gelegenen Orten oder unbewohnten Inſelchen, Klippen
Garnaten, Gewuͤrme u. d. g. aus der milden Hand des
die ganz weiß von Vogelmiſt ſcheinen. Und ſie bedecken
gleichſam mit vielen Schwaͤrmen oder Haufen die See bis auf 12 bis 18 Meilen von der Inſel: alſo daß man an ihnen zuerſt wahrnimmt, daß man derſelben ſo nahe gekommen ſey. Der wenigſte Theil von dieſen Voͤgeln uͤberwintert auf der Inſel, ſondern die mehreſten, wie fie
im Fruͤhjahr ſich einfinden, alſo ziehen ſie gegen den Win⸗ ter wiederum ab, ohne Zweifel nach waͤrmern Gegenden.
Man ermiſſet ohnſchwer, daß dieſes Gevdgel theils we⸗ gen der uͤberfluͤßigen Nahrung, die eine iede Gattung der⸗ ſelben, an ſo unzehligen Arten von Fiſchen, Krabben oder
allgemeinen Vorſorgers, in der See nach ihrem Geſchmack
und Beduͤrfniß unaufhoͤrlich antrifft: theils wegen der
vielen unerſteiglichen Klippen, worinne fie mit vieler Sir | | ne N RR GENDE
+ Vid. Wolff. Norrigia illuſtrata, p. 225. Ich habe dies \
ſes zu erwehnen, um ſo viel weniger Anſtand nehmen wol⸗
len, als ein gleiches von D. Martin in ſeiner mehr angezoge⸗
nen Deſcription of the Weſtern Islands of Scottland von
dreyen kleinen Inſeln, p. 47, p. 60 und p. 66 berichtet wird:
daß nemlich auf ieder derſelben nur ein einiges Paar Raben
ſich enthalte, ſo alle ankommende Raubvogel mit großer Ge⸗
walt, Gefechte und Geſchrey zuruͤcke jage, auch ſeine eigene
Jungen, ſo bald ſie fertig fliegen koͤnnen, mit heftigen Beis⸗ ſen austreibe. Ja er bezeuget auch eben daſſelbe von zweyen
Paar Adlern auf zwo unterſchiedenen Inſeln pag. 26 und
Pag. 299.
|
” DAR
Nachrichten von Island. 45
cherheit vor Menſchen und Fuͤchſen niſten und bruͤten koͤnnen, dieſe ihnen ſo beqveme Inſel ſuche und beliebe. Dieſer Voͤgel liegen einige faſt beftändig auf dem Waſſer, und trachten durch Tauchen ihre Nothdurft zu erhaſchen: andere halten ſich mit ihren ausgeſpanneten Fluͤgeln ſchwe⸗ bend auf der Luft, und lauren von oben herab, ob nicht ein oder ander Fiſch näher gegen die Oberfläche der See ſich herauf begeben will; da ſie denn, ſobald dieſes geſchieht, es wegen ihres überaus ſcharfen Geſichts ſogleich wahr⸗ nehmen, wie der Blitz hernieder ſchießen, und nicht leicht des Fiſches verfehlen. Man hat von verſchiedenen der itztangeregten Waſſervoͤgel einige Beſchreibung und Ab⸗ bildung in Martens Reiſe nach Spitzb. und Groͤnl. Die⸗ jenige, die ich darnach gefraget, haben keine ſonderliche Acht darauf gehabt, und mir alſo nicht viel davon wie⸗ derſagen koͤnnen. 1 VE
Nur wurde erwehnet, daß eine große Seemeve ei⸗ See⸗Meve. nen gewiſſen wohlgeſchmackten Fiſch, Runmagen ge nannt, und faſt wie eine Karauſche geſtaltet, aus der See hole und zu Lande ſchleppe, daſelbſt gleichwohl nicht mehr als die Leber davon eſſe, und den übrigen Fiſch lie⸗ gen laſſe; daß auch das Bauervolk ſich deſſen fein zu Nutze zu machen wiſſe, und die Kinder gelehret, fo bald fie gewahr werden, daß die Meve mit einem ſolchen Fiſche zu Lande koͤmmt, zuzulaufen, ihn derſelben abzujagen und ihren Eltern zuzubringen. | | e F. XLIV. Unter den eßbaren und zum Theil wohl⸗ Eßbare geſchmackten Strandvoͤgeln find die vornehmſten die Strandro⸗ Schwäne, die Gaͤnſe, die Enten, die Taͤucher u. ſ. w. welche ſich im Fruͤhjahr ohnfehlbar einſtellen. F. XL. Unter den Gaͤnſen ift eine Art etwas größer, Gaͤnſe.
£
ER
als eine große Endte, Margees allhier genannt, die ſich fo häufig einfindet, daß man deren zu 1000 auf einer Stelle antrifft. Eine andere Sorte, Selſinger geheißen, n hu llaͤſſet
Enten.
ten Vogel euagfrupfet werden, nichts, well ‚ie fett find |
46 Nachrichten von Island.
laͤſſet ſich auf der Oſtſeite der Inſel nieder, und iſt, Ek
wenn fie ankoͤmmt, ohne Zweifel von der zuruͤckgeleg⸗
ten weiten Reiſe uͤber See, dermaßen matt, daß man derſelben alsdann 8 1000 ks einmal todt ſchlagen kann.
F. XLVI. Unter den Entenarten find viele, als die Stockenten und andere, gut und eßbar. Die meh⸗
reſten aber, als die Krieckenten u. ſ. w. wegen ihres thra⸗ nichten Geſchmackes gar ekelhaft und widerſtehend. Woran gleichwohl die Islaͤnder ſich nicht kehren, ſon⸗ dern alles, was ſie nur auf den Klippen erklettern, oder aus den Sandhuͤgeln ausgraben koͤnnen, in den Topf ſchmeißen, und auf ihre Weiſe gekocht, ohne allen Ekel,
in ihre treffliche Maͤgen, wenn ſie hungert, hinab ſchicken.
Unter allen ift die nutzbareſte die Eyderente, (Isl. Ae⸗
durfugl, Narv. Aedder, Anas plumis molliſſimis
Worm.) Sie iſt ſo groß, als eine gemeine Gans, und
wird von Worm. in Mufeo p. 302 beſchrieben. Unter ihrer Bruſt hat fie die zarten, weichen und koſtbaren
Pflaumfedern Eiderdunen, oder Edderdunen bey uns genannt. Doch find die allerbeſten die fo genannten ler bendigen Dunen, welche nicht allein die meiſte Aus⸗
daͤhnungskraft haben, ſondern auch am dauerhafteſten ſind. Man nennet alſo diejenigen, welche dieſer Vogel
zur Sitzzeit ſich ſelber ausrupfet, und ſein aus kleinen
Reißig geflochtenes Neſt zur Beqvemlichkeit und Wärme
für feine Eyer und Jungen damit ausfüttert. Weswe⸗ gen die Islaͤnder, die in der Naͤhe der Schaͤren und In⸗ ſelchen wohnen, wo dieſe Endten ſich vornehmlich enthal⸗
fleißig nachſuchen, und dieſe Dunen, oder Pflaumfedern ſorgfaͤltig heraus nehmen, auch, weil ſie voll Mooß und Stroh, auf Huͤrden trocknen und reinigen. Hingegen taugen die, fo zu anderer Zeit, und vornehmlich einem tod⸗
und
ten, den Neſtern, wann die jungen Endten ausgeflogen, EN
* *
Nachrichten von Island. 47
und bald verfaulen. Von den geſammleten Eiderdunen
aber bleibet ſehr wenig im Lande. Das meiſte wird, weil es ziemlich theuer ausgebracht werden kann, an den daͤni⸗ ſchen Kaufmann verkauft, der ſolche mit heim nimmt und mit gutem Vortheil nicht nur in Daͤnemark, ſondern
noch mehr außerhalb abſetzet, Man kann hievon nach:
leſen Luca Debes Foeroa reſerata, p. 17. Man hat mir von dem Eydervogel noch dieſe beſondere Eigenſchaft erzehlet, daß er nicht nur gemeiniglich viele und zwar
laͤnglichte, dunkelgruͤne Eyer zu legen pflege, ſondern, wenn man einen Stecken von einer halben Elle mitten
ins Neſt ſtecke, (welches einige, weil die Eyer ungemein
wohlſchmeckend find, zuweilen thun,) gar über Gewohn⸗ heit, fortlege und nicht aufhoͤre bis die Spitze des Ste⸗
ckens, damit er daruͤber ſitzen koͤnne, mit Eyern bedeckt; wodurch der Vogel aber dermaßen i ich entkraͤfte, magi: er
den Tod davon nimmt.
F. XLVII. Deen fi nd auch einige dar viele Teucher. aber nicht.
H. XL VIII. Die Summte (Siomen, Colymbi — Lune iſt ein ſchoͤner Vogel, Gänfegröße, mit einem ſchwarzen ſchmalen Schnabel und kleinen Fluͤgeln, weswegen, und weil er immer fetter, dicker und ſchwerer wird, er nur eben ſo kuͤmmerlich fliegen, als wegen ſeiner gar weit hinter⸗
wertsſtehenden Füſſe gehen kann. Die Islaͤnder geben
vor, daß niemand ie ſein Neſt gefunden habe, und daß er
feine Eyer unter feinen Fluͤgeln ausbruͤte. Allein, das koͤmmt daher, weil er nicht an der See, ſondern um Si⸗
cherheit und Beqvemlichkeit willen an abgelegenen Or⸗ ten, und zwar nur auf, oder ganz nahe am ſuͤſſen Waſſer ſein Neſt leget, damit er nemlich auf den Eyern ſitzend
trinken, auch ſonſt, wann noͤthig, deſto beqvemer und ge⸗ | ſchwinder heraus und hinein kommen koͤnne: Geſtalt ei⸗ ner, der ſolches ein ren gelegenheitlich mit eigenen Augen
!
Geyervo⸗ gel. |
Von den
N. må
as Nachrichten von Island.
. zu erblicken das Gluͤck gehabt, mich verſichert at > 1 Va ER 5 re 135 FS. XLIX. Der Geyervogel (Geirfuͤgl) * Mergan-
fer Aldrov. wird gar felten geſehen, und zwar allein an den unten her an der Weſtſeite liegenden und von ihm den Namen Geirfuͤgl⸗Skeer führenden Klippen. Die Islaͤnder, wie ſie aberglaͤubiſch ſind, halten feſtiglich da⸗ fuͤr, daß, wenn dieſer Vogel ſich ſehen laͤſſet, es ieder⸗
zeit eine recht ſonderliche und große Begebenheit vorbe⸗
deute. Und man hat mich verſichert, daß das Jahr
vor des Koͤnigs Friderici IV. Ableben, da man vorher
in vielen Jahren keinen verſpuͤret, ganz verſchiedene der⸗
ſelben wahrgenommen worden. | ja $. L. Es ift eine anmerkenswuͤrdige Sache, mit wel:
PS cher Vorſichtigkeit die Waſſervoͤgel ihre Neſter in die gel. ſteileſten Felſen, und an die vortheilhafteſten Stellen auf
Topographia Norwegiae, p. 117 ſed.
vielerley Art zu legen und dergeſtalt zu verſtecken wiſſen,
daß man dieſelbe entweder gar nicht auffinden, oder doch
nicht ohne die groͤßeſte Mühe und Beſchwerlichkeit mit Leib⸗ und Lebensgefahr erklettern kann *. Wobey ferner die Geſchicklichkeit dieſer Voͤgel noch mehr zu bewundern,
mit welcher dieſelbe, ohnerachtet fie gemeiniglich ihrer Nah⸗ rung gar weit nachfliegen müffen, nicht nur den Ort ih⸗
| Ba © "+ Ron biefem Vogel haben Worm.Muf. p.304 und Wil-
lugb. Ornitholog. p. 259 etwas. Dieſem Vogel ift an Größe
und Geſchrey auch ſonſt an ſeiner Art gar aͤhnlich ein anderer
von den Islaͤndern Zuubryre, von den Faͤrroͤern Imbrim ges nennet. Mergus maximus Ferrenfis Wormii in Muſ. p. 303.
In den Orcadiſchen Inſeln Embergoo/e, Sibbald. Scot. illuftr. prodr. p. II. Iib. 3. c. 6. von welchem artige Nachrichten ſich
finden in Luca Iacobſoen Debes Ferroa, p. 128. 4
Vid. Worm. p. 300. Willugb. p. 53. *r Wovon exempelsweiſe gar artig zu leſen ift, was von den Normaͤnnern dießfalls anführet B. Steinkuhl in feiner
el 8 . 1 8
Å
Br
Nachrichten von Island. 4
res Neſtes wieder finden, ſondern ein ieder das ſeine un⸗
ter ſo vielen hunderten, ja zuweilen tauſenden, die einan? der in aller Menſchen Augen ganz gleich ſehen, ohne J Ser RN thum auskennen kann *, |
\
Ä 6. LI. Die Eyer ſind ( gemeiniglich auch der Von ben wilden Süßwaffervögel ihre) von Farbe gruͤngelbe mit Cern. ſchwarzen oder braunen Flecken, welches zu einigem Nach⸗ finnen Gelegenheit giebet, und dabey von dickern Scha. len als der Landvoͤgel Eyer; ohne Zweifel wegen der Rauhigkeit des Climats und Naͤhe der See, damit naͤm⸗ lich, wenn die ſitzende Weiblein ſich wegen Entlegenheit ihrer Nahrung, wie oft ſeyn kann, etwas verweilen muͤſ⸗ ſen, ehe ihnen wieder zu Neſt zu kommen moͤglich iſt, in⸗ zwiſchen die innerliche Waͤrme nicht ſo leicht heraus, noch die äußere kalte Luft hineindringe, mithin das Kuͤchlein nicht umkomme **, Es find auch die allermeiſten dieſer Eyer von gutem Geſchmack und ſo wohl zu gebrauchen, N daß dadurch der Abgang der Eyer vom zahmen Feder⸗ viehe vollenkommen und uberfluͤßig erſetzet wird. Wel⸗ ches den Daͤnen, die der Eyer zu allerley Gebrauch noch mehr als die Islaͤnder gewohnet ſind, bey ihrem BUN N halt dahier beſonders zu Rae feu
gi Il.
00 Wovon ganz ungemeine und e Aumer⸗ | fungen aufgezeichnet hat Zorgdraget Grönl, Vifcher. P. II. e, 14. P. 153 ſedg.
Der Graf Marſi merket noch von den Eyern der Was | ſervoͤgel an, daß in denſelben vielmehr weißes als in der Land⸗ voͤgel ihren ſey: weil die junge Brut wegen der Feuchtigkeit und Kaͤlte, ſo aus dem gar zu nahen Waſſer auf ſie faͤllt, laͤngere Zeit als jener zu ihrer Zeitigung vonnoͤthen hat, und folglich des weißen, aus welchem dieſelbe, ſo lange ſie im Ey "ift, bekanntlich allein ihre Nahrung ziehet, deſto mehr en chet. 1 Pannon. et Be; RN . uf. RER
4 D >>]
.
Kon der großen Menge
„% achten ven Jaun
n ÅR Nunmehr ſchreite ich zu dem Haupt und vor⸗ nehmſten Theil dieſer Nachrichten, nemlich dem reichen
Seefſche. und ganz beſondern Segen, deſſen dieſe Inſel von der
Guͤte Gottes an der unerſchoͤpfflichen Menge ſo vieler
und mancherlen großer und kleiner, niedlicher und nutz⸗ barer Seefiſche zu genießen hat: zumalen dieſelbe dahier
loch in ihrer vollkommlichſten Güte und ungeſchwaͤchten
Kraft ſich befinden. Denn es find, zwo aus der Erfah: rung bekannte unſtreitige Wahrheiten, daß ie weiter nach
Norden hin der Fiſch gefangen werde, ie beſſer, fetter
und dauerhafter derſelbe ſey; und dann, daß der Fiſth mitten im Winter, oder in der groͤßeſten Kälte, in ſei⸗
nem beſten und vollkommenſten Stande ſey, Weshal⸗
ben auch die Berger und Drontheimer den Fiſch nicht vor der Thuͤre ſelbſt fiſchen, ſondern von den außerſten Normaͤnnern, oder Norwegern, die ihn ſo hoch in Nor⸗ den, als ſie mit ihren Fahrzeugen nur kommen koͤnnen, zu fangen, bemuͤhet leben, denſelben jährlich erhandeln: Dieſe Mokmanner aber ſo gleich nach Weynachten in die See ſtechen und den Fiſchfang beginnen *; gleichwie unſere Islaͤnder bereits um Lichtmeſſen damit allemal den
Anfang machen. Die unermeßliche Tiefen unter dem
Nordpole find die rechte Geburtsplaͤtze der Seefiſche, wo fe zugleich ihre gedeylichſte Koſt und beften Wachsthum aben; dahingegen fie, ie weiter fie ſich davon entfernen, bey ihrem Auszuge mehr und mehr auf untiefere Waſſer kommen, auf den Gründen und Baͤnken fo viel Nahrung nicht mehr finden, auch durch die ſtetigen und weiten Rei⸗ ſen abgemattet, entkraͤftet und mager werden. Allein, hierbey entdecken ſich viele fonderbare Merkmale der wei⸗ ſen und gültigen EUER des großen Schoͤpfers & i 17
Hs BOV ie Peder Clap N Beſ 1 ged. Kopenh. 1632, welche C. S. K. H. D. d. i. Chriſtian Stein« kuhl, Hafn. D. fub titulo: Topographia e ins
Deuiſche uͤberſetzet, p. 113.
Nachrichten von Island. 5¹ Erhalters aller Dinge. Denn wie in jenen unergruͤnd⸗ lichen und dazu meiſtens mit ungeheuern nimmer ſchmel⸗ zenden Eisfeldern verſchloſſenen Tiefen die Menſchen fie wohl würden muͤſſen ungeſtoͤrt und ungefangen laſſen: alſo muß ihre übermäßige Vermehrung ſie ſelbſt noͤthi⸗ gen, heraus, und den Menſchen auf untiefern fiſchbaren Gründen entgegen zu kommen, zugleich aber auch, weil da⸗ ſelbſt fo uͤberfluͤßige Nahrung nicht vorhanden ift, der Hun⸗ ger ſie zwingen, auf den Angel zu beiſſen, mithin den an der Mordſee wohnenden Voͤlkern nicht allein reichlich ihren Unterhalt, ſondern da es ſelbigen an andern von Frem⸗ den begehrten Kaufmanns waaren groͤßtentheils gebricht, auch Vorraths genug zu dem benoͤthigten und zugleich eintraͤglichſten Handel mit dem übrigen Europa datzuz bieten. i | h a Dien Bewohnern der Inſel Island, welche den aus Norden herabſchießenden Schwaͤrmen im Wege lieget, kommen die Fiſche in erwuͤnſcheter Guͤte von allen Sei⸗ ten zu, und drengen ſich in ihre Fioͤrden oder Inwiege (Sinus) mit allen Winden. Ich will aus denſelben nur der vornehmſten, nutzbareſten und zu kennen nothwen⸗ digſten Arten erwehnen. Der uͤbrigen Namen, Eigen⸗ ſchaft und Nutzung aber andern, die dazu mehrere Gele⸗ genheit, Muße und Wiſsenſchaft haben, zu erkundigen, und der gelehrten Welt in umſtaͤndlichen Beſchreibungen bekannt zu machen uͤberlaſſen. „ F. LIII. Ich mache von den kleinen Gattungen den Deren von Anfang, als da find der Heering, der Kablau, die nr Laͤnge, der Wittling, der Dorſch, der Schelfiſch, der Seebutt, der Sillbutt, die Schullen. A . LIV. Der Heering, (wie ich billig ſchreibe, weil Heering. nicht nur die Ausſprache ſolches erheiſchet, ſondern auch ſeine Eigenſchaft, da er nimmer einzeln, ſondern iederzeit Heerweiſe durch alle Meeren ziehet und woher ihm ohne SN | dr Z bweifel
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1 Nachrichten von Island. .
Zweifel der Deutſche Name gegeben worden, foldhes al⸗ lerdings erfordert) oder der gekroͤnte Fiſch, wie ihn
unſere Leute heißen, fuͤhret wegen ſeines unausſprechli⸗
chen über den groͤßeſten Theil der bewohnten Welt auß eine oder andere Art fh erſtreckenden Nutzens mit allem
Rechte den Trupp. Es ift derſelbe aller Orten fo be⸗ kannt, daß man ihn nicht beſchreiben %, ſondern nur nen⸗ 5 nen darf; ſo erkennet ein iedweder ſchon, was fuͤr ein Fiſch gemeinet ſey. Wie viel aber Gattungen dieſes Fi⸗ ſches ſeyn, iſt bey weiten ſo bekannt nicht, weil dieſelbe bis anher noch nicht genugſam unterſuchet, vielweniger . in deutliche Richtigkeit gebracht worden. So viel Is⸗
land betrifft, weis ich zwar, daß alle deſſen Fioͤrden mit dem beſten und fetteſten Heering dergeſtalt angefüllee find, daß, wenn der Inwohner geringe Anzahl und Uns vermögen nicht im Wege ſtuͤnde, diefelbe gar bald und beqvemlich den vortheilhaftigſten Handel damit wuͤrden behaupten koͤnnen. Allein die unterſchiedene Sorten derſelben habe ich, weil niemand darauf ſchlaͤget, ohn⸗ moͤglich ausfuͤndig machen koͤnnen. Nur wußte man zu ſagen, daß daſelbſt zuweilen eine Art mit vorkomme, die drey Viertel einer Elle lang und guter drey qveer Finger breit ſey. Vielleicht iſt dieſes diejenige Gattung, die von den Fiſchern ſonſt Heeringkoͤnige genennet, und fuͤr der großen Schwaͤrme Heerführer und Leiter gehalten wer⸗
den“. Re | Was
»Wer indeſſen eine MN verlanget, kann fi . beym Schoenevelde Ichthylogiae, p. 37. ‚Willougb. ‚Ichthyo p. 219 und bey andern finden.
Von dieſen bringet Martin in der öfters angezoge⸗ nen Beſchreibung, of the Weſtern Islands of Scottland, p. 143 folgende Nachricht bey: Fiſcher und andere, ſpricht er, haben mir erzehlet, daß es einen Heering, der bey nahe noch einmal ſo groß, als die uͤbrigen ſind, gebe, welcher alle die, ſo in einen Meerbuſen ſich enthalten, fuͤhret, und wohin er
ſich wendet, von dem ganzen Schwarm e eee it wird.
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Nachrichten von Island. 3
Was ſonſt für Gattungen ſonderlich bekannt ſind, Deffen un und womit mehr oder weniger Handlung getrieben wird, cheat Died
ſolches erhellet aus unten angeführten tungen. | Von den Fiſchern wird insgemein ginge en daß San
die Heeringe von der bloßen Schleimigkeit des Waſſers ſey, leben. Daſſelbe aber wird dadurch klaͤrlich widerleget, daß die Heeringe nicht nur Zaͤhne im Maul haben, wel⸗ che ihnen zum Waſſerſchlucken gar unnoͤthig, wohl aber eine gewiſſe Anzeige ſind, daß ſie ihnen zu Feſthaltung der Fiſche u. d. g. ſo ſie zu ihrer Nahrung faſſen und hin⸗ abſchlingen muͤſſen, dienen ſollen: fondern daß zuweilen auch andre Dinge von Nachſuchenden in ihren Maͤgen wahrgenommen worden. Alſo hat Neukranz (in ſeinem Opuſculo de Harengo p. 28.) in eines Magen zuweilen
uͤber 60 kleine theils halbverdaucte Krabben oder Garna⸗
ten ſelbſt gezehlet, und Leeuwenh. laut feiner 97 Miſſiyve zu der Zeit, wenn die Fiſche ſetzen, viele b in der Heeringe Gedaͤrmen abu | nen 8 wird. Diesen Fuͤhrer hießen die Fiſcher den Koͤnig der Hee⸗ ringe, und wenn ſie ihn von ohngefehr lebendig in die Haͤn⸗ de bekaͤmen, wuͤrfen ſie ihn ſorgfaͤltig wieder in die See; maßen fie es für ein kleines crimen laefae maieftatis (petti
treaſon) hielten, einen Fiſch eines ſolchen Namens zu ver⸗ derben. |
+. Hieher gehören die Sitdinen der Nordſee (Chalcides, - Bellonio de Aquatil. p. 170.) welche von den Engelländern Pilchards (Ray Synopfis Piſcium, p. 104.) und von den Fran⸗ zoſen Celerins genennet werden; denen gar nahe kommen die Sardines, oder (wie man in Venedig ſaget,) Sardelle der mit⸗ tellaͤndiſchen See: wie imgleichen die Engliſche Sprott oder Spratt, welche eigentlich die junge Brut von Heeringen oder Sardinen (Ray c. I. p. 105.) und geraͤuchert ein gar angeneh⸗ mes Eſſen ſind: nicht weniger die Stroͤmlinge des Sinus Bothnici, davon unten in not. Von den fo genannten Stuͤmheering. Staffbeering und pir i zers f. Schoney. d. I. p.39 1 95
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Wo fig ei⸗ gentlich herkom̃en?
Nachricht vom Hee⸗
ringsfange.
34 Nachrichten von Island.
Es iſt keine unnuͤtze Grille, nachzuſinnen woher doch die unbegreiflich großen Heerſcharen und Schwaͤrme von
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Ich achte es nicht ungereimt zu ſeyn, bey dieſer Geles genheit zugleich eine eigentliche Nachricht von dem hollaͤndi⸗ ſchen Heeringsfang mit wenigen zu geben. Die bey Hitland verſammlete Buizen laufen aus gegen Nord⸗Nordweſten, und werfen bey Fayrhill das erſte Netz in der Nacht nach Johan⸗ nistag, den 25 Jun. nach 12 Uhr aus. Die Fiſcherey geſchie⸗ het nicht anders, als zu Nachtzeiten, damit man eines Sheils den ankommenden Heeringſchwarm an ſeinem Blick (welcher durch deſſen Augen, und die um denſelben zu nechſt herumſi⸗ gende ſtark glänzende Schuppen vornehmlich verurſachet
wird) deſto beſſer wahrnehmen, und ihm alſo die Netze recht
gder vorziehen koͤnne; andern Theils auch der an durch dag Sauer, d. i. das Laternenlicht auf den Schiffen, (dergleichen Vortheils man ſich auch auf den dalmatiſchen Kuͤſten zum Sardinenfang nuͤtzlich bedienet, Spon voyage d’Italie, p. m. 84.) noch um ſo mehr, weil der Fiſch demſelben zueilet, her⸗ beygelocket werde, die Netze aber um fo weniger ſehen mis ge. Dieſe Netze, welche ſehr lang ſind, muͤſſen auf eine von der Obrigkeit feſt geſtellete Maaße, mit engen Maſchen SÅR i mit
Nachrichten von Island. 35
aber bemuͤhet, denſelben noch viel weiter nachzuſpuͤren. Habe fie auch nicht allein um Island, ſondern noch hoͤ⸗ 8 her
mit nemlich der Fiſch mit ſeinen Ohren darinn ſo gleich haͤn⸗ gen bleibe) und wenigſtens aus gutem Hanfe verfertiget wer⸗ den. Itziger Zeit werden ſie großen Theils aus grober per⸗ ſianiſcher Seide (weil dergleichen Netze drey Jahr aushalten koͤnnen) geſtricket: fie werden auch alle, fo bald fie fertig, das mit man ſie um deſto unkenntbarer mache, mit dem Rauche von Eichenholzſpaͤnen, als ich zu Amſterdam einſt angemer⸗ fer, braͤunlich gefaͤrbet. Vor dem 25 Juni, weil der Fiſch vore her noch in ſeiner rechten Guͤte nicht iſt, noch ohne ſich anzu⸗ ſtecken, weit verfahren werden kann, darf kein Netz ausge⸗ worfen werden. Zu dem Ende Schiffer, Steuermann und Matroſen nach Verordnung der befondern Placaten vor der Abfahrt aus Holland ſich dazu verbindlich machen, auch bey ihrer Ruͤckkunft, daß ſolches von ihnen, auch ihres Wiſſens von andern, nicht geſchehen, vermittelſt leiblichen Eides er⸗ haͤrten muͤſſen. Wovon ſo dann einem ieden Schiffe, das anderswohin mit dem erſten Heering geſchickt wird, damit niemand betrogen werde, noch dieſe eintraͤgliche Handlung in Miscredit gerathe, ein beſondres an Ort und Stelle vorzuzei⸗ gendes Certificat mitgegeben wird. Und dieſer Punct iſt ſo wichtig, daß er in der zwiſchen der großen Fiſcherey in Hol⸗ land und der Stadt Hamburg 1609 errichteten Convention nicht nur von jener Seiten, ſondern auch von der Stadt, ſo viel ihre auszuſchickende Buizen betrift, ausdruͤcklich bedun⸗
gen worden. e eee | Von S. Jacobi bis Creuzerhebung wird unter Schotte
land bey Bockeneß und Sereniat; von Creuzerhebung bis S. Catharina bey Jarmupden gefiſchet; und in den Placa⸗ ten hat man Erlaubniß, gar bis vlt. Decemb. damit, wenn man will, fortzufahren.
In den erſten drey Wochen, naͤmlich von dem 25 Jun. bis 15 Jul. wird aller Heering, den man faͤnget, unſortiret durch einander in die Tonne gethan, und durch die den Buizen nachgeſchickte geſchwinde Schiffe, Jagers genannt, aus den⸗ felben übernommen, und fo geſchwinde, als nur möglich, nach Holland gebracht, auch deshalben Jager⸗Haaring geheis⸗ ſen. Nach dieſer Zeit wird der Fiſch, fo bald er aufs Schiff gekommen und ausgekiefet, in drey Sorten, die man Maajſe⸗ kens⸗Voll⸗ und Schooten⸗Gaaring betitelt, fleißig unter»
| Ä D 4 ſchieden,
56 Nachrichten von Island. ber und unter dem Nordpol aufgefunden. Wobey ich 1777 for SET ni
ſchieden, und iede derſelben beſonders geſalzen, und in eine beſondere Tonne gepacket. Der Maaſekens oder Maatjes⸗ Baaring, (d. i. der Maͤgdchen⸗ oder Jungfern⸗Heering) HE ders jenige, worinn noch die Milch ſo wenig, als der Roͤgen er⸗ kenntlich; der ſchoͤn fett, aber nicht dauerhaft iſt. Voll Baaring oder Boll» Heering heißer der, fo voll Milch oder Nøgen, und in ſeinem rechten vollkommenen Stande ift. Schooten ⸗Haaring (geſchoſſener Heering) PNlen⸗Haaring (contra&te pro Ydelen h. e. leerer) imgleichen Zol⸗gaaring (hohler Heering,) ift derjenige, fo geleichet, oder Roͤgen und Milch geſchoſſen, oder denſelben doch wenigſtens ſo los hat, daß er eben ſchießen will (welcher Zuſtand mit einem beſon⸗ dern Worte Ruyt⸗Jieck und Welk⸗Sieck genennet wird) und ſchon wiederum ſchlechter iſt, auch ſo gut nicht dauret, als der Voll⸗Heering. Mit den beyden letzten Sorten kommen die Buyzen ſelbſt, fo bald eine iegliche ihre Ladung hat, oder nicht mehr zu fangen iſt, nach und nach zu Hauſe; woſelbſt alle drey Sorten, ehe man fie wieder weiter ſendet, geoͤffnet, von neuen geſalzen und dergeſtalt aufgehoͤhet werden, daß man aus 14 Seetonnen 12 neue Tonnen, die eine Laſt heißen, ma⸗ chet. Von dem hollaͤndiſchen Heeringfange hat etwas Hap⸗ pel. Relation. Curioſ. Tom. II. p. 53 feq. und Marperger Kaufman. Magaz. p. 597. Der vornehmſte und beſte Hee⸗ ring, der itziger Zeit in Hamburg gebrauchet, und von da ins Reich verſandt wird, ift der Hollaͤudiſche, der von dannen ver» ſchrieben, iedoch in Hamburg, ehe er weiter gehet, durch eige⸗ ne dazu beſtellete und vereydete Wardirer, Wracker und Pa⸗ cker wiederum geoͤfnet, von neuen auf hollaͤndiſche Art ein⸗ geſalzen, umgepacket, gewracket und nach feiner Beſchaffen⸗ heit und Guͤte auf Eid und Pflicht mit gewiſſen von der Obrigkeit dazu geordneten Cirkelſtrichen und Zeichen gemerket wird, davon auch einige Nachricht bey itzt angezogenen Scri⸗ benten zu finden. Es ruͤhret aber die beſondere Guͤte und Schmackhaftigkeit des hollaͤndiſchen Heerings, womit er alle, von allen uͤbrigen Nationen gefangene und zubereitete Heerin⸗ ge uͤbertrifft, eigentlich daher, daß die Hollaͤnder den Fiſch ſo⸗ for“ lebendig vor dem Meſſer, wie er nach gerade gefangen wird, auskiefen, (d. i. die Kiefen, Branchias, ausſchneiden,) ſorgfaͤltig zubereiten, und den fie in der Nacht gefangen, MAL i
Nachrichten von Island, 57 gekommene zuverlaͤßige Nachrichten „als auf folgenden Grundſatz: Wo diejenige große und kleinere Fiſchſorten, deren gemeineſte und liebſte Koſt der Heering iſt, ſich in beſonderer Menge und Fettigkeit finden, dafelbft muͤſſen nothwendig Heeringe und zwar in groͤßeſtem Ueberfluß ſich aufhalten. Nun find von der groͤßern Gattung die WMeerhunde oder Hayfiſche, das Meerſchwein und von den Wallfiſcharten außer dem Finnfiſche (welcher deswegen bey den Normaͤnnern Sildhual oder Sild⸗ val, d. i. Heeringwallfiſch, heißer, der ſogenannte Nordcaper mir vornehmlich bekannt, als in deren Mäs gen allemal eine große . Heringe wahr⸗ å genommen werden,
X will nur insonderheit des e gehalten, und Mordcaper. | von demſelben zugleich einen merkbaren Umſtand beybrin⸗ gen. Er enthalt ſich vornehmlich auf der aͤußerſten noͤrd? lichen Ecke von Norwegen, Nordcap genannt, daher ihm auch die Groͤnlandsfahrer ſeine Benennung beygele⸗
get haben, ohne Zweifel wegen des gewaltigen Heerings⸗ ſtrichs, der daſelbſt vorbey und an Norwegen herunter: ſtuͤrzet. Nichts deſtoweniger hauſet er auch, daß ich ſo rede, um Island herum in gar großer Menge. Und daß auch dieſes aus keiner andern Urſache, als um des dahier fo ſehr häufig anzutreffenden Heerings willen ge⸗ ſchieht, liege: daraus zu hellem Tage, daß derfelbe, wie
ich mit Sicherheit berichtet worden, wenn ihn hungert, nicht allein die in den Fioͤrden oder Meerbuſen zerſtreuet ſchwimmende Heeringe zuſammen treibet, und vor ſich her gegen den Strand jaget, ſondern auch, nachdem er deren, ſo viel, als orig, oder möglich, e ge⸗
| er vor wieder eintretender Nacht in Tonnen von Eichenholz mit zwiſchengeſtreueten groben Spaniſchen, oder Portu gieſiſchen Boyſalze ordentlich legen oder packen; da die uͤbrigen Natio⸗
10 in 3 oder jenem Stucke, ſich fene erfinden - å en. * 3
s Nachrichten von Island. bracht, vermittelſt einer kleinen Wendung feines großen
Leibes einen merklichen Wirbel im Waſſer veranlaſſet,
und dadurch die ungluͤckſeligen Thierlein ſolchergeſtalt zu⸗
ſammen und zu ſich bringet, daß er ſie alsdenn durch eine
ſtarke Einathemung, in feinen eröffneten Rachen, Tonnen⸗ weiſe mit einem ziemlich gewaltſamen, ſelbſt die kleinen Fiſcherboͤthe, wo fie in den Strudel verfallen, mit fort:
reißenden Zuge hineinholet oder ſauget, und in ſeinen wei⸗ ten Magen hinabſchlinget . Daß aber dieſe ſowohl als Dieſe Wallfiſchart, oder eine andere, die ſich nicht
minder vom Heering naͤhret, haben die Islaͤnder vordem Syldrecke (Gudm. Andr. Lexic, Island.) d. i. Heeringmeiſter
geheißen, und (beym Verel. Lex. Sc. Scand.) ift Sildraeki ba⸗
lenae ſpecies, quae haleces ex profundo in ſinus et breuia
compellit, wie denn auch D. Martin in feiner Defcription
of the Weſt - Islands of Scottl. p. 5 anfuͤhret, daß ſich bey dieſen Inſeln in den Heeringbayen eine Menge von
Wallfiſchen unterſchiedlicher Art finde. Welches, mei⸗ nem Bedünfen nach, wegen Untiefe der Gründe, keine ande⸗ re als Nordcaper, Butzkoͤpfe und Meerſchweine ſeyn koͤnnen. In den Philofoph. Transact. N. 397, Art, 2. wo unter andern
von den Wallfiſchſorten bey Neuengelland Nachricht gegeben
wird, heißer einer Fin. Bach. Ihale von feiner hinten am Ruͤ⸗ cken führenden 2% bis 4 Fuß hohen Sinne, oder ſehnichten und fleiſchichten Floßfeder: von welcher ihn auch unſere und die Hollaͤndiſchen Groͤnlandsfahrer ebenfalls Finn fiſch benen⸗
net haben. Vid. Martens Spitzbergreiſe, cap. u. Und von dieſen wird in den angezogenen Transactions angemerket,
daß er die Mackrelen, Heeringe u. d. gl. kleine Fiſche durch
eben dieſelbe natürliche Lift, deren ſich der Nordcaper bedie⸗
net, bey etlichen hunderten auf einmal einſchlinge. So be⸗
richtet auch Kaempfer Hiftory of Japon B. I. Ich. 1, daß da⸗
ſelbſt eine Art Wallfiſche, die die Japoneſer lwaſicurn, d. i. wie er es ausleget, Sardineneſſer heißen, ſich in Menge auf⸗
halte. 7 5 VUueebrigens habe ich hiebey eine kleine Erwegung, die ich gehabt, nicht weglaſſen wollen. Es kann einem, der itzt Ange⸗
fuͤhrtes lieſet, gar leicht einfallen: wie iſts doch moͤglich, daß die Heeringe und dergleichen Fiſche von ihren ungeheuern und unerſaͤttlichen Verfolgern nicht gar ausgetilget, und aus dk | ! | ” ee
Nachrichten von Jeland. 59
auch die uͤbrige benannte Heeringſchlucker ſich ſogar ben Spitzbergen, und ſo hoch nur unſere Groͤnlandsfahrer ie gekommen, noch immer antreffen laſſen, ſolches bezeu⸗ gen dieſelbe einhellig, doch iſt der einzige fleißige Martens in ſeiner wohlbeglaubten Reiſebeſchreibung es zu erweiſen ſchon genug. Alſo muͤſſen denn beym Nordpol Heeringe in großer Menge ſeyn. Welches ich mir zu erweiſen vor⸗ genommen. Unter den kleinern Heeringfreſſern verſtehe ich den Kabbelau und fein Geſchlecht, die Lengen, Schelfiſche u. ſ. w. Inmaßen mir bekannt, daß nicht allein unſere Hilgelander Fiſcher aus der Erfahrung er⸗ lernet, daß das gewiſſeſte Aas für diefe Fiſche, woran fie am begierigften beißen, der Heering ſey: ſondern es er⸗ zehlen auch unſre Groͤnlandsfahrer, daß, wenn ſie der⸗ gleichen Fiſche zu ihrer Erfriſchung bey Spitzbergen, und der Gegend, fangen wollen, fie in Ermangelung VE 8 59 1 | 7%
See aufgeraͤumet werden? Allein, da findet ſichs im Nach⸗ finnen gar bald, daß der weiſe Erhalter der Creatur es alſo gefuͤget, daß die kleinen Fiſchſorten in unbegreiflicher Menge
ſich vermehren; dagegen jene Meerbeſtien nur jährlich ein
einziges, hoͤchſtens zwey Jungen ſetzen: Auch die groͤßern
Gattungen ihres Geſchlechtes, welche ſolche Fiſchfreſſer mehr als um die Helfte an Groͤße uͤbertreffen, ſich auf eine andere Weiſe naͤhren muͤſſen. Alſo iſt der groͤßeſten Art dem eigent⸗ lichen ſpitzbergiſchen Wallfiſche ſo wohl durch die vielen zot⸗ tichten Blätter, oder fo genannte Baarten, womit fein Rachen angefuͤllet, als durch ſeine enge Kehle das Fiſchſchlingen ver⸗ wehret, und muß er ſich vornehmlich mit kleinen Krabben, oder Garnaten, und einem fettigten Waſſer⸗Inſeck behelfen. Dabey er indeſſen gleichwohl nicht zu kurz kommt, ſondern vortrefflich gedeyhet. Der Tang-hual muß von Tang (Angl. Tangle) einem Meerkraute, Fuco marino; andere von ande⸗ rer Nahrung leben. Eben wie auf dem Lande die fleifchfref ſende Thiere ſich auch nicht ſo ſtark, als die andern vermeh⸗ ren, und die ungeheuerſten unter denſelben, ich meyne die Elephanten und Rhinoceros, die ſonſt vielleicht die Waͤlder laͤngſt ledig gemacht haben wuͤrden, mit ſchlechten Kraͤutern und den zarten Zweiglein der Baͤume vorlieb nehmen muͤſſen.
66 Nachrichten von Island. friſchen und natürlichen, nuv einen aus weißen Bleche in gebildeten Heering, dazu nuͤtzlich zu gebrauchen pflegen. Wobey ich, als zu meinem Zweck ſehr dienlich, unangefuͤh⸗ ret nicht laſſen kann, was Denys in feiner Deſeription ? de LAmerique ”Septentrionale (worin er hauptſaͤchlich weitlaͤuftig und mit allen kleinen Umſtaͤnden den Fang und Zurichtung der Molus, die eine Cablauart iſt, be⸗ ſchreibet) Tom. I. p. 162. & 218 erwehnet, nehmlich daß der Fang ſehr reich fer, wo viele Makreelen und Heerin⸗ ge, als womit ſie am beſten geaaſet wuͤrden, befindlich, und Tom. II. p. 191. daß, wenn man durch gar zu ſtar⸗ kes Fiſchen die Molué verjage, man auch den Heering ꝛc. mit wegtreibe, und p. 195. daß, wenn ſich der Heeking und d. g. von einem Striche weg nach einem andern ziehe, die Moluè nicht weniger demſelben ſogleich nachfolge. Aus welchen abermal ohnſtreitig erhellet, daß, da dieſe Cabbelau u. ſ. w. in Groͤnland nicht nur. häufig find, ſondern ſich ſogar durch den Schein eines Heerings fan⸗ gen laſſen, es daſelbſt und noch höher hinauf, voller Hee⸗ ringe ſtecken muͤſſe. Geſtalten dieſes erläutert; ja völlig beſtaͤrket wird, durch eine gleichmaͤßige Anmerkung, die Zorgdraager c. I. P. II. c. 7 aus eigener Erfahrung ge⸗ machet, und dabey er zugleich bezeuget, daß er ſelber eine Menge von Heeringsgraͤthen bey den Waſſervögelneſtern an den „ N liegen . .
Nach⸗
So fehlet es auch in sed Eysmeere über Aſia an Hee⸗ ringen nicht: wie ſolches nicht nur aus den unterſchiedlichen daſelbſt befindlichen Wallfiſchgattungen, und beſonders der⸗ jenigen, die vorhin aus Kaͤmpfers Japon angefuͤhret worden, zu ſchließen iſt, ſondern auch von dem Rußiſchen Geſandten, Ysbrand, in ſelner Reiſe nach China, p. 131 erweislich gema ⸗ het wird, wenn er allda ſchreibet; daß uͤber Kamfcharka in dem Fluſſe Salazia viel ſchoͤner Heering u. d. gl. gefangen wer⸗ de. An dem Vorgebirge der guten Hoffnung, oder um das unterſte Ende von Africa laſſen ſich ebenermaßen die Nord⸗ caper und Meerſchweine oͤfters feben, 1 wie e in al |
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Nachrichten von Island. 61
Nachdem ich aber, als jetzo erweislich gemacht, die Weiterer Heeringe fo hoch nordwerts wirklich entdecket, bin ich im gde Nachſinnen weiter auf die Gedanken gerathen, daß eben Heering in dem allertiefften Norden der Heringe und anderer mit engſernte⸗ ihnen in Geſellſchaft wandernden kleinern Fiſcharten, als ſten Nor⸗ der Mackreelen, Butte u. ſ. w. rechte und eigentliche den komme. Heymath und zwar um deswillen ſey, weil ſie daſelbſt unter den nimmerſchmelzenden, vielmehr jaͤhrlich an Dicke und Groͤße zunehmenden, auch weit und breit ſich erſtre⸗ ckenden Eisfeldern der meiſten Ruhe zum Leichen und des ſicherſten Behaͤltniſſes zum Wachsthum ihrer Brut ge⸗ nießen. Denn da iſt offenbar, daß recht weit unter ſol⸗ che Eisfelder und in die groͤßeſte Tiefen die Hayen, Cab⸗ laue u. d. g. wegen beſchwerlicher Athemſchoͤpffung den⸗ ſelben nicht beqvemlich; die beregte ihnen ſchaͤdlichſte Wallfiſchſorten aber aus Mangel der fuͤr ihre thieriſche Lungen ſtets benoͤthigten reinen und friſchen Himmelluft gar nicht; am allerwenigſten aber die menſchliche Fiſcher mit ihren Nachſtellungen beykommen und deren ſtolze Ruhe ſtoͤhren mögen. Indem aber ferner ganz natuͤr? lich, und daher ohnſchwer zu begreifen iſt, daß, da dieſer Fiſch bekanntlich fo erſtaunenswuͤrdig ſich vermehret, de. ſen Anzahl allda, wo ſie von Menſchen gar nicht, und von Raubſiſchen ſo wenig geſchwaͤchet wird, bald der⸗
maßen uͤberhand nehmen muͤſſe, daß fie daſelbſt ihren voͤl?
ligen Fraß nicht haben, ſondern genoͤthiget werden, ſo
ofte als die Erfahrung zeiget, daß es geſchieht, zahlreiche
Colonien, oder Heerzüge, gleichſam von ſich zu ſchicken,
die ſich in die offene See begeben und ihre Nahrung wei⸗
ter ſuchen muͤſſen: von denen nach einem großen, bald
naͤher anzuzeigenden Umwege, vielleicht ein Reſt, oder 1 e Baal
weitlaͤuftigen Beſchreibung dieſes Vorgebirges p. 204 bezeu⸗
get. Es ift aber auch daſelbſt unter andern die Heeringart,
welche von den Hollaͤndiſchen Matroſen Harder genennet
wird, nicht ſelten; als derſelbe p. 196 erwehnet.
Was er für Züge halte;
62 Nachrichten von Island. doch deren Abkunft nach dem Nordpol wieder zurück keh⸗ ret, und das Geſchlecht allda fortpflanzen hilft. Ich
zweifele keinesweges, wofern man in der angefangenen
mehreren Aufmerkſamkeit auf die Naturwunder fleißig fortſchreiten wird; (und wie wuͤnſchte ich, daß eben ge⸗ genwaͤrtige Zeilen dazu einige Gelegenheit oder Ermun⸗ terung geben möchten!) daß denn auch dieſes, und mehr
anders, mit der Zeit eigentlicher werde ausgeforſchet
werden. |
Indeſſen will ich nicht verſchweigen, was ich meines wenigen Orts bey den ſo ſchlecht beachteten Zuͤgen der Heeringe fuͤr eine Weisheit und liebvolle Fuͤgung unſers
großen und gutthaͤtigen Schoͤpffers erblicke, anmerke,
alle Meere zu vertheilen, und an alle Kuͤſten zu leiten. Denn ſobald der Heering unter dem Eiſe, oder aus den
bewundere, preiſe. Es hat nehmlich der Herr der Crea
tur den angeregten und mehreren, ja wer weiß wie vie⸗ len? groͤßern und kleinern Meerfiſchen eine ſolche Na⸗ tur anerſchaffen, daß ſie wie an andern im Norden erzeu⸗
geten kleinen Fiſchen, alſo befonders am Heering *, ihre
dienſamſte und liebſte Koſt finden, damit er naͤmlich ihrer
faſt unerſaͤttlichen Freßgierde, als des allerbeqvemſten
Mittels ſich bedienen moͤgte, ſowohl dieſen kleinen, doch unglaublich nutzbaren Fiſch, als fie ſelbſt zugleich mit, uber
unergruͤndlichen Tiefen, vorangezeigter maßen ſich her⸗ vor begiebet, machen ſolche große, groͤßere und groͤßeſte Fiſcharten, um ihre hungerige Maͤgen zu fuͤllen, ſich ſo
fort an denſelben, halten ihn durch ihr ſtetes Aengſten
I
| Merkwuͤrdig ſchreibet M. Martin d. . p. 349. Wher⸗ ever they are, all other fish follow em, and Whales and Seals in particular: For the larger fish of all kinds feed, .
upon Herring, d. i: wo nur immer Heeringe ſind, dahin fol⸗ gen ihnen alle andere Fiſche nach, beſonders Wallfiſche und
Seehunde. Denn die größere Fiſchgattungen leben ſaͤmtlich vom
Heering.
Nachrichten von Island. 63 von allen Seiten in hohen, breiten und ſehr dichten Hau⸗
fen * beyſammen, jagen ihn aber auch von dannen im⸗
mer weiter heraus vor ſich her, und treiben ihn als ein
ſchuͤchternes wehrloſes Jiſchlein von einer See zu der an⸗
dern, (wiewohl dieſes eigentlich keine andere, ſondern nur bloß andere Benennungen tragende Theile des großen Weltmeers ſind) und von einer Kuͤſte zur andern: in⸗ dem derſelbe, um den gröͤßern Verfolgern zu entrinnen, und ſowohl fuͤr ſich einige Sicherheit und einen Ruhe⸗ platz zum Setzen, als fuͤr die Brut, ſo lange ſie ganz zart ift, ein ungeſtoͤhrtes Lager zu finden! in die Meerbuſen,
auf die ſeichten Sande, ja bis in die Muͤndungen der
Fluſſe zu fleten ſich beſtrebet, damit aber den Anwoh⸗
„Dieſe Eigenſchaft und inwendigen Trieb, haben alle kleinere Fiſchgattungen an ſich, fo zwar ſehr natürlich, abet doch wegen des mitfuͤhrenden großen Nutzens nicht außer
Acht zu laſſen if. Sie pflegen naͤmlich aus Furcht vor ih⸗
ren Verfolgern und in Abſicht ſich zu retten, ſo dichte, als nur moͤglich, zuſammen zu fahren, und an, uͤber und unter ein⸗ ander in berggroßen Haufen (die auch von den ſie oͤfters an⸗
treffenden Normaͤnnern iuxtå Topograph. Norweg. citat.
keberge oder Siſchberge genennet werden) ſich zu drengen, damit aber zugleich zu veranlaſſen, daß ſie von den Fiſcher
nur deſto beqvemer und häufiger erhaſchet und gefangen wer⸗ den. Ein gleiches bemerken wir ſchon bey der Schleswigi⸗ ſchen Inſel Hilgeland an unſern nicht minder verfolgten Krab⸗ ben, Garnaten, oder Garnelen (Squillis gibbis Rondelet.) die, weil ſie von unten und von den Seiten her durch die
Schell⸗ und andere Fiſche, die ſich vornehmlich von ihnen nähren, von obenher aber durch die Meven (deren gemeinſte Speiſe fie gleichergeſtalt find) gejaget und geaͤngſtiget wer⸗
den, eben auch in große Klumpen, oder dicke Haufen, in ein⸗
ander fliehen, und darüber in fo groͤßerer Menge den Hillge .
lander Fiſchern zu Theil werden. | Plin. Nat. Hift. Lib. IX, Se&. 35. Nam in ſtagna ec amnes tranſeundi plerisque piſcibus euidens ratio eſt, vt tutos foetus edant, quia non fint ibi, qui deuorent partus Auctusque minus ſacuiant. | 1 7
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64 — von Jelmnd. |
nern ſich gleichſam vor ihrer Türe darſtellet, und bey⸗ des zur Speiſe und Handelſchaft in unerſchoͤpflicher Men⸗ ge überliefert, Wodurch denn allerdings die nachſetzende größere und kleinere Jäger, ſo weit die Groͤße ihres Koͤr⸗ pers und die Tiefe des Waſſers es verſtatten, eben den⸗ ſelben Anwohnern zugleich angebothen, und wenn ſie nur zugreifen wollen, in die Haͤnde gefuͤhret werden.
| Es iſt aber hiebey zu merken, daß ſowohl die Bea mütter um ihre große Reiſe zu vollenden, ſobald fie ger ſetzet, wieder in die See ſich begeben, als auch die Brut, ſobald fie nur zu einigen Kräften gekommen, ebenfalls aus natürlichem Triebe und Ire großen aid zu e der See zueile .
Von dem Jedoch dieſes alles noch deutlicher und begreiſicher
ft der. zu machen, will ich den jährlichen Zug der Heeringe,
ſelben. ſo weit man davon gewiſſe Nachricht hat, von Ort zu Ort anweiſen, und zugleich zeigen, zu welcher Zeit ein ie⸗ des Volk diefen Segen überfömmt, und bf was Art es |
fi ich denfelben zu Nutze mache.
Des Zaupt⸗ Aus Norden bricht der Hauptſchwarm be DA en, im Jahr auf. Wovon der eine Flügel Weſtwerts ſich gel der ſich lenket und mit dem Monat Mart. auf die Inſel Island fem — 75 in ſolcher Menge, und (wegen der Verfolgung der vielen det. großen Fiſche von allen Seiten, und der Strandvoͤgel von oben her) in fo dicken und dichten Haufen ſtöͤßet, daß man nicht allein an der Schwaͤrze und Kräußeln des Waſſers (indem ſie vor Angſt bis an die Oberflaͤche dels felben dringen, und öfters gar herausfliehen zu wollen ſcheinen) ihre Ankunft von weiten wahrnehmen, ſondern auch, wenn man denſelben entgegen faͤhret, und mit ei⸗ nem Schoͤpfer, womit die Segel aus der See benetzet werden, oder reg bohlen Wen drein rd 5
25 7
Conf. Neulesetts de Hare) ba 1. * mr |
5 Nachrichten von Island. | 65
auf einmal eine ziemliche Menge derſelben ohnfehlbar er⸗ wiſchen und heraus heben kann. Ob dieſer auf Island fallende Flügel zuvorher einen Theil nach den Baͤnken von - Terreneufve abſchicke: wie imgleichen, wo der Reſt des an der Weſtküͤſte von Island herniederſtuͤrzenden Strichs bleiben mag, iſt den allſehenden Augen des Hoͤchſten allein bekannt. Indeſſen iſt gewiß, daß davon auf allen Sei⸗ ten der Inſel alle Meerbuſen, Buchten, Bayen oder Foioͤrden angefuͤllet, und zugleich, außer den nachziehen⸗ den koͤſtlichen andern, eß⸗ und nutzbaren, kleinen und gråss - ſern Fiſchen, abſonderlich die Nordcaper, (welche ihrer Groͤße halber weiter in die untiefere Nordſee zu folgen ſich nicht getrauen) dahin gefuͤhret, und gleichſam ihren rechten Wohnplatz (wovon Zorgdraager e der ' Gegend zu nehmen veranlaſſet werden.
Der zweyte große uns zum beſten bekannte Oeſt⸗ Der andere liche Fluͤgel (wovon doch auch im Vorbeyſtreichen ein en Theil nad) der Oſt⸗ und Suͤdkuͤſte von Island abfällt). Flügel.
ſtuͤrzet ſich durch die mitfolgende Meerſchweine, Cablauen u. fe f. getrieben, immer weiter herunter in die Nord⸗ : fee: iedoch ſolchergeſtalt, daß davon eine Abſonderung, Des öfttie nehmlich die Oeſtliche, ihren Strich nach der Nord geleoſliche caap * zu, und ferner an der ganzen Norwegiſchen Kuͤ⸗ 1 ud herunter nimmt, be: jer ein Theil feinen Lauf Deren ein | i: „ daran Theil.
— rater meldet c. I. P. II. c. 7. p. 97, daß um S. Johannis die Bayen, Sinus, bey der Nordcaap von jun⸗ gen Fiſchen, beſonders Heeringen, krimmele und wimmele, und er ſelbſt bey Loppe und Curoy mehrmals angemerket ha⸗ - be, daß das Waſſer davon an einigen Stellen faſt als leben ? dig anzuſehen geweſen. Ja er habe davon viele Schwaͤrme in großen uͤberm Waſſer ſichtbaren Haufen von tauſenden beyſammen geſehen, davon man, wenn man mit der Chalou⸗ pe hineingerudert und eine Lanze auf ſie geſchoſſen, mehr als einen Fiſch zugleich ſpießen koͤnnen. |
Itziger Zeit ift der Segen und Fang bey Norwegen lange nicht mehr ſo groß, als er 1 Zeiten gewesen
da
s zweyter Theil.
Des zwey⸗ ten Theils einer Arm.
66 Nachrichten von Island.
daran her beſtaͤndig fortſetzet, bis er durch den Sund in die Oſtſee verfaͤllt: der andere aber, ſobald ihm die Nord⸗ ſpitze von Juͤtland entgegen ſtehet, ſich daran abermal zweyet, und mit einem Arm an der Oſtſeiten Juͤtlands herab * laͤuft; iedoch durch die Belte mit jenem in der Oſtſee ** bald wieder zuſammen ſtoͤßet; mit dem zwey⸗
| „ Ten
da der Hauptſtrich dahin gegangen, und des Jahrs etliche tauſend Schiffe, aus Daͤnnemark, Deutſchland, Frießland, Holland, ja ſelbſt aus Schottland, Engelland und Frankreich nach den Haͤfen von Norwegen gekommen, um den geſalze⸗
nen Heering von dannen abzuholen, und ſich und ihre Nach⸗ barſchaft damit zu verſehen. Welcher Ueberfluß aber ums
Jahr 1560 zum ſtaͤrkeſten ſoll abgenommen haben, wie in der obangezogenen Topogr. Norw. cap. 5. p. 29 ſq. berichtet wird.
Es hat ſich auch bis dahin das Hanſe⸗Staͤdtiſche Com⸗ foir in Bergen bey dieſer Handlung ſehr wohl befunden; allein die Abnahme derſelben auch ſeines Theils merklich mit empfunden. Anitzo kommen zwar von daher durch die des Rothſchaͤres halber noch fortdaurende Bergerfahrer Bruͤ⸗ derſchaften jährlich noch einige hundert Laſten geſalzener Hee⸗ ring nach Hamburg, Bremen und Luͤbeck. Weil aber derſel⸗ be bey weiten ſo fett und gut, als der gegen über bey Hitt⸗ und Schottland gefangene Fiſch nicht ift, noch fo forgfältig, als von den Hollaͤndern geſchieht, gefleyet und geſalzen, uͤber⸗ dem in lauter Tonnen von Feurenholz (die dem Fiſch einen unangenehmen Beygeſchmack geben) geſchlagen wird: ſo fin⸗ det er keinen ſtarken Abgang, iſt auch folglich nicht viel daran zu verdienen. In den vereinigten Provinzien iſt gar bereits
im Jahr 1620 durch ein Placat verboten, einigen Heering binnen den Klippen von Hittland, Irrland und Norwegen ſelber zu fangen und einzuſalzen, weniger von dieſen Leuten
zu kaufen, bey Confiſcation ſolchen Heerings und einer Geld»
buße von 300 Carolus-Fl. 4 5 Dø
* Ben Ahlburg werden inſonderheit alljaͤhrig viele Hee⸗ ringe gefangen und eingeſalzen, in Tonnen hin und wieder an den Kuͤſten der Oſtſee, auch nach Hamburg zum Verkauf gebracht. Finden aber keine ſonderliche Abnahme, weil ein
ieder, der den weit beſſeren Hollaͤndiſchen bezahlen kann, dens
ſelben lieber nimmt. TEMA | . *Mit dem Heeringsfang und Handel an den Kuͤſten der Gſtſee hat es kuͤrzlich folgende Bewandniß: Als der 1 5 ' j ee⸗
hu
Nachrichten von Island. 67
ten Arm aber an der Weſtkuͤſte von Juͤtland ſich herun⸗ Zepter * | N | Arm.
ter
Heeringſtrich noch ſtaͤrker auf Norwegen gegangen, iſt deſſel⸗ ben auch auf der Schoniſchen Xuͤſte eine ſolche Menge ges fangen und eingeſalzen ausgeſandt worden, daß man einen guten Theil von Europa damit verſehen. Denn es war da⸗ mals, wie Olaus Magnus Hiſt. Nat. Septentr. Lib. XX. c. 28 erwehnet, der Schwarm fo dicke, vr non ſolum retia pifcan- tium lacerarentur, fed etiam in agmine illo bipennis vel lancea militaris in medio piſcium immiſſa firmaretur. Wel- ches denn auch unter andern Gelegenheit gegeben, daß zu Hamburg die Schonenfahrergeſellſchaft aufkommen, und
den Heeringhandel ſtark getrieben. Die zwar auch noch bis auf den heutigen Tag unter derſelben Benennung fortdauert,
ihre Voͤgte, Alten und Oberalten zur Direction, und ihre eige⸗ ne beeydigte Packer, Wracker und Wardierer zur Bedienung hat, und eigentlich den Heeringhandel, doch faſt nur allein mit dem Hollaͤndiſchen Heering, als der beſten und gäng- und giebigſten Waare, fortfuͤhret, zumal der Fang unter Schonen laͤngſt aufgehoͤret hat. So wird auch weiter hinauf an der ganzen Schwediſchen Kuͤſte, wie imgleichen unter Finn⸗ land und Eſten kein tauglicher Heering angetroffen, noch ges fangen. Nur findet ſich in dem Sinu Bothnico eine demſel⸗ ben ganz eigene, doch gar kleine und trockene, obſchon ſonſt zarte und wohlſchmeckende Heeringsart, Stroͤming oder Stroͤmling (Halee Bothnicum Neukranz de Hareng. p. 19.) genannt, in unglaublicher Menge Ol. M. d. 1. lib. XX. c. 29. Die Finnen fangen ſie noch heutiges Tages ſo haͤufig, daß ſie gar geſchwinde eine große Menge davon erhaſchen, die ſie noch lebendig auf dem Strande in großen Haufen ſchuͤtten, und alſo unter ſich nach Mannzahl theilen. In Weſterbo⸗
then aber thut man ſie in große Faͤſſer und Tonnen, ſalzet ſie
wohl, ruͤhret ſie mit einem Stock unter einander, und laͤſſet ſie ſolchergeſtalt 24 Stunden durchbeizen, bis das Blut ausge⸗ zogen, und fie ſteif geworden. Worauf man fie Tages her⸗ nach herausnimmt, in allerley kleine Toͤnnichen vertheilet, und ſodann entweder daheim verkaufet, oder in die Nachbar⸗ ſchaft, wenn man Gelegenheit dazu hat, verſendet. Ol. Rudb. fil. de Ave Selav. p. 98. Man pfleget auch die kleineſten unter denſelben geſalzen in Backoͤfen zu doͤrren, und zum Ge⸗
ſchenk an aus waͤrtige Correſpondenten zu verſchicken; wie ich
mich wohl erinnere, ſie in meiner zarten Jugend gegeſſen und Ea wohl⸗
* y
68 Nachrichten von Island.
ter ſenket, und an Schleßwig, Holſtein *, Stift Bra men, und Frießland her (wo deſſen nur wenig wegge⸗
N fangen,
woßtgefhmackt befunden zu haben. Itziger Zeit aber, nach⸗
dem die Maͤuler zaͤrtlicher und luͤſterner geworden, darf man damit ſo wenig, als mit Raff und a mehr nad) Deutſchland kommen.
Auf den gegenuͤberliegenden Kuͤſten der Oſtſee findet ber
Zug fid) viel zahlreicher, wohin er denn auch ſeine Verfolger,
abſonderlich die Doͤrſche, die ſich nicht alſo, wie die groͤßern Kablaue, vor der Enge des Sundes und der Belte ſcheuen
und zurüͤcke bleiben, ſondern häufig mit folgen, und bey Luͤ⸗ beck zum fetteſten und niedlichſten werden, mit ſich fuͤhret. Solchergeſtalt werden auf den Schleßwig⸗ und Holſteiniſchen Ruͤſten circa Aequinoctium Vernum Heeringe genug gefan⸗ gen. Schoeneveld Ichthyol. p. 37. Allein ihre Güte verlieret ſich, und man weiß auch dieſer Orten mit dem Einſalzen und
Zurichten ſich nicht recht zu behelfen, oder man kann auch gegen den Hollaͤndern nicht aufkommen, ſondern ſie werden
entweder friſch weggeſpeiſet und hoͤch ſtens geraͤuchert. Wo⸗ durch ſie gleichwohl daſelbſt auch zu einer Kaufmannswaare
werden. Unter den letzten ſind beſonders ſchmackhaft, und begehret die Kielerbuͤcking, oder Buͤcklinge und die Flickbee⸗ ringe. Nechſt dieſen kommen auf der Mecklenburgiſchen
Fälle die daſelbſt auf die Art, wie in Annalibus Wratislav. d. 1720. Menf. April. Cl. IV. art. 4 umſtaͤndlich und leſens⸗
wuͤrdig erzehlet wird, zugerichtete Backling und Flickheering.
Worauf die Pommeriſche folgen. Von dieſen letzten erthei⸗ let Neukranz in feinem dem Heering zu Ehren geſchriebenen
Panegyrico p. 42 ſolchergeſtalt: Siefuicenfes ſaporis funt eximi, ui nihilo inferiores ſunt Stralaeſundenſes, ab
his Roftochienfes, mox Wismarienfes ; vltimum locum
Lubecenfes occupant ob fundi fte rilitatem. Weiter finden
ſich auch auf der Preußiſchen Kuͤſte, und bey Danzig die Heeringe: fie find aber ganz mager, taugen und dauren ge⸗
ſalzen nicht, ſondern dienen nur zum raͤuchern. Gabr. Ra-
czynsky Hiſt. Nat. Poloniae Tr. 6. Sec. I. F. 3. 2 Db ſie gleich fo haufig ſich nicht einſtellen, daß fie ei⸗
ne Kaufmanns waare abgeben koͤnnten, ſo ſpeiſen ſie doch viele, und bringen wenigſtens eine uͤbergroße Menge von den
*
fejmadhaftigften Kablauen, SEN mee fm
CA
mit
Nachrichten von Island. 69
fangen, wenigſtens keine Handelung damit getrieben wird)) forteilet, bis er durch Texel und Vlie in die Suͤderſee “ dringet, und, nachdem er dieſelbe umzogen, wieder in die Nordſee zu Vollendung ſeiner großen Reiſe zuruͤckkehret.
Dahingegen die zwepte große Weſtwerts ſich lenkende Des ifl Abjonderung, welche ietziger Zeit die allerſtaͤrkeſte ift, 9 LÅ
in Begleitung der Meerſchweine, Hayen, Cablauen, um Ab⸗ ſon ez
Lengen u. f. w. gar bald auf die Hittlandiſche und Gr⸗ Aung cadiſche Inſeln (woſelbſt ihm vorhin gedachtermaßen die Hollaͤndiſche Heeringbuͤſen hauptſächlich auf den Dienſt paſſen) und auf e er da fie von neuen
= 3 eine
mit fa: die ben ber Schleßwigiſchen Inſel Hilgeland auf den mancherley und beqvemen Gruͤnden, nebſt vielen andern eßbaren, ja niedlichen Fiſchgattungen, davon man leicht ein ganzes Buch ſchreiben könnte, ſich aufhalten und maͤſten, darauf zu ihrer Zeit von den Inwohnern haͤufig gefangen, und auf der Elbe und Weſer mit gutem Vortheil verkaufet werden. Wohinein er fø gar den Butzkopf, und das Meer⸗ mer im Nachſetzen mit ſich bis aufs Y' ziehet. Torgdr. p. 96. Es iſt aber der großen Heeringhandelung zum beſten, bey ſchwerer Strafe geordnet, daß die hieſigen Hee⸗ ringe nicht eingefalgen, ſondern nur zu Strohbuͤckling ges machet werden muͤſſen. Wie denn die Teybuckling oder Pöuͤckling, bekannt find, welche im Nov. und Dec. gema⸗ chet werden, und zwar ſehr fett und niedlich fallen, aber in Holland und den nechſtangelegenen Orten ſelbſt verzehre werden, weil ſie, eben wegen ſolcher Fettigkeit, nicht dauer⸗ haft, und deswegen zum Ausſenden untauglich ſind. Und im Febr. Mart. und April werden ſie, nachdem ſte vermuth⸗ lich die ganze Suͤderſee umzogen, und nunmehr auf ihre Ruͤck⸗ kehr nach der Nordſee begriffen ſind, wiederum unter Nord⸗ holland vor Enckhuyzen, Monckendam und Hoorn angetrof⸗ fen, gefangen, und zu Strohböͤckling (die bey den Hollaͤn⸗ dern Strantbucking und Enckhuyzerbucking heiſſen,) zuge⸗ richtet, auch, weil ſie nunmehro magerer und haltbarer in ziemlicher Menge nach Hamburg, Bremen u. ſ. w. um von u ins Reich vertrieben su N geſchicket oder ent⸗ oten.
70 Nachrichten von Island. 1
Deten eine Aſt.
ben, den Schottlaͤndiſchen geſalzenen Heering im Handel auswaͤrtig in Aufnahm zu bringen. Des Endes vornehm⸗
eine Trennung erleidet, und mit einem Aſte an der Oſt⸗ kuͤſte von Schottland * ſich hernieder ſenket, und Enge⸗ land umziehet, unterweges gleichwohl auch anſehnliche Schwaͤrme von ſich aus und den Frießlaͤndern, Hollaͤn⸗ dern, Seelaͤndern, Brabandern, Flanderern ** und
ae Ä
ig Es haben eifrige Patrioten in Großbritannien zu als
len Zeiten ihre Landesleute durch erweckliche ſchrift und
mündliche Vorſtellungen dahin zu bewegen, ſich bemuͤhet, das
fie den ihnen von Gott eigentlich und vor ihre Thuͤre suges ' ſchickten reichen Segen nicht ſo unverantwortlich, als geſchieht,
verabſaͤumen, und ſich durch die Hollaͤnder vor dem Maule wegſchnappen laſſen moͤchten. Man hat ſich auch in neuern Zeiten am Engelaͤndiſchen Hofe, um die Vereinigung des Koͤ⸗ nigreichs Schottland mit der Cron Engeland anfangs zu er⸗ reichen, nachher um fo feſter zu verknuͤpfen, alle Mühe gege⸗
lich mit der Stadt Hamburg, ſo wohl von der Koͤnigin Anna,
als dem Koͤnige Georg. I. beyden glorw. Andenkens, beſondere, durch das vereinigte Parlament danknehmigſt beftätigte, Ders träge errichtet worden. Man hat ihnen aud) in Hamburg
alle verlaͤngliche Beqvemlichkeiten, imgleichen eigene zubeei⸗
digende Packer und Wracker zugeſtanden. Allein, es will |
damit doch noch zur Zeit nicht recht fort, theils, weil die Schotten denſelben zu fruͤh, ehe er noch recht zeitig fangen, theils und vornehmlich, weil ſie nur mit kleinen Bothen in See laufen, nahe unterm Lande fiſchen, und den Heering nicht vor dem Meſſer ſterben laſſen, vielweniger ſogleich, wie er
nach und nach gefangen wird, im Schiffe einſalzen, fondern
ihn nur ins Both werfen, und wenn daſſelbe voll, damit zu Lande fahren, und alsdann erſt den Fiſch auf dem Strande
auskiefen und ſalzen. Da denn, weil gemeiniglich daruͤber
mehr als einmal 24 Stunden verſtreichen, der abgeſtandene
Fiſch immittelſt guten Theils fihon feiner Zärtlichkeit halber
in die Faͤulniß getreten ift, folgbar am Geſchmack und Dauer⸗ haftigkeit ſchon etwas verlohren hat. Doch es ſcheinet, daß ſie von Jahr zu Jahr mehrern Fleiß anwenden wollen.
Es haben die Flanderer vor vielen Jahren ſi fi ch nicht 5 allein gar ſtark uf den Heeringsfang geleget, ſondern me
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Nachrichten von Island. 71
Frantzoſen vor die Thuͤre ſchicket: mit dem andern - Ziweyter Aſte aber den Schotten auf der Weſtſeiten und den Irr⸗ A. laͤndern (denen er ſich überall rings um ihrer Inſel mit⸗ theilet, ob ſie gleich beyderſeits keinen andern Gebrauch davon machen, als daß ſie ihn friſch verzehren, und ſich
der andern Fiſche, die ihm nachjagen, beſtmoͤglichſt zu Nutze machen) zuſcheußet: und endlich nachdem alle itzt erzehlete Vertheilungen der zweyten großen Abſonderung
im Canal wieder zuſammen geſtoßen, ihr uͤbriger von
den Fiſchern nicht aufgefangene und von Strandvoͤgeln
und Raubfiſchen nicht verſchlungene Reſt, der gewiß
noch erſtaunens wuͤrdig groß iſt, in die Weſtſee ſich ſaͤmmtlich ſtürzet, und daſelbſt, der gemeinen Sage nach, verlieret, oder vielmehr und beſſer zu reden, auf den Kuͤ⸗
ſten nicht weiter, oder doch gar wenig *, verſpuͤret wird, ſondern allem Vermuthen nach vor den heißen Weltz gegenden ſcheuend, nach ſeinem beliebten Norden, und urſpruͤnglichen Heymath, wieder zuruͤck kehret. |
O unausſprechlicher Reichthum goͤttlicher Milde | a Fr der hur in diefem einigen unanſehnlichen E 4 MÅ kleinen
die ebeſte Art denselben zu handhaben und zu ſalzen ausgefun⸗ den. Weil ſie aber durch die Gott mißfaͤllige langwierige Religions kriege, und daruͤber ſelbſt veranlaſſete große Han⸗ delungsveraͤnderungen aus allen Kraͤften und faſt ganz aus der See gekommen; fo find die Holländer wie in mehr ans dern Stuͤcken, alſo auch in dieſer Fiſcherey und Handelung an ihre Stelle gekommen. Wiewohl doch der Hollaͤnder Heering unter den Kaufleuten in Niederſachſen bis auf dieſen Tag wegen der Zurichtungsart Vlamiſcher e oder Flaͤmiſcher Heering genennet wird.
Maillet in feiner Defiriptian. de IEgypte Lettre IX. pag. 25 merket, als etwas ſonderbares, wie es auch ift, an, daß im Mon. Dec. Januar. und Febr. ſich in Egypten bey Großcairo Heeringe ſehen und fangen lieſſen, aber ſonſt nir⸗
É gends weder bey Roſette noch Damiate, 1 in der Mittel- laͤndiſchen See nicht. |
72 Nachrichten von Jelund.
kleinen Fiſche durch ſein Wort einen ſo herrlichen Segen f
geleget, daß er nicht nur ſo viel Millionen ungeheurer,
großer und kleiner Fiſche ſaͤttigen und naͤhren, ſondern
CA
uͤberdem auch noch viele hundert tauſend Menſchen theils
mit ſeinem Fleiſche eine angenehme Koſt, theils durch ſei⸗ nen Fang, Zurichtung, Verkauf und Verſendung rei⸗
chen Unterhalt und Gewinſt en und doch nicht . maden kann * | 5
8. Lv. Her
8 Dieſe große unerkannte Wohlthat Gottes in ein noch hellers Licht zu ſtellen, will ich, was davon in dem neuen und koſtbaren zu London 1728 in Engliſcher Sprache gedruck⸗
ten Atlante maritimo et commerciali weitlaͤuftger vorgetra⸗
gen, in meiner Ueberſetzung hier beyfuͤgen: Ohngefaͤhr An⸗ fangs J Junii, heiſſet es, und zufolge verſchiedener Anzeigun⸗ gen ſowohl in der Luft, als im Waſſer, aus welchen die In⸗ wohner der Inſeln Schettland (oder Hittland) es abnehmen zu koͤnnen, vermeynen, koͤmmt aus Norden ein unausſprech⸗ lich und unglaublich großer Schwarm, oder Heer von Hee⸗ ringen daſelbſt angedrungen. Der Ort, von wannen ſie kommen, und wo ſie gleichſam hauſen, leichen, ſetzen und ſich vermehren, ift unbekannt. Daß aber ihre „Anzahl un⸗ endlich groß, wird aus bald folgenden zur Genuͤge erhellen: wiewohl es doch nur ein Schwarm aus dem Stock, und ein Ueberfluß iſt, der von einer noch weit groͤßern Menge, die
zuruͤck bleibet, aus Mangel des Raumes gleichſam ausge⸗
ſtoßen, und feine Nahrung und Verbleib anderweitig zu ſu⸗
chen, alljåbrig ausgeſchicket wird. So ift auch nicht zu wiſ⸗
ſen, ob einige von ihnen, um neue Recruites fuͤrs kuͤnftige Jahr auszubruͤten, ins Vaterland wieder zuruͤck kehren. We⸗ nigſtens kommen dieſelbe aus der Heymath, wo ſolche auch ſeyn mag, traͤchtig und ſo voll fruchtbaren Roͤgens, daß man ſagen darf, ein Fiſch bringe zehen tauſend andere mit ſich. Ihren Roͤgen ſchießen ſie in der See bey Engeland, denn da ſie voll dahin kommen, ſind ſie lange vorher, ehe ſie wie⸗ der von dannen ſcheiden, ſchon leer. Ihre Zahl gehoͤret in
Wahrheit unter die Infinita naturæ, d. i. ihre Zahl uͤberſteiget
alle Zahlen, und wenn man ja, nach einiger Art zu rechnen, da⸗ von ſprechen will, kann man doch nichts anders ſagen, als
etwa, daß ihre Zahl groͤßer, als der Sterne am Himmel ſey. 5
Sie ER herfuͤr, wo die See gleichſam am teten 1
Nachrichten von Island. 73 §. LV. Nechſt nach dem Heering erwehne ich bil⸗ Kablau. 1 e N
und die Erſtreckung ihres Heers mag allem Anſehen nach ſo viel Raums uͤberhaupt beſchlagen, als ganz Großbritannien, Irrland mit eingeſchloſſen, einnehmen mag. Zweifels ohne muͤſſen fie ſich ſehr enge zuſammen drengen, wenn fie Suͤd⸗ waͤrts kommen, und zwiſchen den Kuͤſten von Groͤnland und der Nordcaap ſich durchzuzwingen genoͤthiget finden, als welcher Strich fuͤr ſie nur eine enge Straße iſt, ob er ſchon auf der Flaͤche der Erdkugel eine Weite von 200 Meilen (leagues) austraͤget. Wenn ſie ſich tiefer herunter geſenket, und ihr ungeheurer Haufe durch die im Wege liegende Groß⸗ britanniſche Inſeln (die ſte vermuthlich an den Gruͤnden und Untiefen der Nordſee, welche zweifelsfrey nicht wenig anders, als die Oberflaͤche beſchaffen, gewahr werden) eine Trennung erleidet, muͤſſen ſie ſich nothwendig in zweene gleiche oder un⸗ gleiche Theile zertheilen. Von denſelben lenket ſich der eine Weſt, oder Suͤdweſt, laͤſſet Schettland und die Orcadiſche Inſeln zur Linken, und ſtoͤßet auf Irrland, daran er ſich abermahls ſpaltet, alſo, daß ein Aſt an der Britanniſchen Kuͤſte ſich haltend, gegen Süden hinunter durch S. Georg, oder den Irriſchen Canal, ſtreichet, und zwar Engeland und Irrland hinab in die Savernſee faͤllt, wo er wieder zu ſeinen vorhin verlaſſenen Freunden koͤmmt: der zweyte Theil aber aus Mangel des Raums nach Weſt und Suͤdweſt ſich ſchwen⸗ ket, die Irriſche und Weſtſee hinabſchießet, und indem er beftändig an den Kuͤſten verbleibet, um den Suͤdſtrand von Es Irrland ſich herum ziehet, und vermittelſt einer kleinen Wen⸗ dung nach Suͤdoſt zu ſeiner durch den Irrlaͤndiſchen Canal ö unten herabſtuͤrzenden Geſellſchaft wiederum et. ; | : i
Der zweyte Arm von jener erften großen in Norden vor gegangenen Theilung, welcher ſich ein wenig gegen Oſt und Suͤdoſt lenket, tritt herunter in die Deutſche oder Nordſee, und ſtreichet in ſteter Haltung an die Großbritanniſche Küfte, - Shettland und ferner die Cap von Bucaneß und die Kuͤſte
von Aberdeen vorbey, fuͤllet unterweges mit ſeiner unzehligen
Menge alle Meerbuſen, Furthen, Rivieren und ſo weiter,
nicht anders, als wenn er von der Hand des Hoͤchſten gelei⸗
tet wird, daß er ſich der Armuth zur Speiſe, und dem Kaufe
mann zum vortheilhaften Handel, darſtellen muß. Wendet
darauf etwas ſuͤdlich, ſtreichet Dumbar vorbey, und wird, e nach⸗
e Nachrichten von getan ligſt des 5 Rablaues, als desjenigen ches der tee farlig
nachdem er einen Umſchweif um bie me ufer von S. Tabbs und Berwick genommen, und in die Tiefe gegangen, erſt wieder bey Scarborough geſehen, und in einigen dicken Haufen nicht eher wieder wahrgenommen, als auf den Dare mvuthifden Baͤnken bey Engelland; von dannen er nach dem Munde der Thames und von da ferner durch den Bri⸗ kanniſchen Canal feinen Weg mme an aber weiter nicht mehr geſehen wird. |
Dieſem nechft nunmehr auf die Heeringfifiheren zu kom⸗ men, fo heißen die Holländer denſelben zuerſt bey Shettland (d. i. Hittland) mit ohngefehr 1000 oder 1500 Buͤſen will⸗ kommen, (wovon die beſondere Umſtaͤnde naͤher, und ſo viel ich aus fleißiger Nachfrage erkundiget, oben p. 54 199. bereits beygebracht). Sobald der Heering bey Schottland „angelanget, und durch ſeine Ausbreitung uͤber alle Saͤnde u. Baͤnke, allen Haͤfen, Bay⸗ en oder Buſen ſich darbietet, verſaͤumen die Schotten nicht, den ſelben in großer Menge zu fangen, zurecht zu machen, einzu⸗ peckeln, und auf einerley Marktplaͤtze mit den Hollaͤndern zu verſenden; dahin ſie, weil die Hollander erſt zu Hauſe und umpacken muͤſſen, denſelben oͤfters zu vorkommen, auch mit ihnen zu gleichem Preiſe verkauffen. Nachdem die Schotten an der Nordſeiten der Lay mit dem Heering ſolchergeſtalt fer⸗ tig, fallen die Fiſcherboͤthe aus Dumbar u. f w. in denſelben ein, und thun eben auch daraus manchen reichen Zug, den fie in Edenburg und andern großen Städten zu Lande brin — gen, um das Königreich damit zum Theil friſch zu bedienen, zum Theil aber Red-Herring, d. i. geraͤucherten Heering auf Parmouthiſche Art, daraus zu machen. Wann dann end⸗ lich der Heering oberwehnter maßen bey Parmouth wieder zum Vorſchein kömmt, und ſich, ſeine Nahrung zu ſuchen, über die Sandbaͤnke verfpreiter, wird er in bewunderungswuͤr⸗ 5 diger Menge, ſowohl von Engellaͤndern als Hollaͤndern und Franzoſen gefiſchet. Unter denen die Parmouther allein jaͤhr⸗ lich in bie 50.00 Sonnen fangen, und zu Red-Herring zurich⸗ ten, der in ihrer Stadt, und den nechſt anliegenden Graf ſchaften verbrauchet wird. Von hier entweichen waͤhrender Fiſcherey große Schwaͤrme, die ſich nach dem Munde der Thames ziehen, und daſelbſt von den Fiſcherſchmacken aus 2 London, Foulkſtone, Dover Sandwich u. lg m. ſowohl 1250 Å
1
Naghrichten von Island. 75 ſaͤchlich und faſt allein die Einwohner der Inſel er naͤh⸗
die Stadt London, und andere an demſelben Fluſſe belegene Staͤdte, als fuͤr die Kuͤſten von Kent und Suſſeck gefangen werden. Indeß die Holländer zum zweytenmal ihre Buißen ausrehden, und nebſt den Franzoſen, Brabaͤndern, Flißin⸗ gern und andern die aͤußerſten Narmouthiſchen Baͤnke befi⸗ ſchen. Endlich verfaͤllt der Heering in die enge See, allwo die Franzoſen von einer und die Weſtenglaͤnder auf der an⸗ dern Seiten ihm wieder entgegen kommen. Demnechſt er ſchießet, und nicht weiter weder geſehen, noch geachtet wird.
Auf der andern Seite von Großbritannien gehet es die⸗ fem armen Fiſche kein Haar beſſer. Die Kaufleute von Glas⸗ gow, Aire, Galloway u. ſ. w. wie auch die von London⸗ derry, Belfaſt, Carrickfergus, Dublin u. ſ. f. gehen daſelbſt auf ihn los, und die von Lewes und den weſtlichen Inſeln laſſen ihm keine Ruhe, bis er den dortigen ganzen Canal, als gleichſam durch die Spißruthen laufend, hinunter geflohen, und die Savernſee erreichet. Woſelbſt er iedoch von neuen von dem Engliſchen Kaufmann in Devonshire angegriffen, und von Minhead bis Barnſtapel, Beddiford u. f. w. weſt⸗ waͤrts bis an die Staͤdte der Nordkuͤſte von Cornwal verfol⸗
get wird, die von ihm, ungerechnet, was im Lande verzehret wird, viele 1000 Tonnen voll einſalzen, und nach Spanien und der mitteländifchen See ausſchicken. Dergleichen ihm auch von dem Kaufmann in Pembrock u. ſ. w. und auf der ganzen Kuͤſte von South⸗ Wales wiederfaͤhret. Worauf, weil er alsdann ſetzet, ihm weiter nicht nachgeſtellet wird, ſondern er ſich nunmehr in die Tiefe zu ſeiner Geſellſchaft be⸗ giebet, auch nicht wieder zum Geſichte koͤmmt. Wo er wei⸗ ter bleibet, ob er wieder nach Norden kehre, oder in den uner⸗ gründlichen Tiefen der Weſtſee den großen Meerfiſchen zu Theil wird, oder wie es ihm ſonſt ergehen mag, ift gaͤnzlich unbe⸗ kannt. Moͤchte aber hierbey iemand etwan auf die Gedanken gerathen, daß um dieſe Zeit der Heering wohl ſo gut, als weg⸗ gefangen und ausgetilget ſeyn koͤnnte: ſo iſt das gerade Ge⸗ gentheil aus den uͤbergroßen Schwaͤrmen, welche in der Sa⸗ vernſee an der Weſt⸗ und Suͤdkuͤſte von Engeland und Irr⸗ land bey ihrem Abzuge noch geſehen werden, ſo offenkuͤndig, daß man viel eher vermeynen ſollte, der erlittene vielfaͤltige Verluſt ſey nicht einmal zu verſpuͤren. Inzwiſchen ſind eini⸗ ge der Meynung, daß die ganze Anzahl, ſo alle Fiſcher a 92 | | | 5
1 * * * -
76 Niaghrichten von Island.
naͤhret. ; Es ift derſelbe fo bekannt, i daß ich ihn
nicht
Europa von ihnen unterweges moͤgen weggefangen haben, gegen ihrem erſten aus Norden herauskommenden Heere, als 1 gegen eine Million zu rechnen. Wobey gleichwohl noch uͤberdem ganz glaublich ift, daß die erſchrecklich vielen und großen Raubfiſche, als Finnfiſche, Meerſchweine, Meerhun⸗ de u. d. g. noch eine weit größere Menge, als alle oberwehnte Fiſcher, von ihnen werden aufgerieben haben. b ,
Auf den Kuͤſten von Nordamerica findet fich der Hee⸗
ring auch, aber bey weiten nicht ſo haͤufig, als in Eu⸗ ropa: er wird auch weiter gegen Suͤden nicht als bis an die Fluͤſſe von Carolina geſehen: Ob dieſer etwa ein Theil von dem anfänglichen gar großen Schwarm ſey, der bey der erſten Ankunft auf die Groͤnlaͤndiſche Kuͤſten, an Stelle
Suͤdoſtwerts mit der übrigen Geſellſchaft zu gehen, vielleicht
nach den Nordweſtkuͤſten von America ausgewichen, oder ob es der Ueberreſt von denen ſey, die vorgedachter maßen den Canal von Engeland durchgewandert, ſtehet nicht zu ſa⸗ gen. So viel aber iſt bekannt, daß der Heering, wenigſtens in einer merklichen Anzahl in keinem ſuͤdlichen Reiche, als
Spanien, Portugall oder dem ſüdlichen Theile von Frank⸗ reich, ſo wenig auf den Kuͤſten am Ocean, als im Mittel⸗
Meer, noch auch auf der Africaniſchen Kuͤſte geſehen werde:
gerade als ob dieſem Fiſche dahin ſich zu begeben unterſaget
waͤre, auf daß dieſelbe Laͤnder von Engeland aus damit fol len verſehen werden Allermaßen denn auch der Kaufmann
von Devonshire und Cornwal denſelben auf beſondere Art
durch Packen und Preſſen zubereitet und nach Spanien, Ve⸗
nedig, Livorno und andere Oerter Italiens in großer Menge
(als im angezogenen Atlant. Marit. p. 104 zu leſen) verſendet. Ich kann hiebey zu mehrerem Verſtaͤndniß des ietztange⸗
fuͤhrten unangefuͤget nicht laſſen, welchergeſtalt die Engelaͤn⸗
der den fo genannten Redherring d. i. rothen Heering von der braunen Farbe, die er durch den Rauch bekoͤmmt: als den eingeſalzenen weißen Heering von feiner natürlichen Silberfarbe, die er behaͤlt, nennen, und denſelben auf fol⸗ gende Weiſe bey Parmouth verfertigen. Daß man ihn naͤm⸗ lich (ſobald man ein Voth voll gefangen) zu Lande bringe,
und, nachdem die Kiefen und Eingeweide heraus genommen, A
denfelben mit Spamſchem Salze wohlgeſalzen in Tonnen
thue und einige mahl durchruͤhre; daß man, nachdem ſie 1 ; oe „
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Nachrichten von Island. 77
nicht beſchreiben darf, und ſein Fleiſch ſo Bee | Ye | end,
oder hoͤchſtens 24 Stunden darin geſtanden, fie wieber her⸗ ausnehme, mit Waſſer wohl abſpuͤhle, und in eigenen dazu aufgerichteten großen Huͤtten auf Stoͤcken uͤber Ricken, oder lange Stangen haͤnge; daß man darunter ein Feuer von ganz klein geſpaltenem Holze mache, und alle vier Stunden von neuen anzuͤnde, damit ſie ſolchergeſtalt, weil alles dichte und der Eingang vermachet iſt, wohl durchraͤuchern; daß man endlich diejenige, ſo verſandt werden ſollen, 6 Wochen
darinn haͤngen laſſe, und fie alsdenn in Tonnen feſt packe.
(vid. latius Willughby Hiſt. Piſc. p. 220.)
Da ſich auch im angezogenen Atlante Maritimo alleg. loc. eine umſtaͤndliche mir zu meinem Zwecke nicht undienli⸗ che Nachricht von der vortheilhaften Großbritanniſchen Fiſche⸗ rey der Sardinen, oder wie ſie ſelbe nennen, Pilchards, be⸗ findet, will ich mich die Muͤhe nicht verdrießen laſſen, das merckwuͤrdigſte daraus zu ziehen und verdolmetſchet anhero zu ſetzen. Dieſe Fiſche zeigen ſich vornehmlich auf den Kuͤ⸗
ſten der beyden Weſtlichen Grafſchaften Devon und Corn⸗
wal, und bringen denſelben mehr Vortheil, als einiger an⸗
drer Seefiſch. Ihre eigentlichſte Zeit waͤhret vom Anfang
des Auguſti bis an Allerheiligen, oder den 1 Nov. Man
giebt vor, daß ſie ein kleines Fiſchlein, Britt genannt, verfol⸗ gen, und dadurch in die Muͤndungen der Fluͤſſe und in die
Haͤfen gerathen. Sie kommen mit der Fluth an, und ſchwim⸗
men der Oberflaͤche des Waſſers ſo nahe, daß man ihre An⸗
kunft ſchon von ferne an dem Kraͤuſeln des Waſſers gewahr
werden kann. Man faͤnget ſie auf zweyerley Weiſe, daher
ihre Fiſcher theils Drovers, theils Sayners heißen. Jene, die Drovers, paſſen auf den großen Schwarm, wenn er in die
Muͤndungen der Fluͤſſe und in die Haͤfen tritt, und empfangen
ihn mit weiten viereckigten qver über den Strom, der Fluth
entgegen, geſetzten Netzen, wodurch zwar von dem dicken
Haufen vieles neben und uͤberher weggehet, jedoch alles, was aufs Netz zuſtoͤßet, verſtricket und gefangen wird. Die⸗ ſe, die Sayners, fiſchen in offener See und klagen ſtets uͤber
die andern, daß fie die Fiſcherey verderben, in Betracht ihre trei⸗
bende Netze nur wenig fangen, und gleichwohl den Schwarm trennen, zerſtreuen und vom Strande wegſcheuchen. Wozu noch kommen ſoll, daß ihr Gefangenes kein tuͤchtiges Kaufe mannsgut gebe, weil der Fiſch durch das geſchwinde Zerren
und Reißen aus den engen Maſchen der Netze geqbetſchet wird.
Sayn
76 Nachrichten von Island. dend, daß er überall * für ein niedliches Eſſen geſchaͤ s Bet wird, | Å 8 6 e u | | Seine
Sayn heißet ein großes Netze, fo nicht anders, als die, ſo auf den Fluͤſſen gebraucht werden, gemacht, aber viel laͤn⸗ ger iſt: indem, da dieſe nur 30 bis 40 Faden halten, ein ſol⸗ ches Seenetz ſich manchmal zu 5 bis 600 Faden erſtrecket. Daſſelbe wird von 3 oder vier weiten Boͤthen, davon iedes wenigſtens mit ſechs Mann beſetzt ift, regieret. Die Boͤthe begeben ſich mit den Netzen in See, und ziehen dieſelbe ge gen der Gegend, woher ſte den Strich des Fiſches erwarten. Sie richten ſich aber hierunter nach dem Zeichen, das ihnen von den auf erhabene Huͤgel geſtelleten Leuten, die ſie Bal⸗ kers oder Zuers (d. i. Marqvirer und Rufer) nennen, gege⸗ ben wird. Denn dieſe koͤnnen von den Klippen den Lauf oder Strich, den der Fiſch hält, an dem Gekraͤuſel des Waſſers gare wohl bemerken, und geben davon durch ein Geruf, oder Gr pfeife, durch Schwenken einer Flagge, oder was fie ſonſt ver abgeredet, das Zeichen, wornach die in den Boͤthen mit ihrem Week ſich alsdann richten, und die Netze ſolchergeſtalt auslaſ⸗ ſen, daß ſie dieſelbe dem ankommenden Fiſche recht qver vor⸗ ziehen. So bald die Netze vollig ausgeſpannet, rudern einige durch einen genommenen Umſchweif um den Fiſchſchwarm hinum, und wenn ſie hinter denſelben gekommen, platzen 110 mit ihren Riemen ins Waſſer und ſcheuchen damit den Fiſch ins Netz hinein. Zuletzt bringen ſie die Enden des Netzes ganz zuſammen, und ziehen daſſelbe entweder in die See, da ſie ih⸗ ren Fang in die Boͤthe werfen, oder erſt am Strande auf. Welche letztere Art, wo der Strand von Klippen frey und nicht zu ſtickel iſt, als die vortheilhafteſte, der andern vorgezo⸗ gen wird. Maßen fie auf dieſe letzte Weiſe gar oͤfters 3 bis 400 Tonnen voll Fiſche auf einmal, (ich meyne aber nicht in einem Zuge, ſondern aus einem Schwarm) bekommen koͤnnen.
Dieſe Pilchards werden als Heeringe gepacket und einge⸗ preſſet, und nach der Straße in Spanien, Italien und der Le⸗ vant mit gutem Vortheil vertrieben. eee Auf was Weiſe aber das Einſalzen, Raͤuchern und Packen dieſer Fiſche geſchieht, foldes kann man abermal leſen beym Willugb. c. I. p. 223 ſeq. | 9 8.
* (Ex heißet bey uns Kabbelan, bey den Hochdeutſchen Bold», bey den Hollaͤndern Cabliau, bey den Dänen, e 4
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Nachrichten von Jeland. 79
Seine Speiſe, wie wir an denen, die vor unſerer Seine Elbe bey Hilgeland gefangen werden, wahrnehmen, find Nahrung. allerley Fiſche, abſonderlich Heeringe, auch große und kleine Taſchenkrebſe.
Man kann ſich nicht gnugſam verwundern über die Hat eine unbegreifliche Daͤuungskraft, die in den Mågen dieſes iteflihe, und anderer ſeines gleichen Meerfiſche ſich findet. Die kraft. if eingeſchluckten Fiſche werden in ſechs Stunden verzehret.
Ich habe dieſes aus folgenden bemerket. Die Fiſcher itzt genannter Inſel Hilgeland ſetzen die Angelſeilen fuͤr die Schellſiſche auf ſechs Stunden in die See aus. Weil man ſich damit nach der Tide, d. i. Ebbe und Fluth richtet, mit welchen bekanntlich von ſechs Stunden zu ſechs Stunden eine Aenderung vorgehet. Wenn nun bald nach der Einſenkung ein Kablau einen Schellfiſch, der ſich vorhero daran gefangen, einſchlinget, fo befinder man beym nachherigen Aufziehen, daß der Schellfisch ſchon verdaͤuet, und der Angel, der vorher in jenen ſteck⸗ te, nunmehro im Kablau feſte geworden, alſo daß man ihn daran herausziehen kann. Wofern aber der Kab⸗ lau erſt kurz vor Auszug des Angelſtrickes einen daran hängenden Schellfiſch verſchlucket, fo laͤſſet er ſich zwar, weil er ſeinen Raub ungerne miſſet, anfangs daran mit heraufziehen, allein, ſobald er vermerket, daß er aus dem Waſſer heraus gezogen werden will, den verſchlungenen Fiſch willig ſchlupffen, faͤllt zuruck und entkommt. Ye doch iſt ihre ſtarke Daͤuung alsdenn, wenn er große Ta⸗ ſchenkrebſe verſchlucket hat, noch deutlicher zu ſpuͤren. Zwar kann man ſo eigentlich nicht wiſſen, ob er nicht zu deren Verdaͤuung, wegen ihrer harten Haut, etwas laͤn⸗ gere Zeit, als zu der Set Verdaͤuung, nöthig has be.
ſich uns verſtändlich machen 1 Kablag, fonft gehet er bey ihnen unter dem gemeinen Geſchlechtsnamen Torsk mit durch, bey den Engelaͤndern Cod, Codfiſch an einigen Orten Keeling. | Aſellus maior vulgaris Schoeneveldio.
BB Nachrichten von Island.
be. Indeſſen zeiget ſich, wie mich die alteſte und ver⸗ nuͤnftigſte Fiſcher auf Hilgeland berichtet, ſo viel, daß
die Schalen im Magen erſtlich angegriffen, und eben fo
roth, als wenn der Krebs im Waſſer abgeſotten wäre,
gefaͤrbet, nachhero aber zu einer dicken Pappe kale
und endlich ganz und gar verdauet werden . LAY
111 ge⸗ Die Isländer fangen dieſen Fiſch mit Ag wor⸗
wird. an ſie ein Stud einer allsge ech Muſchel, oder die
friſch ausgeriſſene rothe Kiefen der vorher gefangenen Kabbelauen ſtecken. Noch beſſer aber beißet er auf ein
Stuͤck warmen rohen Fleiſches, oder auch auf das Herz
eines friſch geſchoſſenen Vogels, als einer Meve u. d. g. Womit einer eher 20 Fiſche, als ein anderer neben ihm,
mit dem gewoͤhnlichen Aaſe einen einzigen derſelben
faͤnget. Weshalben auch dergleichen Kunſtgriff, des großen Vorſprungs wegen, zu der rechten Fiſchzeit, durch
eine Koͤnigliche Verordnung verbothen iſt. Wenn der oberwehnte Fiſchzug erſt ankommt, ift ihre Menge ſo
groß, daß ſie mit dem Ruͤckenfloßfedern oben uͤberm Waſ⸗
ſer herausgucken, und alsdenn beißen ſie wohl auf einen
bloßen eiſernen Angel, woran gar kein Aas ſitzet.
nn Die rechte Fiſchzeit faͤnget an von Lichtmeſſe, od FT den 2 Febr. und dauret bis Philippi Jacobi, oder 5
1 May. Da es beginnet waͤrmer zu werden, daß der
Jiſch nicht mehr auf die Dauer kann zubereitet werden. )
Bon der Man bemerket, daß der Fiſch allemahl feinen Strich gegen den Strom nimmt. Das Fiſchen geſchiehet auf
t
der Ser, und in tiefen Fioͤrden, ben Tage; in den Un⸗ tiefen aber, die nicht uͤber zehn Faden Waſſer haben, oder, wo die ſtarke Brandung der See zwiſchen den
Schaͤren * Eben als wie die Meerſchildkroͤten in und mit der
Schaale von den Crocodillen verdaͤuet werden, nach des P. Feuillet Anmerkung in feiner enen du een der TERN cee p.375. 8 Me
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Nachrichten von Island. 81
Schaͤren das Auslaufen verhindert, bey Nachtzeit. Der beſte und niedlichſte Fiſch wird in der offenbaren See auf 40 und 50 Faden, wo er vollen Fraß hat, gefan⸗ gen; der unter Land und in den Fiſchfioͤrden gefangen wird, iſt dagegen ſo feiſt, gut und zart lange nicht.
Aus dem gefangenen Fiſche wiſſen die Islaͤnder Aus dem⸗
zweyerley Art Stockfiſches zu verfertigen, der fo gut, bee OR
: i i 1 wohlgeſchmackt und zart faͤllt, | als nirgends ſonſt E Die gemacht.
* Ich brauche hier das Wort Stockfiſch in ſenſu gene- rico: weil man in Oberdeutſchland alle getrocknete Fiſche mit dieſem von der aͤlteſten Treugungsart hergeholten Namen zu nennen gewohnet iſt. Es iſt nemlich bey den Nordiſchen Voͤl⸗ kern ein ſehr alter Gebrauch, daß ſie ihre Fiſche, welche ihre vornehmſte und meiſte Koſt find, zu beſſerer Bewahrung, auf die Zeit, wenn ſie nicht fiſchen koͤnnen, hart zu doͤrren pflegen. Da denn, weil der Fiſch entweder ſo hart, als ein Stock ge⸗ trocknet, oder uͤber dem ſtarken Zuſammenlaufen, indem man ihn rund doͤrret, die Aehnlichkeit eines Stocks bekoͤmmt die Deutſchen Gelegenheit genommen, ihn in ihrer Sprache insgemein Stockfiſch zu heißen. Den erſten und mehreſten Stockfiſch hat man ohne Zweifel aus Norwegen uͤberkommen; von wannen auch noch heutiges Tages der meiſte gebracht wird. Daſelbſt machen ihn die Normaͤnner vornehmlich aus Kabbelau und aus Dorſch. Wie ſie mit deſſen Fang, Zubereit- und Doͤrrung verfahren, kann man aus der citirten Topograph. Norweg. p. 113 fegq. in mehren erſehen. Den fertigen Fiſch bringen dieſelbe in großen Schiffsgefaͤſſen nach Drontheim und Bergen zu Markte. Von dannen er hernach⸗ mahls weit und breit verfahren wird. Die Sorten, welche ietziger Zeit allda gemacht werden, find 1) der Rothſchaͤr, Daͤniſch Rotſkaͤring, der von rot, radix und ſkaͤra findo, weil er gänzlich bis zum Schwanz geſpalten wird, den Nahe men traͤgt. Immaßen der Fiſch, nach weggeſchnittenem Kopfe, und ausgeriſſenem Eingeweide, im Nuͤcken aufgeſchnit⸗ ten, und, nach ausgenommenem Ruͤckgrad, dergeſtalt auch im Bauche bis zum Schwanz geſpalten wird, daß er zwo Saͤn⸗ gen giebet (Olaus M. c. I. Lib. XXI. cap.» faget: ventres in bicubitales ligulas inſtar funium abſciſſas). Von dieſer Gat⸗ tung heißer die befie Sorte . weil er viel zaͤrter > | ek
Nachrichten von Island. Die erſte Sorte, fo von Flacken d. i. ritzen ;
1) Flack⸗ u, oder aufflitzen, Flackfiſch geheiſſen wird, iſt die dar teſte, niedlichſte, ſchmackhaftigſte und theuerſte.
Wie er zu- Sie wird auf folgende Weiſe zubereitet: fo bald die bereitet Fiſcher mit einem guten Fange zu Lande kommen, werfen
d ſie den Sif aus 9 0 den Strand. Alsdenn ihre Wei⸗ ' | ber 5
der uͤbrige, und wird ins bende 100 dem unterm ade gefangenen Dorſch verfertiget. Doch laufen auch zuweilen auf dieſe Art gedoͤrrete Lengen mit unter, welche noch am allerzarteſten fi ſind: dieſer Zartfiſch wird meiſtens in die Catho⸗ liſche Laͤnder verſandt, und in den reichen Kloͤſtern verſpeiſet. 2) Der Rundfifeh, diefer wird nicht gefpalten, ſondern nur im Bauche aufgefchnitten und das Eingeweide herausgenom⸗ men, hernach vermittelſt eines Fadens am Schwanze aufge⸗ hangen; da derſelbe ſich denn zuſammen rollet, und rundlich doͤrret, auch deswegen im Handel Rundfiſch heiße. Von . Sorte gehen die beſten nach Holland, die ſchlechteſten nach Bremen.
Der Rundfiſch kann nur im Frühjahr gemachet werden, ; da die Luft ſo ſtark durchdringet, daß ſie den ganzen Fiſch zu doͤrren vermoͤgend iſt: in der waͤrmern Zeit aber iſt man ge⸗ noͤthiget den Fiſch, damit der Wind ihn beſſer durchdringen und dörren möge, zu ſpalten, d. i. Rotfcheer zu machen. Conf. Topograph. Norweg. cit. loc. Ions Laurizen Wolff Norrig. illuſtrat. p. 62. ſchreibet: om waaren Lader de toͤr⸗ res rund, men Sommerfisken flecke de, oc ſaa Kalles den Rotſkaͤring, das heißet: im Frühling laſſen ſie ihn rund trocknen, aber den , . ſie, und ſo 15 er Rotſchaͤr genennet.
Flaka eft difcindo, Flak, 1 diſſectum, 1 u cum pifcis in tomos oblongos fecatus eft. Gudm. Andr. in Lexic. Island. Arent Berg Danm. oc Norg. Herligh. p. 273 ſchreibet: De lefve af intet andes, end deris Fiskery, ſom neſten gandske beſtar udi Torså, S.enger och Sell⸗ flynder, aff builke de faſt ingen ſalte, men flicke och torre. d. i. Sie (die Nordlaͤnder) leben von nichts anders, als von ihrer Fiſcherey, welche faſt ganz aus Doͤrſchen, Lengen und Hill« buͤtten beſtehet, von chelchen ſie faſt keine ee euern i fpalten und doͤrren.
Nachrichten von Island. 83 ber fich fo fort daran machen, und demſelben nicht nur den Kopf abſchneiden, den Bauch oͤffnen, und das Ein⸗ geweide herausnehmen, ſondern ihn auch zugleich fla⸗ den, d. i. im Bauche von oben an bis unten hinaus
aufritzen, oder ſpalten, und den Ruͤckgrad, weil der Fiſch ſich ſonſt unter demſelben zuerſt anſtecket, vom Nacken an, bis auf drey Glieder (vertebras) unter dem Nabel, herausreißen muͤſſen. Wann die Weiber mit dieſer Ars beit fertig, ſchleppen fie ſowohl die heruntergeſchnittene Koͤpffe, um ſie zur Mahlzeit zu kochen, und hernach⸗ mals die abgegeſſene Graͤthen zur Feuerung zu gebrau⸗ chen; als beſonders die Leber, um ſelbige zum Thran⸗ machen an die Seite zu legen, auf ihren Ruͤcken zu Hauſe. Die Maͤnner aber, die immittelſt ausgeruhet, und mit Brantewein nach der Maße ihres Vermoͤgens ſich ge⸗ labet, legen hierauf den geflackten Fiſch in niedrige oder duͤnne Haufen neben und uͤber einander, doch ohne alles
Salz, und laſſen ihn ſolchergeſtalt drey bis vier Wochen, nach dem ihnen der Wind guͤnſtig iſt, oder, welches ei⸗ nerley, fein trocken, durchdringend und beſtaͤndig wehet, 805 liegen und ein wenig gaͤhren. Ferner machen fie vier⸗ eckigte Bänke von Strandſteinen, worauf ſie den Fiſch zum Trocknen Stuͤck bey Stuͤck wechſelsweiſe neben ein⸗ ander ausſpreiten, und zwar die Hautſeite, damit der etwa fallende Regen nicht aufs Fleiſch treffe, und es fle⸗ ckicht mache, von allen obengekehret. Wofern das Wet⸗ ter trocken, und der Nordwind ſtrenge wehet, kann der Fiſch in dreyen Tagen trucken genug werden. Wann er nunmehro trucken, ſtapeln fie ihn in haushohen Haus fen über einander, und laſſen ihn alſo unbedecket vor Re⸗ i gen und Wetter ſtehen, bis fie ihn zu feiner Zeit an den Daͤniſchen Kaufmann verhandeln. Welcher denſel⸗ ben bey der Lieferung auf gleiche Weiſe aufſtapeln und liegen laͤſſet, bis nach St. bam, da er eingeſchif⸗ fet wird. |
3 2 Die
(2) eng⸗
Wie dieſer
verfertiget wird.
AUnterſchied
im trock⸗ nen.
Wo 10 15
der Stock⸗ fiſch ohne
| Bat eon⸗ tern Climatis kennet, er DRUM, werde gu begreifen,
84 Rachen von n Bela, i: 1
Die zweyte Sorte, welche die Isländer aus dem
Kabbelau machen, wird Sengfiſch von er oder
auf hengen genannt,
Diefer wird zu Anfang auf glich Art gehandhabet, |
als der Flackfiſch; ohne daß man ihn nicht im Bauche, ſondern im Ruͤcken aufſpaltet, und nachdem der Ruͤck⸗ grad eben fo weit, wie am Flackfiſche herausgethan, ein Loch einer viertel Ellen lang zu oͤberſt an der Bruſt zum Aufhaͤngen hineinſchneidet; er wird auch eben alfo wie jener zum ausgaͤhren an die Erde geleget. Mittlerweile,
daß dieſes geſchieht, ſetzen fie von kleinen Felstruͤmmern
\
vier Wände auf, iedoch ohne alle Verbindung, und ganz
lucker, damit der Wind überall deſto beſſer durchſtreichen